Roadtrip – Suedinsel – Copland Valley Track

Heute ging es auf den ersten Geheimtipp von Phil dem Insider-Gaertner; dem „Copland Valley Track“. Dabei handelt es sich um einen 17 Kilometer langen Wanderweg, der immer dem Flusslauf des „Copland Rivers“ folgt. Eine mittelschwere Einstufung und eine geschaetzte Wanderzeit von 7 Stunden waren als Vorgabe in der Broschuere unser Ziel. Fuer die Cracks unter Wanderfreunden ist dann noch das Weiterlaufen entlang des Flusses und der Bestieg des Copland Passes moeglich, um auf der anderen Seite in Mount Cook Village anzukommen. Dies wird aber nur sehr erfahrenen Bergsteigern empfohlen. Wir also nicht…geben uns mit der kleinen Variante zufrieden.

Wieder begann der Tag in Nebel und Wolken, lichtete sich aber schon bald wieder auf. Allerdings war von den vielen mindestens 2000ern nichts zu sehen, da ihre Gipfel weiterhin in Wolken gehuellt blieben. Der Copland River war ein mittelgrosser recht schnell fliessender Fluss mit wunderbarem tuerkisblauen Wasser.

Die erste und sicherlich groesste Huerde stand uns bereits am Anfang bevor. Kaum sind wir aus dem Auto gestiegen waren wir umzingelt von tausenden von Sandflys. Wohin das Auge am eigenen Koerper auch guckte waren schwarze Flecken zu sehen, die, wenn man sie zerklatschte, sich sogleich in rote Flatschen verwandelten. Aaaahh, diese Mistviecher. So klein und doch so hinterhaeltig. Und auch noch absolut in der Mehrheit. Auch die Flucht zurueck ins Auto brachte nicht viel, da sie uns einfach im Rudel folgten. So half nur noch eines – die chemische Autan Waffe. Dann war es halbwegs ertragbar. Die Stechfliegen hatten sich aber auch eine sehr geniale Taktik zurecht gelegt. Sie kamen einfach in Kombination mit warmem Wetter. Somit war der geneigte Wanderer eigentlich gezwungen Kurz zu tragen, was den Mistviechern noch mehr Angriffsflaeche gab. Nach 15 Minuten war der Kampf zu ihrem Vorteil vorrueber. Wir hatten viele Verluste in Form von dicken Flatschen zu beklagen hatten aber auch durch geschicktes Aussteigen und dem sofortigen Tuer hinter uns Zuschlagen hunderte von ihnen in einer blutleeren Falle zurueckgelassen.

Schnell stellten wir fest, dass es die Sandflys eigentlich ueberall entlang der Strecke gab – der Weg ging ja auch immer schoen am Wasser entlang, dass aber, wenn man in Bewegung blieb, sie einen dann nicht angingen. Also hiess das Motto „Hast statt Rast“. Die naechste Pruefung, so sagte man uns, liegt bereits 50 Meter hinter dem Parkplatz. Ein Fluss, ueber den keine Bruecke fuehrt. Bei normalen Bedingungen kein Problem, da er dann nicht viel Wasser fuehrt und man die vielen Steine zum Ueberqueren nutzen kann. Sollte es aber viel regnen (und das hat es ja nun auch) kann man Probleme bekommen und muss einen Umweg von einer Stunde in Kauf nehmen um an die naechste Bruecke zu gelangen. Bei uns war aber alles in bester Ordnung und so konnten wir schnell die eigentliche Wanderung auf der anderen Seite des Flusses starten. Die erste Stunde ging es nur durch dichten Wald. Auf kleinen Trampelpfaden ueber viele Wurzeln und Matschstellen. Nach knapp 70 Minuten kamen uns dann schon die ersten Rueckwanderer entgegen (wie kann man nur so frueh aufstehen? Oder waren wir so spaet dran??? ;), die oben auf der Huette uebernachtet hatten. Also, anstatt den Schritt zu beschleunigen machten wir erst einmal Mittagspause direkt am Fluss. Und flupps waren auch unsere kleinen Freunde wieder da ;)
Aber echt genial, kaum andere Wanderer (abgesehen von dieser Gruppe) unterwegs, hat sich echt in Grenzen gehalten. Man hat die Natur einfach nur fuer sich. So fast zumindestens.

