Routeburn Track

Endlich ging es auf die erste einer ganzen Reihe von Wanderungen (ok, vielleicht nen bissel uebertrieben – 3e sinds ganz genau). Die “Great Walks” von Neuseeland. Von diesen gibt es nur gut ein dutzend, sie sind wunderschoen, kosten dafuer aber auch gleich wieder mehr Uebernachtungsgebuehren und sind leider in der Hauptsaison etwas ueberlaufen.

Den Auftakt macht der “Routeburn Track”. Mit seinen 32 Kilometern ist er eigentlich recht kurz und einfach, man kann ihn in 2 oder auch 3 Tagen laufen. 32km hoert sich jetzt auch nicht so viel an, wird dann aber mit knapp 1500 Hoehenmetern gleich wesentlich interessanter. Noch besser wird es, wenn einem klar wird (mir leider erst nach der Huettenbuchung), dass es sich beim Routeburn nicht um einen Loop-Track handelt, man also einen Rundkurs laeuft und am Ende wieder am Anfang heraus kommt (der Anfang wir das Ende sein! – ueberaus praktische Sache), sondern ein Oneway darstellt. Das heisst, man laeuft irgendwo los und kommt eigentlich nicht wieder dort heraus, sondern irgendwo ganz anders. Doof. Und dumm. Schwer zu planen. Normalerweise vielleicht auch gar kein soo grosses Problem, koennte man doch einen Bus nehmen oder den Daumen heraus halten. Aaaaber, nicht so hier. Denn um vom Endpunkt des Walks mit dem Bus wieder an den Anfang zu kommen muss man einen megariesenheidengigantischen Umweg von gerade mal laecherlichen 350 Kilometern in Angriff nehmen. Pah, spinnt wo, der Weg, kostet locker noch einmal 100 bis 150 Dollar. Aeh aeh, so nicht. Also bin ich auf meiner Seite gestartet, am “Divide”, so lang gelaufen wie mich meine kleinen Beinchen tragen konnten und ich die letzte Huette auf der Strecke erreichte (war dann knapp 6 Kilometer vor dem Ende, also nach knapp 26 Kilometern), habe dort uebernachtet und bin dann am naechsten Tag den selben Weg wieder zurueck gelaufen. Natuerlich wieder 26 Kilometer (hat sich irgendwie nicht geaendert) und natuerlich sind dadurch auch noch einige Hoehenmeter mehr dazu gekommen (gut und gerne 2600m insgesamt). Omg, das war dann schon echt hart – meine Wanderwaden kamen voll auf ihre Kosten ;)

Aber vom Anfang an.

Los ging es wie gesagt am Divide, die erste Stunde nur bergauf, direkt nach dem Aufstehen fruehs um 7:45 Uhr (wollte eigentlich vorbildlich um 6 aufstehen, wars aber noch stock dunkel). Irgendwie muss ich unnoetigerweise unterwegs auch noch ein Schild uebersehen haben (man guckt dann irgendwann nur noch dumm nach unten ;) und war somit viel zu weit hinauf gelaufen. Glueck im Unglueck, denn so war ich am “Key Summit” angelangt mit wunderbaren Ausblicken in alle Richtungen. Auch die ersten Schneeberge waren von hier zu sehen.
 
 
IMG_7328So geil wie sich die Wolken so langsam aus den Bergen ziehen.
Routeburn-2aBissel Schnee ist erkennbar.
IMG_7329Ja, hier erst recht.
IMG_7332Die Wolken schieben sich von der anderen Seite ueber den Kamm.
IMG_7335Unter mir nur noch Wolken.
 
Bissel aufgeregt war ich nun schon – kaum eine Stunde gelaufen und schon verlaufen? Mh, doof. Hab doch noch so viel vor. Und keine Zeit. Muss doch mit meinen Kraeften haushalten. Ein netter Wanderer meinte dann, dass ich wieder ein ganzes Stueckchen bergab laufen koenne und dann dort auf mein uebersehenes Schild treffe. Da wars dann auch, doof, und noch viel doefer, wenn man bedenkt, dass ich das Schild beim Aufstieg sogar gesehen aber leider falsch verstanden hatte. Naja, wieder zurueck auf der Strecke, beruhigt mich aber. Von hier war es dann nicht mehr weit zur ersten Huette. Kurz nen Riegel und wieder weiter. Nach einer weiteren Stunden kamen die “Earl Falls”, die 174m in die Tiefe stuerzen. Wow – ist schon echt tief. Und echt viel Wasser. Natuerlich wieder Fotos gemacht (der wievielte Wasserfall war das nun eigentlich?). Weitere 2 Stunden spaeter dann die naechste Huette (Mackenzie Hut). Mittag. Lecker. Naja, eigentlich nicht. Aber verdient. Viel geschwitzt. Brauch wieder Naehrstoffe. Also doch irgendwie lecker. Ach, egal.
 
