The Catlins

Nach Dunedin ging es dann mit grossen Erwartungen bezueglich besser werdenden Wetters weiter gen Sueden. Immer schoen an der Ostkueste entlang. Nicht weit nach Dunedin gelangt man in ein Naturgebiet, was sich “The Catlins” nennt. Keine Ahnung wieso, aber Natur hatte es jedenfalls zu bieten. Und das ordentlich. Und genau nach meinem Geschmack. Und da ich nun ein einsamer Reisender war brauchte ich auch keine Ruecksicht auf andere zu nehmen, mir so viel Zeit wie nur noetig und auch moeglich nehmen und alles ganz in Ruhe und ausfuehrlich anzuschauen. Ohne jegliche touristische Hektik, ohne Drang…einfach GENIESSEN.

Sehr geil in Neuseeland ist ja das Vorhandensein von sogenannten “I-site” in jedem noch so beschissenen (ups) kleinen Pupsnest (ups – aber stimmt schon – einen anderen Begriff haben einige Oertchen echt nicht verdient – was ja nichts schlimmes sein muss, ganz im Gegenteil). Diese Informationszentren bieten einem allerhand Informationsmaterial zu genau der Gegend, wo man sich gerade befindet. In (mh, Ort vergessen – passiert halt schnell mit diesen kleinen Doerfern) bekam ich in eben solch einem I-site eine wunderbare Karte mit vielen kleinen und lokalten Sehenswuerdigkeiten, aber auch mit den Must-Do der Gegend. Und so ging es ans abgrasen aller Markierungen auf der Karte (Schnitzeljagd-like).

Der erste Stop war allerdings nicht auf der Karte verzeichnet – hier musste ich einfach anhalten um einmal die Uebermacht der Schafe zu registrieren (Martin, hier hast du sie en masse – nachdem du sie so verzweifelt gesucht hast ;). Schafe ueber Schafe in dieser Region. Echt der Wahnsinn.

 

SchafeWer mal nicht gleich einschlafen kann sei hiermit gerne zum Besuch meinen Blogs eingeladen und kann diese Schaefchen zaehlen ;)
IMG_7239…oder diese. Ach und…habe mich schon immer gefragt, was dieser Spruch mit “das schwarze Schaf” nur soll…hab es endlich gefunden. Es existiert tatsaechlich!
 

Dann ging es ab zum ersten richtigen und auch eingezeichneten Punkt auf meiner Karte – dem “Nugget Point”. Ein toller Leuchtturm am Ende (oder auch Anfang, je nach Betrachtungsweise) des Kliffs. Ein schmaler Pfad fuehrt zu ihm, links und rechts geht es schoen steil nach unten bis auf Meereshoehe. Dort tummeln sich Seeloewen, Seerobben und wohl auch wieder Gelbaugenpinguine. Diese habe ich zwar nicht gesehen dafuer aber genuegend von den anderen beiden. Und das Vorkommen beider Gattungen auf ein und demselben Platz ist wohl auch uebelst selten (ha, wieder was gelernt). Aber ist schon gewaltig, wenn man da so nach vorne laeuft, der Wind einem ums Gesicht fegt und es neben einem wirklich ordentlich nach Unten geht. Ha, mag ich doch! Vorne gabs dann noch mehr Wind und noch mehr Wasser. Eigentlich nur noch Wasser, als ob es garnichts anderes mehr gibt. Man guckt nach vorne und sieht nur wildes auf und ab, blau ueber blau (ok, grau an diesem Tag). Wahnsinn…so viel Wasser. Nichts anderes. Nur Wasser! Und die kleinen Steine, die dem Platz seinen Namen gegeben haben.

 


Leuchtturm-3aDas ist er, der kleine suesse Leuchtturm – kaum erkennbar von hier, aber am Ende des Pfades war er tatsaechlich – glaubt mir ;) 
Leuchtturm-2aDas sind die Steine, die fuer den Namen Nugget Point verantwortlich sind. Angeblich sehen sie aus wie uebergrosse Goldnuggets, die aus dem Wasser ragen (und ich dacht immer Gold waere goldfarben – mhhh ;)
JacksBlowhole-1Ein Kliff auf dem Weg zum naechsten Hoehepunkt.
 
