Wochen der Arbeit

Viel Neues aus dem Land der wunderschoenen Landschaften gibt es dieses Mal leider nicht zu berichten. Die letzte Woche stand komplett im Zeichen der Arbeit. Heute war mein achter Tag am Stueck. Jaja, Mama und Papa, seht her, ich arbeite hart fuer mein Geld und liege nicht nur auf der faulen Haut (und schon ganz und gar nicht auf eurem Portmonee ;) War voll witzig wie ich zu diesem Job gekommen bin. Tim, mein Ex- und auch wieder Neumitbewohner hat sich ein Auto gekauft. Zufaelligerweise war der Autoverkaeufer Garry, der Sohn von Ron, fuer den ich vor zwei Wochen schon einmal gearbeitet hatte. Garry selbst bietet auch Arbeit fuer Backpacker an, war allerdings mit Felix und Simon (auch Mitbewohner von mir) schon ganz gut besetzt und ausgelastet. Kurzerhand rief dieser aber seinen Dad an und fragte ihn: „Ja, geht klar“ (obwohl er bis vor 2 Jahren Deutsche nicht leiden konnte – er ist Brite – liegt wohl an alten und laengst vergangenen Tagen – heute zu meinem Glueck aber nicht mehr – haben meine Vorgaenger wohl gute Arbeit geleistet). Also hatte ich einen Job. Den naechsten Tag durfte ich auch nochmal wieder kommen. Dann waren wir vorerst fertig. Allerdings stand Ron 3 Tage spaeter wieder in der Hideaway Lodge auf unserer Matte und wollte uns zurueck. Disteln rausreissen. Fuer ca. 3-4 Tage. Hat aber nur 1 ½ Tage gedauert. Gluecklicherweise ist ihm aber noch etwas anderes eingefallen, was jetzt schon die zweite Woche in Anspruch nimmt. Ein quasi fester, garantierter und permanenter Job (wenn es nicht regnet – wie immer halt – das Wetter bestimmt alles) – dafuer bekommen wir aber leider etwas weniger bezahlt als er uns sonst immer zahlte. Aber egal…beschaeftigt fuer eine laengere Zeit. Kein laestiges Brianfragen mehr. Kein Bangesein mehr, ob man am naechsten Tag wieder eine Arbeit findet. Also doch recht praktisch, weshalb wir auch sofort angenommen haben.
 
 
1Das ist unser Feld. Alle kleinen gruenen Baeume muessen weg!!!
2Tag 1.
5Tag 3.
DSC08027Mitten drin.
arbeitZiiiieeeehhh! Der Abtransport der bereits abgeschnittenen Aeste.
DSC08038Kurzes Verschnaufen in der Pause.
DSC08097John vernichtet den letzten Baum. Was fuer ein befreiendes Gefuehl.
DSC08023Apropos befreiendes Gefuehl…
 
Sehr unterschiedlich zu den Disteln ist die Arbeit auch gar nicht. Es handelt sich irgendwie um „importierte“ amerikanische Baeume, die einfach mal am ganzen „Koerper“ Stacheln und Dornen besitzen und diese bevorzugt durch die Handschuhe direkt in die Finger von armen Backpackern stechen. So sehen unsere Finger jetzt auch aus. Und raus gehen die Stacheln auch nicht richtig. Muss ich wohl darauf warten, dass sie raus Eitern ;)
 
DSC08034Mein Dornendaumen.
DSC08030Mein Dornenzeigefinger.
DSC08032Mein Bein.
DSC08031Und mein Arm. Entschuldigt – muss mal kurz ein wenig Rumheulen ;)
 
