Roadtrip – Nordinsel

Zweieinhalb Wochen Waiheke gingen dann doch recht fix vorbei. Zweieinhalb Wochen Roberta auch. Und ebenfalls zweieinhalb Wochen des (fast) Nichtbenutzens der deutschen Sprache. Kaum in Auckland mit der Faehre gelandet…gestrandet…angekommen haben mich Hannah und Alex abgeholt. Ein kurzes Schwaetzchen auf dem Weg zum Flughafen (hatten uns ja sooooo lange nicht mehr gesehen)und schon waren wir mitten in der Ankommens- und Abschiedszeremonie des heutigen Tages. Angekommen sind Martin und Soeren. Mit ihnen ein kleines Glaeschen thueringer hausgemachter LEBERWURST (wuhuuuuuuu) und zwei riesen Tafeln Milka Schokolade. Ein weiteres Schmankerl wurde mir leider durch den neuseelaendischen Zoll vorenthalten. Obwohl Soeren alles gegeben hat…trotz zahlreicher Streitmomente mit der Dame vom Zoll – es hat nicht sollen seien: der hausgemachten Knacker wurde der Einlass nach Neuseeland verwehrt. Aber fast schon egal. Die Leberwurst war durch. Save. Im gruenen Bereich. In meinen Armen. Was fuer ein perfekter Auftakt in das Roadtrip Abenteuer. Ein riesen großes Dankeschoen geht also an dieser Stelle an die beste Schwester der Welt, die einfach immer weiß, was das Beste fuer mich ist (im Gegensatz zum Zoll…Doofies die…arme deutsche Knacker muss jetzt alleine zwischen all den internationalen Schmuggelwaren liegen). Achso, ganz nebenbei habe ich mich auch noch riesig auf die Ankunft von Martin und Soeren gefreut. Das soll mal hier nicht untergehen.

Verabschiedet wurde dann unsere liebste Hannah, die ihre Heimreise nach Deutschland antreten muss, will, wie auch immer. Schade Hannah, war echt eine genial schoene Zeit mit dir. Machs gut, halt die Ohren steif und denk ab und zu mal an unsere 5 lustigen Wochen im „Heartbreak Motel“ in Kerikeri zurueck ;))))

In den naechsten zwei Tagen haben wir uns Auckland bei Tag und Nacht angeschaut. Auch ein bissel Kultur wurde erledigt (Auckland Museum – aber nur der kostenlose Teil ;), Kelly Taultons Unterwasser Museum: sehr interessant. Vor allem die 30 Sekunden Challenge. Man tauche seine Hand in eiskaltes Wasser (nicht nur so daher gesagt, wortwoertlich)und wartet 30 Sekunden ehe man sie wieder heraus nimmt. Danach ist jene eiskalt (mh, haette man sich wohl auch ohne Challenge denken koennen), also richtig kalt und Gefuehle hat man ueberhaupt gar keine mehr. Taubheit beschreibt es wohl recht gut. Wir koennen jetzt auch ziemlich gut verstehen, weshalb Leo an Kates Eisblock einfach nur festgeklebt ist und nach kurzem Kampf bereits einschlafend schon wieder aufgegeben hat (obwohl, wir wissen es ja alle, sie die Liebe seines Lebens war). Weiterhin waren die Pinguine wie immer sehr niedlich und trottelig (liegt halt in ihrer Natur) und der fotogeile Rochen ist auch eine Erwaehnung wert.

 

DSC0024230 Sekunden Challenge – wem ist kalt nicht kalt genug???
DSC00244Kommt halt davon wenn man es mal wieder uebertreiben muss ;)))
IMG_5413Der fotogeile Rochen – hat sich auf fast jedes Bild geschmuggelt…anruechig noch dazu!
DSC00222_aNoch einmal mein Tower – dies ist wahrscheinlich die letzte Einstellung, die ich bis dahin noch nicht hatte…
DSC00224Ok, diese ist es tatsaechlich – versprochen ;)
DSC00386Endlich mal nicht nur den Tower fotografiert sondern auch endlich mal bestiegen. Dies ist Auckland bei Nacht (leider, und das tut mir natuerlich leid fuer Auckland, kann es mit NY nicht ganz mithalten).
DSC00397Schoene Aussichten vor der eigentlich schoenen Aussicht ;)))

 

Donnerstag ging es dann mit 3 stuendiger Verspaetung endlich los (Frauen und ihre Puenktlichkeit). Erstes Ziel war die Halbinsel Coromandel, die wir gegen Abend erreicht haben. Ein kleiner aber suesser Campingplatz direkt am Strand war unser naechstes Quartier. Am Morgen danach dann der langersehnte erste Jogginglauf des neuen Jahres (nur ich alleine, da der liebe gute Soeren den knueppelharten Untergrund nicht so richtig maennerlike ertragen hat ;) – mh, ok – man merkt, dass es seit langem wieder einmal das erste Mal war. Die Muskeln vergessen halt schneller als man sie trainieren kann (wie das Gehirn ja eigentlich auch). Danach gings zum naechsten Hoehepunkt: „Cathedral Cove“. Ein vom Wasser in stetiger langwieriger Arbeit in millionen von Jahren ausgegrabenes Loch im Felsen durch das man ein im selben Prozess entstandenen einsamen Kerzenfelsen sehen kann. Dazu noch toller fast schon weisser Sandstrand und tolle Wellen. Das fetzt.