Von hier ging es die naechsten 2 Stunden nur noch steil, nein, richtig steil nach oben. Gut das ich ein so naehrstoffreiches Mittag hatte ;) Puh, war echt Hammer hart. Haet ich nicht gedacht. Mein zusaetzliches Zelt auf dem Ruecken machte sich richtig mies und negativ bemerkbar (wollte so schoen Dollar sparen und statt in einer 45 Dollar Huette in meinem 15 Dollar Zelt uebernachten – aber bereits hier kommen die ersten Zweifel). Vorallem geht es im Zickzack nach oben, heisst, man kommt scheinbar nie so richtig voran. Man laeuft und laeuft und klettert und krackst und nach 40 Minuten sieht man noch immer die Huette unmittelbar unter einem, die man schon vor Ewigkeiten verlassen hatte. Aber auch dieser Berg hatte geologisch bedingt irgendwann seinen Hoehepunkt erreicht. Yeah, haha, waere doch gelacht gewesen. Und die Aussicht entschaedigt natuerlich fuer einiges.
 
 
IMG_7370Bleibt man gerne auch mal laenger sitzen.
Routeburn-6aLeider hab ich irgendwie die Bergspitzen “vergessen” (jaja Soeren, kann mir vorstellen wiede jetzt in dich rein grinst – aehnlich dem Fuesseabschneiden bei dir immer ;)))
IMG_7373Dieser Weg, wird kein leichter sein…aber dafuer immer schoen am Schneeberg Panorama entlang.
 
Ganz ganz oben, am “Harris Saddle” mit 1255m Hoehe war ich dann endlich wirklich auch ganz ganz oben ;) Eeeeendlich, war einfach nur hart bis hier her. Hab mich mit dem Gewicht des Rucksacks wohl doch etwas ueberschaetzt. Doofes Zelt, schon wieder. Aber mir kam dann ein netter hollaendischer “Nachbar” entgegen, der eigentlich noch viel weiter wollte, nachdem er mich aber nach dem Weg gefragt hatte dann doch keine Lust mehr hatte und mich wieder in die andere Richtung begleitete. Und mir sogar 2 Fressdosen abnahm. So ging es dann doch schon viel leichter. Bis zum Ziel war es nicht mehr weit – knappe 4 Kilometer vielleicht. Diese zogen sich allerdings noch einmal ueber 2 Stunden in die Laenge, da es jetzt sehr steil wieder bergab ging und auch dieses dank unfesten Steinen nicht viel einfacher war. Ausserdem geht es auf die Kniee (bin ja auch nicht mehr der Juengste ;) Ich weiss, mir kann man es auch nicht Recht machen. Bergauf doof. Bergab doof. Gerade ist toll, ging es aber nicht einmal ;)
 
 
Routeburn-8aAuf der anderen Seite, das “Routeburn Valley”.
Routeburn-9aUnd wieder bissel Wasser was faellt.

 

Dann endlich, nach knapp 9 Stunden Wandern und Fluchen war ich endlich da. Aaaaahhh, ein langer Tag, viele Meter hoch und drueben dann wieder runter. Aber da, ist das wichtigste. Und meine kleinen Sandflyfreunde waren auch schon wieder da ;) Somit habe ich das Zelt dann nur noch ganz fix aufgebaut (oh Gott, grosser Fehler), damit mir die Mistviecher den Tag nicht noch versauen und ich endlich mein wohlverdientes Abendessen bekomme. Viele leere Zellen muessen schliesslich wieder mit Energie gefuellt werden (Schokolade war leider nicht mit am Start). Vorher gab es im eisklaten Gebirgsfluss aber noch eine schnelle Abkuehlung, um mich wenigstens ein wenig von den angesammelten “Geruechen” des Tages zu befreien ;)
 
 
Routeburn-10aMein Zelt, ganz provilaktisch “dahingeschmissen” – aber die Lage des Zeltplatzes war echt genial.
 