Abgesehen davon ist die Abreit aber sehr sehr genial. Wir sind den lieben langen Tag an der frischen Luft und Sonnen unsere mittlerweile gar nicht mehr so weissen Mitteleuropaeer Koerper in der prallen Ozon-Krebs-Sonne. Aber keine Angst – wir nutzen immer ausreichend Sonnencreme. Sollte man auch nie vergessen. Neuseeland ist naemlich neben Australien das Land mit den meisten Hautkrebs Erkrankungen. Das liegt an der Tatsache, dass die Ozonschicht ueber Neuseeland und Australien nahezu gar nicht mehr existiert. Und das wiederum liegt zu einem nicht unerheblichen Anteil, naemlich knapp 50%, an den Ausscheidungen von Kuehen und Schafen. Und da von den einen knapp 20 Millionen und von den anderen knapp 60 Millionen existieren kommt da schon eine ganze Menge Kot und somit CO_2 Ausscheidung zusammen ;) Also: Immer schoen Sonnencremen!
Des Weiteren koennen wir den ganzen Tag fuer uns alleine arbeiten. Uns unsere Pausen einteilen wie wir wollen(und das sind nicht wenige ;) – aber zu unserer Verteidigung sei gesagt, dass die Arbeit schon sehr schweisstreibend ist und ohne Pausen der Akku unserer Koerper bereits zur Mittagspause aufgebraucht waere. Sie sind also zwingend noetig!) Ausserdem ist das Abschneiden und Ausgraben der Baeume eine sehr gute Moeglichkeit ganz nebenbei seinen Koerper ein wenig zu beanspruchen und trainieren. Die ganze Schokolade als Ausgleich zum nichtsaettigenden Toastbrot muss ja irgendwie wieder raus ;) Wir sind uns einig – eine sehr tolle Arbeit. Und in den Pausen hat man immer die Moeglichkeit witzige Fotos von seinen zerschundenen Fingern, Armen und Beinen, springenden Spinnen und sich paarenden Schnecken zu machen. Ach ja…und dem Himmel natuerlich. Wie bereits im letzten Blogeintrag beschrieben – ich liebe ihn einfach. Sein BLAU, seine Schaefchenwoelchen…einfach toll. Und Wahnsinn ;)
 
 
DSC08071Lustige huepende Spinnen in der Mittagspause.
DSC08044Leider bin ich Tollpatsch keine 2 Minuten nach diesem grossartigen Foto mit meinen vollen 75 Kilo auf diese beiden turtelnden Shcnecken getrampelt. Hat ihr Panzer dann wohl doch nicht ausgehalten. Ich Arsch!
DSC08098Wieder leider: Haben mit den Baeumen auch das Zuhause von diesen kleinen Schreihaelsen zerstoert ;(
DSC08051Und immer wieder dieses BLAU.

 

Heute hatten wir eine kurze Verschnaufpause von unseren amerikanischen Freunden und durften den Garten von Garry etwas verfeinern (Felix und Simon wurden mittlerweile gefeuert, da sie 3 (!!!) Rasenmaeher von Garry zerstoert haben;). Umgefallene Baeume wieder aufrichten, eine Palme versetzen, Unkraut entfernen um dann Antiunkrautmatten aufzulegen und diese mit roten Steinen zu befuellen. Schoene abwechslungsreiche Arbeit.

 

SupermanAuch etwas Zeit zum Spielen blieb noch fuer die kleinen Kinder. Doch leider war Herr Kent nicht unbedingt scharf darauf nachgeaefft zu werden…
Superman in your face…So gab es erst einmal eine deftige Abreibung ;)
 
Noch 3 Tage Schinderei, dann folgt erst einmal wieder etwas Erholung. Ich werde Kerikeri nach ueber 6 Wochen (!!!!!!!) – es kam mir vor wie 14 Tage – Wahnsinn wie schnell hier die Zeit vergeht (liegt wohl daran, dass Neuseeland auf der Suedhalbkugel liegt. Laufen die Uhren halt anders. Wie das Wasser im Wasserbecken eben – der Studel laeuft ja auch in einer anderen Richtung als bei uns ab), verlassen und nach Auckland zurueck kehren. Aber nur um von hier meinen Flieger in die USA zu besteigen. Erholungsurlaub um Nord/Osten mit Weihnachten in Chicago und Silvester in New York!!!!!!!!!! Hoert sich doch recht angenehm an, wa? Harte Arbeit muss eben auch entschaedigt werden ;)
 