Um das schoene Wetter noch besser Geniessen zu koennen sind wir aber nicht lange geblieben sondern bald schon weiter zum „Hot Water Beach“ gefahren. Das ist so witzig. Die eine Haelfte des Strandes wird zum Schwimmen benutzt – was man halt normalerweisse am Strand auch so macht. Die andere zum Surfen – ist jetzt auch noch nicht sooo spektakulaer. Aber in der Mitte, wo quasi beide Strandhaelften aufeinander treffen da passiert was aeusserst merkwuerdiges. Dort sitzen einfach viele Menschen, ob Jung oder Alt, mit ihren Schaufeln und Eimerchen in den Haenden und buddeln Loecher in den Sand. Wieso? Der Name des Strandes nimmt leider einiges an Ueberraschungseffekten vorweg – heisses Wasser. Man buddelt, stoesst mal eben nicht auf Oel sondern heisses Wasser, baut sich sein eigenes kleines Reich, etwas protziger und groesser als zu Kindstagen mit Burgmauern und allem Drum und Dran. Ab und an kommt dann eine grosse Welle, zerstoert zwar die Mauern wieder bringt aber gleichzeitig auch wohlersehntes kuehles Wasser mit sich, da das heisse Wasser seinen Namen – Heisses Wasser – wirklich verdient hat. Es ist wirklich heiss. Und an manchen Stellen ist es einfach nicht moeglich fuer laengere Zeit still zu stehen. Das macht Spass. Allein schon die Ansicht, wie alle Arten von verschiedenen Menschen (vom Kleinkind bis zum Rentner) den unendlichen Kampf gegen die immer wiederkehrenden Wellen aufnehmen um sich eine wohlig warme schlammige Suhle zu bauen (was unterscheidet eigentlich den Menschen vom Wildschwein???).

 

DSC00430Irgendwo unterwegs – eigentlich ist es ueberall wunderschoen.
DSC00440Die Jungs noch vor der beruehmten “Cathedral Cove”…
DSC00446…danach ging es sofort runter. Will man ja mittendrin statt nur davor sein.
DSC00457Der Kerzenfelsen. Keine Ahnung wie er wirklich heisst. Jedenfalls steht er da einfach nur so rum.
CIMG47863 Schnitzel am Strand – wer keine Braeune vorweisen kann, kann paniert doch einiges gutmachen.
DSC00486Soeren war unser “Buddler” am Hot Water Beach – eine scheinbar unendliche Arbeit, die Wellen haben dann doch die laengere Ausdauer (nichts gegen deine eigene, Soeren, ich bin begeistert von deinem Durchhaltevermoegen mit uns durch die Berge von Neuseeland – Danke dafuer an dieser Stelle).
DSC00489Manchmal hilft auch die Schaufel nicht weiter – pure Manneskraft muss her.
DSC00495So witzig – man buddelt und buddelt und merkt gar nicht wie die Zeit vergeht und wenn man sich wieder aufrichtet und mal umblickt hat sich der Strand ploetzlich mit so vielen weiteren Buddlern gefuellt.
DSC00482Freiheit am Strand.
DSC00465Die Lifeguard war immer live vor Ort und hatte immer ein vertrauensvolles Auge auf uns. Da geht man doch gerne mal unter ;)
DSC00533Den Mount Maunganui empor geklettert…frueh um 7:15 Uhr. Es hat sich gelohnt, definitiv!
DSC00534Am Gipfel wurde dann die grosse Milka von meiner Lieblingsschwester als Belohnung gekoepft.
DSC00538Die ersten Trockenuebungen fuer das bevorstehende Event…

 

Am naechsten Tag ging es ins stinkende Rotorua, wo man den altbekannten Schwefelgeruch (wer sich jetzt nicht erinnern kann nehme ein paar Eier und lasse sie in bruehtender Hitze ein paar Tage vor dem Kuehlschrank stehen. Oder durchsucht den Schrank nach ein paar alten Silvesterboellern und zuendet diese inmitten der Wohnung mit geschlosssenenen Fenstern) einfach nirgends los wird. Etwas ausserhalb fanden wir dann auch endlich die Erklaerung dafuer: viele kleine bis grosse Krater, oder einfach auch Loecher, im Erdboden, aus denen Schwefeldampf aufsteigt. Sieht schoen aus…riecht aber nicht so. Also nicht gut. Die inszenierte Geysir-Ausbruchs-Show (hervorgerufen durch ein wenig Seife) haben wir leider verpasst. Ist nur einmal am Tag. Aber der grosse Schwefelsee laesst dies leicht vergessen.