Zum Thema “schneller Zeltaufbau” noch etwas. Schnell beinhaltet nicht unbedingt ordentlich. Und somit auch nicht gerade wasserdicht. Leider kam dieses in der Nacht zu Hauf vom Himmel genau auf mein Zelt gefallen. Da ich bereits 18 Uhr die mueden Aeuglein geschlossen und es zu diesem Zeitpunkt bereits geregnet hatte hat das Zelt seinen Wasserdichtstatus nach ein paar Stunden aufgegeben. Ich wach dann irgendwann auf, mit dem Kopf auf einem klitschnassen Kopfkissen. Mh, wie gemuetlich. Nichts mit toller Erholung. Ueberall ist das Wasser reingelaufen, da das Aussenzelt direkt auf dem Innenzelt auflag und das Wasser direkt nach Innen weitergeben konnte. Direkt unter mein Kopfkissen und auch eigentlich sonst ueberall hin. Richtig doof. Wie ein krummgeschissenenes Fragezeiche habe ich dann versucht auf den letzten uebrig gebliebenen trockenen Stellen weiter zu schlummern. Achja, habe natuerlich auch noch mitten im Regen und mitten im Dunkeln das Zelt nachgespannt. Irgendwie hat es dann halbwegs bis zum naechsten Morgen durchgehalten. Danke Zelt!
 
An diesem naechsten Morgen ging es dann puenktlich um 8 Uhr wieder los, da ich ja ganz genau wusste was noch vor mir liegt. Motivation war leider etwas abgefallen, da ich (hehe Papa, hab ich wahrscheinlich von dir) es nicht unbedingt leiden kann, ein und demselben Weg zweimal zu laufen. Und schon garnicht mit Gepaeck ;) Und ein klitschnassen Zelt ist auch nicht unbedingt leichter geworden.
 
 
Routeburn-11aAuf dem Rueckweg, auch ein Teil des Routeburn Tals.
 
So ging es die 4 Kilometer wieder nach oben, hat knapp 2 1/2 Stunden gedauert. Leider war auf der anderen Seite an diesem Tag nichts, aber auch rein garnichts zu erkennen. Nur grau. Nur Wolken und Nebel. Nur Regen. Wie beschissen.
 
 
Routeburn-13aWieder kurz vorm Harris Saddle.
 
Die naechsten 4 Stunden ging es wieder nach unten. Die Strecke, die am Vortag noch so genial gewesen war, mit Sicht auf so viele Schneeberge – heute nichts. Mh. Steigert auch nicht gerade die Motivation. Genauso wenig wie der Regen, der einem um die Ohren geprasselt kommt. 4 Stunden koennen uebrigens gaaanz schoen lang sein. Locker mehr als 4 Stunden. Eher 8. Oder 12. Vorallem laeuft man da so nass vor sich her, sieht nichts, laeuft und laeuft, die Beine sind echt muede, fragt sich dann irgendwann nur noch WIESO? Warum macht man das? Was soll das? Ist man nicht doof? Gibt sicherlich besseres, als ewige 52 Kilometer zu wandern, einen Monsterrucksack zu tragen, vom Regen voellig, na gut, hab ja eigentlich ne ganz gute Jacke, nicht voellig aber sehr durchnaesst zu werden und dabei nicht einmal einen tollen Ausblick geniessen zu koennen.
 
Dann ist man aber irgendwann am Ende, hat es geschafft und ist nur noch gluecklich. Ploetzlich ist alles wieder so toll. Man liebt die Welt. Fuehlt sich so gross. Hat es gepackt. Diesselben Gefuehle wie nach einem Marathon. Auch dort fragt man sich unterwegs staendig wofuer man das eigentlich macht. Im Ziel ist ploetzlich alles total logisch. Man macht es, weil es geil ist. Man geht an seine koerperlichen Grenzen, macht Dinge, die man nicht jeden Tag macht und freut sich anschliessend wie ein kleines Kind es geschafft zu haben. Und nebenbei auch noch (am ersten Tag) wahnsinnig tolle Natur gesehen hat. Und wenn man im Nachhinein sich dann die Bilder anschaut ist sowieso alles klar – zum Glueck habe ich es gemacht. Allein diese Bilder, Erinnerungen und Erfahrungen sind es Wert. Absolut. Und jeder Zeit wieder!
 
 
IMG_7418Beim Ueberqueren der “Earl Falls”. Nicht ganz 174 Meter sind erkennbar. Aber mindestens 1.80 Meter und sogar noch nen bissel mehr ;)
Routeburn-14aDie Strasse zurueck zum Holiday Park. Hab mich in dieses Tal verliebt. So schoen. Die doppelte Strasse ist ein wenig verwirrend, es gab auch nur eine. Ist dem Panorama geschuldet!

 


 



2 responses to “Routeburn Track”

  1. Sören says:

    Servuz Stefan.

    Die Bilder und die Beschreibung wecken schon ein bisschen die Sehnsucht nach solchen tollen Wanderwegen.
    Hoffe, du hattest zumindest im Milford Sound und auf dem Kepler-Track besseres Wetter. Das macht das Wandern dann noch attraktiver.

    Hau rein Großer!

  2. Stefan says:

    Kepler ja, Milford nein, ist ja auch erst noch (wenn du nur einmal zuhoeren wuerdest, grosser! ;)))

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