Mal schauen wann dann der naechste Eintrag erscheint. Ich denke mal, dass es jetzt ein wenig dauern wird und ich mich erst nach meiner Rueckkehr nach Neuseeland wieder melden werde.
Ich wuensche all meinen „Lesern“ eine tolle vorweihnachtliche Zeit (hier bekommt man fast gar nichts mit – irgendwie paradox – Weihnachten und geschmueckte Haeuser mitten im Hochsommer. Neulich erst wieder: Lukas hat fuer uns alle Brownies gemacht und in den Schokoguss „2. Advent“ geschrieben – ohne diesen dezenten Hinweis waer dieser Tag voellig an mir vorbei gegangen), ein ruhiges und besinnliches Weihnachtsfest (mit Freunden, in der Familie, wo auch immer), einen tollen letzten Tag im Jahr 2008 und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Dann 2009. Und dann mit vielen neuen Blogeintraegen von mir fuer euch ;)
Ich drueck euch alle,
 
Euer Kiwi-Stefan

 

Nachtrag 1:
Heute war der 11 Tag Arbeit in Folge (Ooohhhhh – ein bisschen Mitleid, bitte!) und wir haben es vollbracht: der boesartigste, dichteste, hinterhaeltigste, stacheligste und wiederwertigste Wald voller amerikanischer Baeume ist niedergemezelt. Hoert sich zwar gemein an – aber es ist einfach nur wie Unkraut und vermehrt sich auch wie dieses wenn man es nicht regelmaessig mit vollem Einsatz bekaemft. Also brauch ich mir keine Gedanken von wegen „Umweltarsch“ oder Aehnlichem zu machen. Ausserdem war es der Auftrag von Ron. Und Ron hat die Kohle. Also hat Ron auch das Sagen. Basta. Jedenfalls ist die Arbeit beendet. Die Wiese war schon ein bisschen wie mein zweites Zuhause. Zwei Wochen schweisstreibende Arbeit schweissen eben doch wie es das Wort vermuten laesst ungemein zusammen. Ein „ja, schon ein bisschen wie Zuhause“ wurde von Ron mit einem Laecheln im Gesicht mit „you can use this field with your fucking tent“ beantwortet (so witzig: ein 72 jaehriger englischer Opi, bei welchem in jedem zweiten Satz mindestens einmal das boese F-Wort vorkommt. Aber bei denen ist jenes irgendwie total in den Sprachgebrauch integriert. Hat nichts mit primitiver Aussprache zu tun – hoert man hier sehr oft. Ein ganz normales Fluchen. Sollte man nicht zu woertlich nehmen ;)

Bei der Verabschiedung meinte Ron, eigentlich ein harter Farmer ohne grosse Gefuehlsregung, mit fast schon weinerlichem Auge und Aussprache „Take care of you, boy“. So suess…

 

Nachtrag 2:
Jetzt kommt das mit Abstand aller Wichtigste der letzten 6 Wochen hier in Neuseeland. Gestern Abend haben wir Janas Geburtstag als Anlass auserkoren, endlich mal so richtig fein Essen zu gehen. Nicht selber schnell was hinwurschteln, sondern sich mal koestlich bedienen zu lassen. Als Austragungsort fuer dieses Gelage wurde das „Rock Salt Cafe & Restaurant“ in Kerikeri ausgewaehlt. Und jetzt mal wieder nur noch ein Wort: WAHNSINN!