 

DSC00593Die “Huka Falls”, welche wir nur durch Zufall entdeckt haben.
Pano_RotoruaEin riesen Schwefelsee mit aufsteigendem Schwefelqualm…
DSC00572Es riecht…sieht aber gut aus. Alles kann man halt nicht haben.

 

Samstag war dann ganz grosses Kino angesagt. Wir fuenf haben uns alle dazu entschieden, den „Lake Taupo“, so wunderschoen er auch beim Spazierengehen aus naechstes Naehe anzusehen ist…aehm…Spannung….tata…na gut, ich lass die Katze jetzt einfach mal so aus dem Sack, ganz ohne Vorgeplaenker, ganz ohne grosse Worte vorher zu verlieren, bring es quasi direkt auf den Punkt, ohne Umwege, straight, so direkt von Angesicht zu Angesicht, oder Mund zu Ohr, hier vielleicht viel eher Schrift zu Auge, direkt halt………………….S K Y D I V E.

Aus luftigen 12000 bis 15000 Fuss, also jetzt nicht meine, die normierten halt, irgendwas bei 4 bis 5 Kilometern sieht son See halt auch nen bissel anders aus. Die Ansicht macht es halt. Oder der Blickwinkel. Und ab und an eben auch mal direkt von Oben, vom Himmel, nach Unten, zur Erde. Hehe. So ging es also in aller Fruehe (okaayyyyyyy, 9:20 Uhr) zum Flughafen von Taupo. Mit einem Grinsen wurden wir empfangen (sollte fuer das Geld auch bitteschoen so sein) – die ersten Springer des heutigen Tages. YEAHHH. Schnell noch unser Gewicht ueberprueft, Lebensversicherung und Testamente geschrieben und schon ging es auch schon ab in unsere modisch aeusserst reizvollen Komplettanzuege. Trendfarbe Rot – ganz klar. Es handelt sich dabei um Tandemspruenge – das heisst man haengt quasi an einem professionellen Skydiver am Bauch festgenagelt und hofft, dass dieser seinen Schirm auch mit der noetigen Erfahrung und Konzentration zusammengerollt hat (also nicht so wie wir jeden Morgen unser Zelt). Eine kurze Nachfrage brachte dann die Erleichterung, dass mein deutscher Partner (was auch sonst?) Albert schon hunderte Spruenge in aller Welt gesprungen…gemacht…vollzogen…hat und somit recht qualifiziert wirkt.Dann ging es ins Flugzeug und ab auf 12000 Fuss. Noch ein paar letzte Erklaerungen und fluschhhhhhhh…Soeren hat das Flugzeug verlassen.

Keine Minute spaeter dasselbe Spiel und Martin und sein Partner haben den luftigen Rueckweg angetreten. Dann ging das Flugzeug auf 15000 Feet (in die Hoehe fuer Erwachsene ;)))) Stephanie war diesmal die erste…dann kam ich. Die Gurte waren bis zum Zerbersten festgezurrt. Alles was gesagt werden musste war gesagt. TausendMillionenTrillionenund Fuenfundzwanzig Schmetterlinge waren in meinem Magen. Bauch. Wo auch immer. Ueberall. Wir rutschen auf der Bank nach vorne…die Zeit scheint still zu stehen. Entgegen der bereits geoeffneten Tuer. Ich sitze in Alberts Schoss. Mein Leben liegt quasi in seinen Haenden (ok, war jetzt vielleicht etwas sehr theatralisch).

