Roadtrip – Suedinsel – Queenstown

Queenstown ValleyUnser erster Blick aufs Queenstown (jaja Martin, man erkennt leichte Bilduebergaenge ;)
IMG_6500Die Promenade bei Nacht. Die Stadt hat mir sehr gut gefallen – passiert nicht oft bei neuseelaendischen Staedten (auch gut so – will ja die Natur sehn).
IMG_6538Unsere Lodge – Klasse, dass es doch noch gekplappt hat. Und wie!
IMG_6541Was fuer eine Aussicht zum Fruehstuecken!!!
 

DER Tag ist gekommen. Der Tag, an dem man das macht, was man in Neuseeland eigentlich so macht. Machen muss. Fuer was man eigentlich auch her gekommen ist. Lange haben wir warten muessen. Bereits in Auckland, 3 Wochen vorher, haben wir gebucht. Damals erschien es noch so unendlich weit weg. „Wieso kann es nicht endlich so weit sein???“ Jetzt war es so weit…. Viele Male hatten wir drueber gesprochen. Wie krass das werden wird. Innerhalb zweier Wochen zwei so abgefahrene Sachen. Haben uns gegenseitig schiss gemacht. Uns ausgemalt, wie es sein wird. Ueberlegt, was man zu diesem besonderen Tag anzieht. Wie man seine Haare traegt ;)) Jetzt war es endlich so weit. AJ Hackett ruft…und wir folgen ihm.

Zuerst ging es zur „Kawarau Bridge“ am gleichnamigen Fluss. Eine der bekanntesten Bruecken Neuseelands. Nicht gerade sehr gross, aber gut aussehend, super erhalten, in eine tolle Landschaft eingebettet ueberspannt sie diesen farblich wunderschoenen Fluss und ist zudem noch Schauort fuer unser heutiges Vorhaben. Martin macht den Anfang. Er will das Original. Er folgt den Spuren von Herrn Hackett, dem Erfinder einer der spektakulaersten Sportarten der Welt. Erfunden haben es eigentlich irgendwelche Einwohner. In den Uebergangsjahren zum Erwachsenenalter mussten die Jungs des Stammes ihre Maennlichkeit unter Beweis stellen und von einem ziemlich hohen Geruest herunter huepfen, nur an einer Liane an ihren Beinen festgebunden. Lianen verhalten sich aehnlich wie Stricke, sie lassen die Jungs so lange fallen bis ihre gesamte Laenge erreicht ist und dann ziehen sie umbarmherzig an den Beinen und stoppen somit den Fall. Eine ziemlich schmerzhafte Angelegenheit. Wer dies ueberlebte war es Wert in die Maennerwelt des Stammes aufgenommen zu werden (jaja, Jungs und ihre Spielzeuge). Der Herr Hackett hat sich nun gedacht: „Mh, eigentlich sieht das ganz spannend aus, wenn auch etwas schmerzhaft. Da gibt es auf jeden Fall noch Platz zum Optimieren – etwas mehr Elastizitaet im Seil koennte dabei ein guter Anfang sein.“ Gesagt getan…das Bungee war geboren! Fuer seinen ersten oefentlichen Auftritt waehlte er einen recht publikumsaufmerksamen Ort – den Pariser Eifelturm. Ein Turm, ein Mann, ein Seil und ab ging es. Keiner hatte eine Ahnung was dieser schwingende Mensch da zwischen den Pfeilern des Eifelturmes eigentlich machte. Nicht einmal die Polizei. Kein Jahr spaeter hat jener Mann bereits die erste kommerzielle Bungeeanlage der Welt installiert. Und zwar an eben dieser Kawarau Bruecke ganz in der Naehe von Queenstown.

