Roadtrip – Suedinsel – Franz Josef / Fox Glacier

Das erste Mal in der Nacht wach geworden und es tratschte gegen die Fensterscheibe. Beim zweiten Mal dasselbe Geraeusch. Auch beim dritten und eigentlich jedem Mal wenn ich wach wurde. Sprich, es hat quasi die ganze Nacht durch geregnet. Aergerlich, wollten wir doch an diesem Tag zum Franz Josef und Fox Gletscher wandern. Hatte aber auch einen Vorteil: es war der erste Tag, an welchem die umfangreiche und ausfuehrliche und gewissenhafte Sonnenmilch-Eincreme-Zeremonie der beiden Jungs gegen Null ging und uns somit viel Zeit ersparte ;)

Als erstes aber wurde Jana verabschiedet, da sie uns an diesem Tag mit dem Nakedbus in Richtung Queenstown verlassen hat. Ich wuensche dir alles Gute fuer deine letzten beiden Monate in Neuseeland. Geniess die restliche Zeit – und arbeite nicht so viel. Das kommt noch frueh genug.

Gegen 10 Uhr ging es dann zum ersten Gletscher, dem „Franz Josef Glacier“. Auf der Fahrt zum Carpark brachten ein paar Informationstafeln am Strassenrand den aufmerksamen Autofahrer zum Staunen und Nachdenken. Denn die Tafeln standen noch lange vor dem Gletscher, zeigten Jahreszahlen und die Aufschrift, dass dieser dann und dann noch bis zu diesem Punkt gereicht hatte. Die Tafeln standen locker 4 Kilometer vor dem Parkplatz, welcher wiederum locker 2 Kilometer vor dem heutigen Gletscherende lag. Echt Wahnsinn wenn man sich das vorstellt. Vor 250 Jahren existierte dort wo man gerade mit dem Auto fuhr ein meterdicker Riesengletscher. Heute ist davon rein gar nichts mehr zu erkennen. Natuerlich nicht. Denn die Gletscher schrumpfen. Sie wachsen auch, gleichzeitig. Besonders dann wenn es mal sehr viel schneit und eist. Aber eben nicht so stark wie es im Sommer taut. Und teilweise auch im lauwarmen Winter. Und somit verliert der Franz Josef Jahr fuer Jahr etliche Tonnen Eis und zieht sich immer mehr in den Berg zurueck. Er schrumpft und in nicht all zu ferner Zeit wird von ihm nichts weiter als die Dreckablagerungen uebrig bleiben. Zukuenftige Touristen muessen sich dann anhand von Bildern und Videos (oder 3D Holografie) die ehemaligen Ausmasse und Schoenheiten des Gletschers zeigen lassen und diesen mithilfe ihrer Vorstellungskraft wieder auf erleben lassen. Und sie werden neidisch sein auf Touristen wie wir es an diesem Tag waren, die dieses Naturerlebnis noch live miterleben durften.

Nachdem wir das Auto geparkt hatten ging es erst einmal zum Lookout um uns einen ersten Ueberblick verschaffen zu koennen. Ich meine, wir Deutsche haben sicherlich alle schon einmal einen vielleicht sogar viel groesseren Gletscher live irgendwo im lieben Nachbarstaat Oesterreich gesehen. Sind vielleicht auch schon auf diesem herum spaziert. Aber dennoch ist es immer wieder erstaunlich und ein wunderbarer Anblick, wenn man diese schier unglaubliche Eismasse beobachtet, wie sie sich in einer eigentlich eislosen Gegend vom Gipfel ins Tal schlaengelt. Wow, echt wow! Viiiel Eis. Und wenn die Sonne richtig steht auch noch sehr schoenes blaues Eis. Nicht so unecht chemisch aussehendes blaues Eis wie bei Engelblau-Kindereis, sondern ein richtig schoenes Blau eben. Wisst schon was ich meine. Wenn nicht, fragt eure Kinder ;)

 

IMG_5982Martin haelt wie immer alles genau fest – gestochen scharf.
IMG_5993Ein toller Anblick wie sich die Gletscherzunge nach unten zuengelt.

 

Der Panoramaanblick machte natuerlich Lust auf mehr und so ging es dem Flusslauf entlang dem Gletscher entgegen. Ueber Stock und viele Steine. Und vorbei an diversen Warnschildern, dass es ohne Guide und der passenden Erfahrung recht gefaehrlich werden koennte. Aber man denkt da kaum nach, ignoriert, macht ja schliesslich jeder. Also ging es so nah wie moeglich. Gute 500 Meter vor dem Gletscher war dann allerdings vor einer hochaufragenden Felswand Ende im Gelaende. Vor uns die Wand, links ein reissender Fluss…bleibt eigentlich nur die Fernsicht auf den Gletscher und der Weg zurueck. Aaaber, Glueck wie man es manchmal halt braucht half uns hier weiter. Oberhalb der Felswand im Wald erspaehten wir blaue Jacken. Gleich eine ganze Reihe davon. Und kurze Zeit spaeter kam eine gefuehrte Gruppe inklusive Guide aus dem Wald hervor und der geheime Pfad zur weiteren Annaeherung an den Gletscher war gefunden. Mit Hilfe von Seilen ging es leicht glitschigen Steinen hinauf, an der Felswand vorbei und schwuppsdiewupps waren wir an deren anderem Ende, auf der richtigen Seite, unmittelbar vor dem Gletscher. Mannomann…nicht schlecht Herr Gletscher. Stattliche Groesse haben sie da. Die Gletscherzunge lag direkt vor uns. Zum anlecken nah ;)

 

IMG_6006Eigentlich ganz anders gedacht. Aber irgendwie zieht sowas doch magisch an :) 
IMG_6022Soerens feine Spuernase hat sofort den geheimen Pfad entdeckt.
IMG_6026 Schon ein bisschen massig das Eis da ueber mir.