Da es die Nacht zuvor so viel geregnet hatte waren entlang des Weges viele viele kleinere Wasserlauefe und –faelle zu sehen, die unser Sascha Fromm (jeder TA Leser wird wissen wen ich meine), Martins neuer Kosename, mit seiner Kamera und dem dicken Stativ, das immer sorgaeltig an noch sorfaeltiger gesuchten Plaetzen aufgebaut und umgebaut wurde, festgehalten hat. Das dauerte alles unendlich lange. Aber Gut Ding will eben Weile haben. Und am Ende werden wir den Sascha fuer seine wunderschoenen Aufnahmen einfach nur lieben. Danke Martin an dieser Stelle, freu mich jetzt schon riesig auf die Resultate. Fuer uns blieb so immer viel Zeit um unsere Muesliriegel genuesslich geniessen zu koennen. Ab der Haelfte der Strecke kamen dann auch etliche kleinere Zufluesse, die aber alle Mithilfe von Bruecken ueberquert werden konnten. Dabei bleibt einem immer die Wahl entweder die Flutbruecke zu nutzen oder von Stein zu Stein huepfend den Fluss zu ueberqueren. Eine schwingende Seilbruecke war dabei der Hoehepunkt, der nur von einer Person gleichzeitig beschritten werden durfte. Eine wacklige und witzige Angelegenheit. Hat viel viel mehr als diese doofen stabilen, festen und langweiligen Holzbruecken.

 

IMG_6180Eine lustige schwingende Schwingbruecke.
IMG_6218Verdiente Pause kurz vor dem Ende. Echte Freude sieht irgendwie anders aus…
 

Gut eine halbe Stunde vor der Ziellinie kam dann die letzte Haertepruefung des Tages. Ein letzter Fluss, den es zu ueberqueren galt, diesmal aber ohne Zuhilfenahme einer Bruecke. Denn hier gab es einfach keine. Wieso…man weiss es nicht. Und versteht es auch nicht. „You will see why there is no bridge“. Wir dachten uns schon sonst was…aber am Ende war es gar nicht so spektakulaer. Wie alle anderen kam einfach nur ein Nebenfluss den Berg hinab geflossen. Nicht breiter oder hoeher oder was auch immer. Eine Bruecke waere also unserer Meinung nach kein wirkliches Problem gewesen. Aber was wissen wir schon. Sind zwar drei Ingenieure unter uns, aber keiner von uns mit der Vertiefungsrichtung Brueckenbau ;))

 

Jedenfalls war der Fluss recht gemaess und wir konnten wieder von Stein zu Stern huepfen. Kurz darauf kamen wir auch an der „Welcome Flat Hut“ an, unserem Zuhause fuer diesen Abend. Eingebettet in viele sehr hohe Berge lag die 31 Baenke fassende Wanderhuette in einem wunderschoenen Panorama. Allein fuer diesen Anblick lohnen sich 7 Stunden schwitzen mit 12-15 Kilo schweren Wanderrucksaecken. Achja, Wichtel, endlich wurde meine Deuta auch mal zu ihrem eigentlichem Zweck, dem Wandern und Getragenwerden, genutzt und agierte nicht nur als Reisekoffer. Und sie war gut…sehr gut. Danke fuer die gute Beratung und Empfehlung. Der Haertetest wurde mit Bravur bestanden.

 
 
IMG_6233Da ist sie nun endlich…die Welcome Flat Hut. Ihr glaubt gar nicht wie sehr man sich nach solch einem Tag auf so eine alte Holzhuette freut.
 