Danach ging es zu “Jack’s Blowhole”. Allein vom Namen her koennte man ja schon so einiges erraten, was einem so erwarten wird. “Irgend nen Loch, das wohl vom guten alten Jack entdeckt wurde. Was solls schon dolles sein?”. Am Ende wars auch wirklich “nur” ein Loch mitten im Niemandsland eines Farmers, jedoch mit dem Unterschied, dass es ein echt ueberdimensionales Loch (144m lang x 68 breit x 55m tief!) im Boden ist und sich dieses Loch ca. 200 Meter vom Meer entfernt befindet. Wer es jetzt noch immer nicht sehr toll findet sei vielleicht hiermit weiter geholfen: wie gesagt, 200m vom Wasser entfernt. Allerdings befindet sich Wasser in Jacks Loch. Und nicht nur abgestandenes Wasser, sondern richtige Wellen donnern gegen die Waende. Wellen, die 200m weiter vorne durch einen Tunnel in das Loch geschossen werdes. Es existiert quasi ein Wassertunnel irgendwo mitten im Felsen, der unterirdisch vom Strand bis in dieses Loch fuehrt. Allein durch die Wahnsinnskraefte und das Durchhaltevermoegen von Mutter Natur gegraben. Irgendwann ist dann die Erde einfach in sich zusammen gefallen (hat mit Sicherheit mindestens 20 Schafe und 12 Kuehe mit sich in die Tiefe gerissen – reine Stochastik!) und dieses Loch freigegeben. Ich denke also, wenn man in 50 Jahren wieder zurueck kommt ist noch eine ganze Menge mehr zusammen gestuerzt und Jacks Loch wird groesser und groesser.

 

IMG_7086Hier geht es rein…
JacksBlowhole-2…und hier kommt es dann ins Loch geschossen. Echt gewaltig!
Dann kamen Wasserfaelle, wovon es echt viele hier in den Catlins gibt. Manche schoen, gross, gewaltig, andere einfach nur niedlich, irgendwie friedlich und schoen anzuschauen.
 
IMG_7096Im Hintergrund kracht es ordentlich, hier vorne fliesst das Wasser eher friedlich davon (“Matai Falls”).
Horseshoefalls_aBei den “Horseshoe Falls” war der Fall nicht unbedingt megahoch, aber dafuer fiel das Wasser in einer Hufeisenform nach unten. Links ein Fall, rechts ein Fall und dazwischen Zwischenfall (und ganz hinten hinter dem Gruenzeug auch noch ein Fall).
 
Als naechstes der “Lake Wilkie”. Ein Spiegelsee – endlich hatte ich auch mal Glueck und keine doofen und wasserkreiseerzeugende Enten vermasselten mir das Spiegelbild. Allerdings haette ich lieber ein paar Schneeberge im Hintergrund gehabt. Aber diese Baeume machen auch schon mal einen guten Anfang.
 Lake_Wilkie-1Das Ding hier vorne im Wasser war uebrigens kein Hai!
 
Und schon wieder Wasserfaelle. Diesmal die laengsten und groessten und wasserreichsten der Gegend, die “McLean Falls”. War schon echt der Hammer wieviel Wasser da in der Sekunde seinen Weg nach unten antritt. Nebel und Wasserstaub ueberall (kommt hier irgendwie garnicht so rueber). Allein vom blossen Dastehen und Bilderschiessen wurde man schon recht feucht (einen Dank an meine liebe wasserfeste Vaude, du kleiner Schatz! Ach und Soeren, keine Angst, deine Cam ist nicht nass geworden – pflege sie wie mein eigenes Baby!)
 McLeanFalls-3So tosend wie hier vorne ging es noch einige Meter weiter, ehe das Wasser ein weiteres Mal etliche Meter herabfiel.
 