 

Soeren und ich sind dann auch, neugierig wie wir sind, dem Gletschertourenpfad hinauf gefolgt (Nothing can stop us now!). Viele in Eis gehauene Stufen sowie Seile an den Seiten erleichterten den Aufstieg. Jedoch nicht sehr weit und lange…denn dann kam eine gefuehrte Gruppe von oben herunter, inklusive Guide, welcher uns in internationalen leicht verstaendlichen Handzeichen zu verstehen gab, dass wir doch bitte umkehren sollten. Ein Nein oder Weitergehen schloss dieses Zeichen ebenfalls kategorisch aus (kennt ihr es? Daumen und Zeigefinger ca. 10 Zentimeter voneinander gespreizt und dann das Handgelenk um Plusminus 90 Grad gedreht – das ist das Zeichen, muss man auch gar nicht fuer Gletschertourenguidedeluex studiert haben ;)

Artig wie wir sind haben wir natuerlich gehorcht und den Heimmarsch wieder angetreten.

 

IMG_6032Oben auf dem Gletscher – kurz vor dem notgedrungenen Umkehren :(
Franz Josef GlacierDas Gletscherpanorama!

 

Jetzt kam der „Fox Glacier“ – eigentlich der grosse Bruder vom Franz, aber durch Touristen nicht ganz so ausgelatscht. Leider spielte hier der Nebel mal wieder nicht wirklich gut mit, so dass seine Ansicht uns nicht mehr ganz so vom Stuhl gehauen hat (wenn man wochenlang kein Steak gegessen hat laesst einem das erste das Wasser im Munde zusammenlaufen. Aber bereits das zweite kann schon zu Uebersaettigung und „Desinteresse“ fuehren. Tut mir ja leid, Foxi, aber der Franz war an diesem Tag einfach besser.).

Auf der Heimfahrt haben wir uns, da sehr gut in der Zeit, noch zu einem kurzen Abstecher zum „Lake Matheson“ entschieden. Dabei handelt es sich um Neuseelands am meisten fotografierten Bergsee. Der Grund dafuer ist schnell gefunden. Von der richtigen Seite aus geguckt liegen direkt hinter dem See die hohen schneebedeckten Berge, die auch die Gletscher umgeben haben. Mit noch mehr Glueck herrscht zurzeit der Ansicht absolute Windstille, der See liegt spiegelglatt (ach was, ein Spiegel ist ein Scheiss dagegen) vor einem und man sieht diese Berge einfach doppelt: die Originalen und die Spiegelbilder im See. Und drum herum die tolle Seelandschaft. So ist es eben auch kein Wunder, dass dieser See so oft fotografiert wird und auch so viele Postkarten ziert. Tja und was haben wir davon gesehen? Mal gucken. Der See war schon einmal vorhanden, Glueck gehabt. Mit Wasser war er auch gefuellt. Leider liess die Spiegeleigenschaft an diesem Tag teilweise arg zu wuenschen uebrig. Der Wind und seine aufgeblasenen Wellchen (sie waren ja nicht gross, aber den Spiegel haben sie trotzdem zerstoert) wollten einfach nicht mitspielen. Die Berge waren zwar theoretisch auch vorhanden aber praktisch hinter dem Nebel kaum sichtbar. Ab und zu haben sie mal kurz hervor gelunzt, aber nie komplett. Und auch nie hat man sie und ihr Spiegelbild sehen koennen. Aber dennoch ein sehr sehr schoener See. Wenn nicht sogar DER See – aber Superlative in NZ zu verwenden ist recht schwierig. Man neigt quasi staendig dazu, koennte sie somit entkraeftigen und wuerde den anderen Vorgaenger eigentlich nicht Gerecht werden. Somit versuche ich es lieber zu unterlassen. Nicht DER See, aber definitiv DER See. Hihi. Echt schoen.

Danach ging es wieder zurueck nach Franz Josef Dorf – viel mehr war es naemlich auch nicht. 5 oder 6 Backpackers, eine Tankstelle, ein Visitor Center und ein Supermarkt, der natuerlich mit doppelten Preisen absolut ueberteuert ist (leider kann er es sich auch leisten – man ist auf ihn angewiesen und wird zum Kauf gezwungen. Dumm wie man ist – man haette ja auch auf Phil hoeren koennen, der uns davor gewarnt und uns absolut empfohlen hatte, in der letzten grossen Stadt vorher unseren Grosseinkauf zu erledigen. Naja, wer nicht hoeren will…).

 

Lake MathesonNicht ganz aber fast schon perfekte Spiegelung – leider hat der Nebel die Spitzen der Berge komplett versteckt. 
IMG_6059Auch irgendwo entlang des Sees. Noch immer sind die Bergspitzen verdeckt.

 


 



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