Da ueberlegt man ja nicht lange. Steht Rump Steak auf der Karte nimmt man es doch gerne. Preis war auch ok. Gewicht natuerlich auch. Und ebenfalls klar ist, dass bei mir nur die grosse Variante auf den Teller kommt ;) Sprich 400 Gramm. Haetten sie gestern ein noch groeseres Stueckchen angeboten ware wahrscheinlich auch dieses von mir vernichtet wurden. Ein zweiter sehr toller Anlass war naemlich wie oben beschrieben die Beendigung unserer Farmarbeit bei Ron. Aber zurueck zum Steack. Gebracht wurde mir von der Kellnerin ein grosser langer Teller mit einem fast genauso grossem Stueck rohem Fleisch. Haeaeaeaaee? Wie wo was? Das ist ja noch roh. Ganz so blutige sollte es dann aber doch nicht sein. Dem kurzen Erstaunen und Verwirrtheit folgte die klaerende Erklaerung (wieder diese doppelte Verdopplung ;) der Bedienung: Braten Sie ihr Steak bitte selbst genau bis zu dem Grade, wie sie es sich speziell wuenschen. Auf dem Teller lag naemlich ein heisser Stein. Das Steak wurde jetzt in viele kleine Teile zerschnitten und jedes von diesen fuer sich gebraten. So war alles immer sehr frisch und hatte keine Chance auszuduerren. Mhhhhhh. Yummy! Endlich mal wieder Fleisch. RICHIGES Fleisch. Kein Gehacktes. Keine schlechte Wurst. Einfach nur richtig gutes Fleisch. Wie hast du mir gefehlt!!!

Abgerundet wurde dieser super Abend durch einen abstrakten Mix des DJs von 80er Jahre Jon Bon Jovi mit riesen Haarmaehne bis zu den aktuellsten House Gedresche aus den Charts. Aufgefallen ist beim Tanzen auch, dass wir Deutschen und im Gegensatz zu den Maori wie steife Puppen bewegen. Auch wenn wir denken schon jeden Muskel des Koerpers mit in die Bewegung einzubauen. Es geht noch anders. Irgendwie schien es, dass alle anderen auf einer Art Tanzdroge alla Speed waren. Viel zu lustig. Hab mich dabei erwischt wie ich mitten auf der Tanzflaeche einfach erstarrt bin, aufgehoert habe zu tanzen und nur noch den Maori beim Abzappeln zugeschaut habe…

 

PICT4195Lukas hat zwei Tage auf dem Golfplatz “Kauri Cliffs” gearbeitet. Dort ist zB. David Beckham einfach mal so mit seinem eigenen Hubschrauber fuer eine Partie Golf gelandet. Nicht umsonst ist dieser Golfplatz der zweit teuerste von Neuseeland. Da bezahlt man auch gleich diese fantastische Aussicht mit.
PICT4194…und diesen auch. Ganz hinten die aeusserste Spitze ist uebrigens das sehr bekannte “Whole in the Rock”. Sieht man doch…mann ey ;)

 


  



4 responses to “Wochen der Arbeit”

  1. Maddin says:

    gute arbeit hast du geliefert. muss man ja mal sagen. dein körper wird sich wieder erholen. hab ich mal gehört, das das so klappen soll. freut mich, dass du ein so schönes erlebnis mit deinem stück fleisch hattest ;P
    ich wünsche dir also auch ein frohes weihnachtsfest und einen guten start ins neue jahr. lieben gruß aus stuttgart.

  2. KeF says:

    Au Man, dafür hast du nun 4 Jahre studiert, um als Deutscher die Nzl’er von den Ami-Bäumen zu befreien. Naja du wolltest es ja so. Hoffe du hast nebenbei auch noch ordentlich Spass. Wünsche dir noch was und komm gut ins neue Jahr.

  3. Wichtelfrau says:

    Hallo Stefan,
    wir haben gehört, in den Staaten soll es jetzt auch INTERNETZ geben, vielleicht kannst Du ja unsere Weihnachtsgrüße auch dort abrufen:-)
    Wir wünschen Dir und ??? (es wurde ja zur Volleyball-Weihnachtsfeier so einiges gemunkelt…)ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins Neue Jahr. Möge 2009 genauso spannend und abenteuerlich sein, wie das alte zuende ging. Viele interessante Menschen sollen Deinen Weg kreuzen und eine Menge traumhafte Landschaften warten noch im Kiwi-Land.
    So, wir gehen jetzt an den Teiler zum Abbaden in der Apfelstädt…

    Sei lieb gegrüßt von der Wichtelbrigade Frank, Jannik, Simon & Doreen

    PS: Wir warten auf den nächsten Blog !

  4. Maddin says:

    Dir und deinen Lieben ein frohes Weihnachtsfest.

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