Weiter. Zwar keine Wasserfaelle, aber trotzdem viel viel Wasser. Und auch dieses bewegt sich – zwar nicht senkrecht von oben nach unten, dafuer aber waagerecht und klatschend gegen die Felsen und Steilklippen. Absolut mein Ding! Koennt ich stundenlang zu gucken, wie die Wellen immer und immer wieder ueberall und gegen alles was ihnen in den Weg kommt davor knallen. Immer und immer und immer wieder. Und noch laenger. Und ich stehe einfach nur da und schaue mir das Schauspiel an. An nichts Bestimmtes denken, kein Stress, seine Gedanken einfach nur schweifen lassen, wie die Wellen hin und her, immer und immer wieder, ihnen freien Lauf lassen. Was fuer Erinnerungen, Bruchstuecke meist, Gefuehle einem in diesen Momenten in den Kopf schiessen. Wieso denkt man ausgerechnet gerade jetzt daran? Keine Ahnung, was sich die Impulse im Kopf dabei denken und gerade zu diesen Erinnerungen zurueck kommen, durch die vielen wirren Verbindungen die dort oben vorliegen. Natuerlich habe ich auch sofort an Frankreich 1995 zurueckdenken muessen (Mami, Papi, Schwesterchen), als wir damals (war es die Bretagne?) scheinbar ewig auf den Klippen sassen und genau diesem Wellenspiel beiwohnten? Toll…

 

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IMG_7230Die Gedanken sind frei…
 
Leider kann man bei diesem Wetter nicht fuer immer dort stehen lassen (ausserdem braucht das Gehirn auch ab und an ein bissel Abwechslung – nur dieses Nichtsdenken macht ihm nach einer gewissen Zeit auch keinen Spass mehr). So ging es weiter zur “Curio Bay” und “Porpoise Bay”. Tolle Buchten unter spezieller Beobachtung der neuseelaendischen Naturbehoerde. Hier gibt es die Moeglichkeit mit Hector Delfinen zu schwimmen (kam fuer mich Weichei an diesem kalten Tag natuerlich nicht in Frage – hab sie aber gesehen!), eventuell Wale zu beobachten (mh, das Glueck hatte ich leider nicht ;( und wieder auf meine kleinen trotteligen Freunde zu treffen.

 

IMG_7166Und da ist er auch schon – aber diesmal ein Blaupinguin. Nett wie er ist grinst und winkt er mir auch zu. “Sind ja mittlerweile echt so *fingerkreuzen* miteinander!”
IMG_7229Und sein grosser Verwandter, der Gelbaeugige, wie immer auch hier anzutreffen.
 
Mein 6. Tag in Folge mit diesen suessen kleinen Knuddeltierchen. Sieht zwar so aus, aber bei dieser Stellung handelt es sich nicht um publikumgeiles Posieren – diese Art der Pinguine sind extrem scheu, extrem extrem, allerdings verlieren sie einmal im Jahr ihr Fell, sie Fellen sich quasi, und an diesen Tagen (ca. 2 Wochen) bleiben sie meist am Strand, stehen einfach nur stumm da und verlieren eben ihr warmes Fell. Leider nutzen dies immer wieder Touris aus und naehern sich bis auf einen Meter an, obwohl am Zugang des Strandes steht, dass man mindestens 10 Meter Abstand halten sollte (obwohl es an anderen Orten (wesentlich sinnvoller) mindestens 200 Meter sein muessen!). Ich zaehlte leider am ersten Tag aus reiner Neugier auch zu den fotogeilen Affen. Der haeufige Umgang in den letzten Tagen, die vielen Informationen die man neu ueber diese Tierchen bekommt und auch Gespraeche mit den Verantwortlichen lassen einem schnell umdenken. Und erst dann merkt man, wie sinnvoll diese Abstandsregeln einfach sind. Ist ja nicht so, dass die Naturschuetzer einem den Spass verderben wollen – es hat einfach Sinn. Dem Wohle der wohl seltensten Pinguine der Welt zuliebe. Und da passiert es dann auch mal, dass mir fast der Kraken geplatzt ist, als ein daemlicher ignoranter Touri sich mit seinem 500er Objektiv bis auf wenige Zentimeter naehert, sich direkt vor scheuen Pinguine stellt und knipst und knipst und knipst. Ahhhh, was will der denn??? Ich meine, auch ich wuerde am liebsten diese knuddeltiere in die Arme nehmen und “quetschen” und knietschern und knuddeln…aber geht nun mal nicht. Und dieser Arsch hat schon das noetige Equipment um gestochenscharfe Grossaufnahmen aus locker 200 Metern Entfernung machen zu koennen. Was will der so nah??? Die Iris von hinten aufnehmen? Affe, echt mal. Gluecklicherweise ist er dann nach einer lautstarken Aufforderung von mir (ja, ich kann auch anders ;) wieder auf Abstand gegangen.
 