Die Belohnung des Tages war das Baden in den natuerlichen „Hot Pools“ keine 100 Meter von der Huette entfernt. Heisses Wasser kommt aus der Erde geflossen, leicht stinkend, sammelt sich in verschiedenen Becken und man kann diese zum Reanimationsrelaxentspannungsbaden nutzen. Nur sollte man soweit wie moeglich eintauchen (Kopf aber oberhalb des Wassers behalten gab es ueberall zu lesen!), da unsere kleinen Freunde noch immer in unserer Begleitung waren. Und scheinbar auch nicht muede uns immer und immer wieder zu aergern. Aber ins Wasser getaucht konnte man das Bergpanorama und das guttuende Wasser einfach nur geniessen. Dafuer schuftet man gerne den ganzen Tag. Todmuede ging es dann aber schon bald wieder ins Bett, denn am naechsten Tag hiess es dann schon wieder den ganzen Weg zurueck zu wandern. Auch mit einem Gewissen Zweitdruck, da wir noch keine Uebernachtung fuer die folgende Nacht gebucht hatten und deshalb recht frueh im Zielort ankommen wollten.

 
 
Copland Valley Track Hot PoolsIrgendwie ganz schoen dunkel geworden…mh – aber toll war es alle Male: in heissen Naturquellen baden und im Hintergrund die Schneeberge…hat was!
 

Leider hat es wieder die komplette Nacht geregnet, so dass der Weg wieder klitsch klitsch nass war. Und unsere Angst berechtigt vorlag, dass der erste Fluss diesmal eventuell nicht ganz so einfach zu ueberqueren geht. Aber oft, und so auch heute, macht man sich einfach nur zu viele Gedanken denn es lief alles glatt. Wenn nicht, haetten wir noch eine weitere Nacht in der Huette verbringen muessen, was unseren Zeitplan ein wenig durcheinander gebracht haette. Hat es aber nicht und somit waren wir recht beizeiten wieder auf unseren Beinen und auf dem Rueckweg. Martin, als Gruppenfuehrer dieses Tages, gab ein zuegiges Wandertempo vor, dem wir wie die Kleinenten der Mamaente folgten. Weniger Pausen, keine Foto-Mit-Stativ-Pausen und eben dieses Tempo sorgten dafuer, dass wir die Strecke anstatt in 7 ½ Stunden, wie am Vortag, in sehr guten 5 ½ Stunden zuruecklegten. Allerdings diesmal mit klitschnassen Fuessen, da der Weg und auch die Wiesen und ueberhaupt alles sehr sehr nass waren. Aber egal – einmal nasse Fuesse immer nasse Fuesse – merkt man dann schon gar nicht mehr. Und ob sie nun in Wasser oder Schweiss schwimmen…das Gefuehl ist dasselbe ;)))

 
 
Copland Valley TrackRegen kann UNS doch nicht die gute Laune verderben!!!
 

Auch der letzte Fluss, der kurz vor dem Parkplatz, war relativ leicht zu ueberqueren und so kamen wir voll im Zeitplan liegend an unserem Auto an. Die Sandflys erwarteten uns schon gierig, was aber Martin nicht daran hinderte erst einmal alle nassen Klamotten (waren dann doch alle die er an diesem Tag getragen hatte) von sich zu werfen und trockene Kleidung anzuziehen. Dies wiederum war ein gutes Ablenkmanoever und gab uns die Moeglichkeit unentdeckt hinter dem Ruecken der Sandfliegen ins Auto steigen zu koennen. Martin hatte sie ja alle heroisch auf sich gezogen. Im Auto begegneten wir dann den hunderten toten Fliegen, die wir am Vortag einfach so (sind wir nicht toll) zurueckgelassen und eingeschlossen hatten. Viel mehr Frischblut gab es dann wohl ohne uns im Auto nicht mehr zu finden. Tja, wer nicht hoeren will…aber die paar Opfer sind ihnen sicherlich egal – gibt ja eh genuegend. Natuerliche Auslese, der Staerkste ueberlebt…Darwinismus herrscht eben und gerade auch bei Insekten.

Noch ein paar Panoramen:

 

Copland_gruenIrgendwo unterwegs am ersten Tag – der Copland River in schoenem Blau wie er sich durch die Steine schlaengelt.
Copland_obenUnd noch einmal der Fluss, diesmal mit den Schneebergen im Hintergrund.
Coplandriver_KurveUnd bekanntlich sind ja alle guten Dinge gleich Drei ;)
schneebergUnterwegs…
WelcomeFlatDirekt vor der Wanderhuette…dampfender Regendwald. Hinter den Bauemen, quasi nur einen Steinwurf entfernt, waren unsere Hot Pools.

 


 



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