Und genau dort standen wir an diesem schoenen Sonntagmittag auf dem Besucherplateau und beobachteten Martin, wie er manneslike ohne T-Shirt die Absprungskante erreicht. 43 Meter unter ihm fliesst das tuerkiese Wasser vorbei. Ein letzter Blick in die Kamera, ein letztes sehr ausfuerhliches Winken zu den zahlreichen Zuschauern und ab ging es mit einem ordentlichen Tarzanschrei in die Tiefe. Flattttschhhhh…der halbe Oberkoerper durchdringt die Wasseroberflaeche – Wassertouch nennt sich diese tolle Option. Mit einem noch breiteren Grinsen wird Martin vom Seil in das bereits wartende Boot gelassen. „War genial…“ – sein Statement nach dem Sprung. Diese Aussage (anstelle von seinem Standardsatz „war ok“) und die Tatsache, dass vor lauter Emotionen wirklich ein Schrei ueber seine Lippen kam zeigt uns, wie wahnsinnig geil es fuer ihn gewesen sein muss. Freut uns…und erhoeht die Spannung auf unseren Sprung. Aber auch das mulmige Gefuehl, da wir jetzt einen Sprung aus 43 Metern gesehen haben. Unser Sprung ist dreifach so lang!!!

1 3 4 M E T E R ! ! !

Doch zuerst mussten wir eine kurze Fahrt zum „Nevis Bungy“ Center vornehmen. Dort angekommen blieb kaum Zeit zum Gucken. Rein in das Geschirr, Wertsachen abgeben, alle Hosentaschen leeren, wiegen lassen (wo kommen denn ploetzlich diese 3 zusaetzlichen Graemmchen her???) und ab ging es in die Gondel. Der Nevis Bungy befindet sich in einem abgelegenen Tal, das mit dem eigenen Auto nicht befahrbar ist. Links und rechts ragen die Felswaende auf. Igrendwo unten im Tal fliesst der kleine niedliche „Nevis River“. Oben ueber dem Tal sind Drahtseile gespannt. Ca. in der Mitte ist eine grosse Gondel…und genau zu dieser sind wir nun mit der kleinen unterwegs. Der Boden entfernt sich immer weiter. Details sind kaum erkennbar – sehr weit weg. Wir erreichen die Hauptgondel. Unsere Fussfesseln werden uns angelegt. Ein Maedel steht am Absprung. Sie zoegert. Und wartet. Und heult. Und krampft. Sie will nicht. Die Crew spricht ihr gut zu. Sie heult immer mehr. Sie geht zurueck. Sie verzichtet. Kreidebleich kommt sie wieder zurueck. Na prima, genau vor unserem Sprung so ein Theater. Das baut doch auf. Steffi ist die erste. Ich such mir noch ein gutes Sichtfenster im Boden der Gondel (ja, der Boden war teilweise verglast, damit man auch ja schoen schiss aufbauen kann) da fliegt sie schon los. Wow, Respekt Steffi, das ging schnell. Uebergluecklich kam sie dann wieder hoch.

 

Nevis Bungee JumpIch war der zweite von uns – Steffi hatte ihren Sprung bereits kurz und schmerzlos hinter sich gebracht.
 

Ich war der naechste. Auf einem Stuhl wie beim Frauenarzt (nicht das ich da schon einmal war…aber kennt man ja irgendwie irgendwoher ;) wird man praepariert. Das Seil wird an die Beine angeschlossen. Ein paar Absprung- und Fluginformationen werden gegeben. Ein letztes Foto wird geschossen. Dann geht es zum Abgrund. Und dieser ist tief. Verdammt tief. Einige Male wurde uns vorher gesagt, dass man das Heruntergucken unbedingt vermeiden sollte, verunsichert nur. Vor und springen hat man uns geraten. Ich geh vor, von hinten werde ich von dem Crewmitglied gehalten. Die Kante kommt immer naeher. Das Herz rast. Der Atem wird tief. Die Brust haemmert, man spuert jeden Herzschlag. Langes Einatmen, langes tiefes Ausatmen. Die Kante ist erreicht. „Bitte noch weiter vor“! Na klar, mach ich doch, wenn ich schon einmal hier bin. Natuerlich habe ich mich nicht an die Anweisungen gehalten nicht runter zu gucken. Bin doch nicht bloed. Wenn will ich schon genau sehen wohin es in wenigen Sekunden gehen wird. Gerade das ist ja das Interessante. Gerade das ist ja das Harte an der Sache. Und gerade das ist das Aufregendste von allem. Man steht mit seinen Zehen bereits ueber der Kante. Beide Beine sind aneinander geknotet. Unmittelbar vor einem geht es ueber 140 Meter in die Tiefe. Man wankt. Und guckt ganz genau senkrecht nach unten. WOW. Wie genial ist das denn bitte schoen. Absolut ein Hochgefuehl. Absolut zu den besten und abgefahrensten Sachen der Welt und in meinem Leben zu zaehlen. Dort an der Kante stehen und unten den kleinen Fluss sehen. „3…2…1…“ hoer ich es hinter mir zaehlen.