 
IMG_7212So sollte es sein – schoen auf Abstand bleiben. Und da man ja nicht doof und auf den Kopf gefallen ist kann man sich schon bald selbst helfen – hat sein Fernglas dabei und Bilder werden einfach hindurch geschossen. Sind zwar nicht ganz so gestochen scharf wie ohne und aus einem Meter Abstand – aber es reicht!
 
 
Jetzt kam der “Slope Point”, Suedneuseelands suedlichster Punkt (ja Martin, hast ja recht, gebs zu – Stewart Island ist suedlicher, deswegen leider nur der suedlichste Punkt der suedlichen Hauptinsel). Reicht aber auch. Find sowas immer sehr interessant. Suedlicher geht es nicht (ausser die doofe Insel ;) Lange lange Wasser, dann kommt irgendwann die Antarktis. Sonst nichts mehr. So suedlich war ich noch nie in meinem Leben – irgendwie ein interessantes Gefuehl!
 
 
IMG_7244Ganz schoen nah am eisigen Eis des Suedpols. 
IMG_7247Und so sieht es aus, das Ende Neuseelands.
 
Es ging zwar laut Karte irgendwie noch weiter runter, Luegenkarte, aber am Ende sah es fuer mich nur so aus. Eigentlich ging es namelich wieder hoch in den Norden, obwohl noch immer ganz unten im Sueden der Suedinsel. “Waipapa Point”, wieder einmal ein Leuchtturm – jahrelang sieht man keinen (muss man das ueberhaupt?) und dann innerhalb von 2 Tagen gleich dreie. Irgendwie haben auch sie irgendwas.

 

IMG_7265So und nicht weiter – das war das meiste was ich an Sonne in dieser Gegend fuer eine Woche gesehen habe (dabei ist es doch noch Sommer ;)
WaipapaPoint-1Hinter mir das Meer, irgendwann die Antarktis, vor mir der Turm…
IMG_7276…und wieder viele Seeloewen. Die faulen Saecke. Liegen einfach nur rum und machen nichts. Aber suess war es trotzdem (nein, nicht die Loewen, die sind haesslich) wie sie ihn mit ihrer Flosse liebevoll umarmt hat ;)
 
In “Fortrose”, dem letzten Punkt meines Catlin Abstechers gab es dann noch das Schiffswrack “Ino” zu bewundern. Aber nur bei Ebbe. Gluecklicherweise hatte ich unbewusst alles genau so geplant, dass ich zur besten Zeit ankam. Ha…ich Fuchs ich.

 

IMG_7289Dort draussen ist es – der schwarze Punkt im Wasser.
IMG_7286Das Wasser muss nicht immer gegen Felsen knallen. Auch Ebbe kann Interessantes zum Vorschein bringen.
Shipwreck-Ino_1Da ist sie…die Ino. Noch weiter aus dem Wasser kam sie leider nicht.
IMG_7301Hab ich doch direkt gleich hier geschlafen. Abends im Dunkeln nichts erkannt, morgens im Sonnenschein, eeeeeendlich mal wieder, direkt von einem bloekenden Schaf neben meinem Auto geweckt wurden ,)
IMG_7303Und noch einmal das Wrack bei Tageslicht.
 
Das waren sie, die Catlins. Ein fuer mich wahnsinnig schoenes und interessantes Stueckchen Neuseeland. Kein Adventure und deshalb auch relativ wenig Touristen. “Nur” Natur. Pure Natur. Tolle Natur. Zum Traeumen schoen. Zum Traeumen im warsten Sinne des Wortes – wie gesagt…

DIE GEDANKEN SIND FREI.

 

Strand-1

 


 

 



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