 

So nicht mein Freund! Hier bestimme ich. War schliesslich teuer genug. Da lass ich mir nicht reinreden wann ich zu springen habe. Den Countdown ueberhoere ich geschickt. Tiefes Ein- und Ausatmen. Der Blick nach vorne gerichtet. Ein letztes Mal Einatmen – ich weiss, das ist das letzte Mal Atmen vor dem Sprung…ich kann es einfach nicht beschreiben was einem da alles durch den Kopf geht – ich glaube eigentlich, dass es gar nicht so viel ist. Viel mehr einfach nur das absolute Glueck. Und Freiheit wie man sie hoechstens noch beim Skydiven erfahren konnte. Die Luft ist in der Lunge, die Knie knicken ein, druecken sich ab. Die Arme weit auseinander gestreckt. Der Bodenkontakt ist verloren. Ich bin in der Luft. Es gibt kein Zurueck. Ich fliege. Mit einem gewaltigen Schrei wird die gesamte Luft wieder aus den Lungen heraus gepresst. Es geht nach unten. Es geht in einem Affenzahn nach unten. Der Boden kommt so schnell naeher. Viel zu schnell. Die Beschleunigung ist der Wahnsinn. Unbeschreiblich geil. Man ist wirklich einfach nur frei. Und fliegt. Trotz dass der Boden auf einem zurast hat man keine Angst. Nur geil. Das Seil zieht…staerker…es ruckt…alles Blut des Koepers scheint in den Kopf gepumpt zu werden, Stillstand…und schon geht es wieder ab nach oben. Durchatmen. Schrein. Alles muss raus. Wieder kurzer Stillstand mitten in der Luft. Man steht in der Luft. Und noch einmal geht es gute 80 Meter nach unten. Noch einmal durchlebt man den Sprung. Wieder kommt die Erde rasend schnell auf einen zu. Wieder ruckt das Seil. Man stoppt, und wieder geht es nach oben.

 

Ich loese die Fussfesseln und gelange in eine entspanntere Haltung. Am Bauch haengend lasse ich alles Baumeln. Wie ein lebloser Sack haenge ich am Seil. Gluecklich. Alle Anspannung ist nun gewichen. Ich haenge da und geniesse. Losgeloest und voller Adrenalin. Ich liebe das Leben. Ich lieb die Welt. Ich liebe einfach nur alles und jeden. Ich haenge und wirklich einfach nur gluecklich. Langsam geht es wieder nach oben. Dort werde ich wieder auf die Plattform gezogen. Das wars. Meine Knie zittern. Mein ganzer Koerper zittert vor Aufregung. Ich bin absolut fertig. Positiv fertig. WOW – keine Ahnung…einfach nur geil. Unbeschreiblich schoen. Abgefahren. Toll. Unglaublich wahnsinnig genial.

 
 
Nevis Highwire Bungy 134mZweimal tief durchatmen…ein letzter Blick und ab ging es in die Tiefe.
AJHB_AJHN_2009_02_15_C3118_3476Und tiefer…
Nevis Bungee Platform…und tiefer! Einfach nur GEEEEEEEEEILLLLL!!!!!

 

Soeren ist der naechste. Er macht kurzen Prozess: „3…2…“ weg war er. Der Countdown noch nicht richtig abgezaehlt uebertoent er mit seinem Freiheitsschrei die letzte Zahl. Er faellt. Und steigt. Und faellt. Und steigt. Und baumelt. Und ballt die Faeuste. Und lacht. Als er oben ankommt sieht man auch in seinen Augen die pure Freude.

 

AJHB_AJHN_2009_02_15_C1117_3481Hihi – Seh ich da etwa einen kleinen Anflug von Schissrichkeit, Herr Waitz?? ;)))
Nevis Bungee - did it!We Did It!!!
Nevis-2Das komplette Tal mit Bungygondel noch einmal im Panorama.
 

We did it – wir haben es getan. Mehr muss man dazu nicht sagen.

 


 
 


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