Der Flugwind ist wahnsinnig laut. Das Flugzeug sicherlich sehr schnell. Wir erreichen die Tuer. Oh Gott, was denkt man da eigentlich? Keine Ahnung. Echt…weiss es nicht mehr. Er schiebt mich immer naeher an die Tuer. Da ist sie. Direkt vor mir. Ich sehe nur noch Himmel. Ein Ruck – ich haenge draussen, aber wir fliegen noch nicht. Er sitzt jetzt in der Tuer, ich haenge auf ihm. Ein wahnsinns Bild. Die Aussicht – WOW. Allein dafuer hat sich doch das Geld schon gelohnt. Weisse Wolken weit unter mir. In der Mitte ein riesen Loch in ihnen wodurch man den tollen See sehen kann. Quasi nur der See ist wolkenfrei, und wir springen direkt in dieses Loch. Echt toll. Ein letzter Blick nach Links – da ist die Kamera, die das Exit Foto aufnimmt. Alfred ruckt nach vorne. Oh Gott. Mein Kopf zurueck gestreckt an seinem Hals. Sicherlich ein Countdown, ich aber hoere nichts. Nur Wind. Und blauer Himmel ueber mir. Und die Sonne. Mein Gesicht ist verzerrt vor Grinsen. Ich bin so gluecklich.Ruck – wir sind raus. Die Welt dreht sich. Alles dreht sich. Der Wind erfasst uns und reisst uns nach hinten. Das Flugzeug entfernt sich schnell. Wir fliegen. Wir schweben. Der Freie Fall. Die Welt gehoert mir. Ganz alleine. Ich sauge den Anblick in mich hinein. Ich sauge alles auf in der Hoffnung mich spaeter hoffentlich an jedes Detail erinnern zu koennen. Der Wind flattert um uns. Wir gehoeren ihm. Und der unbarmherzigen Erdanziehungskraft, die einem immer schneller zurueck in ihren Bann zieht. Die Welt ist wunderschoen. Blau oben…Blau unten. Weisse Wolken rundherum. Wir drehen. Wir schwimmen. Ich schreie. Ich lache. Niemand hoerts. Aber ich. Und das zaehlt. Ich geniesse. Am liebsten wuerde ich einfach nur die Augen schliessen und genissen. Waer doof, ich weiss. Vor lauter Erregtheit und Beobachtung der Wahnsinns Natur um mich herum vergesse ich staendig den extra fuer Videoaufnahmen mitgesprungenen anderen Skydiver anzuschauen. Mit ihm zu spielen und lustige Figuren fuer die Kamera zu praesentieren. Faxen zu machen. Ich geniesse einfach nur. So kommt es aber auch, dass auf dem Video und den 45 Bildern von mir kaum eines zu finden ist, in welchem ich mal direkt mit meinen Augen in die Kamera schaue. Egal. Ich habe die Welt gesehen. Ich habe den Himmel durchflogen. Ohne Flugzeug. Nur Mensch auf dem Weg nach unten. Die Erde kommt immer naeher. Die Zeit vergeht wie im Flug. 60 Sekunden kommen mir vor wie eine. Wieder ein Ruck. Ein gewaltiger diesmal. Der Wind ist weg. Es ist ruhig. Kein Laut. Wir sind langsam.

Der Schirm wurde geoeffnet. Ahhhhhhh, wieso denn jetzt schon???? Der freie Fall ist somit beendet. Wir gleiten mit lustigen Drehbewegungen nach unten. Einmal darf sogar ich kurz den Schirm halten und navigieren. Dann uebernimmt wieder Albert das Ruder. Noch immer geniesse ich einfach ALLES um mich herum. Wahnsinn. Pur. Man hat jetzt sogar noch mehr Zeit zum Gucken. Und die Kamera ist weg – bin den VIP Status nun doch noch nicht so gewoehnt. Die Erde kommt jetzt immer schneller auf mich zu. Sie saugt mich regelrecht an. Da ist sie. Die Beine nach oben…plumps. Schon sitzt man wieder im Gras. Ich bin unten. Ich lebe. WOW. Danke Albert. Ein Kuss auf den heiligen Boden (haette ihn mir eigentlich mitgegeben lassen muessen). Die Freude ist riesen gross. Die Schmetterlinge haben ueberlebt. Sich sogar vermehrt. Es werden immer mehr. Ich platze vor lauter Gluecksgefuehlen. Soeren und Martin (sein roter Sonnenbrand ist ein wenig einer komischen gruenen Farbe im Gesicht gewichen ;) warten bereits im Schatten. Wir feiern zusammen. Wir sind soeben aus einem Flugzeug ausgestiegen. Waehrend der Fahrt. Mitten im Nirgendwo im Himmel. Wir haben den direktesten Weg genommen. Den nach unten. Soooooo geil, ich weiss garnicht wie ich all diese Gefuehle hier beschreiben soll. Es ist einfach nur Wahnsinn…

 

DSC00004Soerens zweite Trockenuebung, hinter einer Pappwand. Die aufgeblasenen Backen sollten sich wenig spaeter verwirklichen.
IMG_1492Naemlich kurz nach seinem Absprung…
IMG_1493…wie auch sicherlich bei Martin…
IMG_1495…und auch bei dieser Grinsebacke.
IMG_92013…2…1…Aaaahahhaahaaaaaaahghhahahahaa!!!!!!!!!!!!
IMG_9205Ich habe glaube die ganze Welt zusammen geschrien. Unbeschreiblich!
IMG_9220Man fuehlt sich einfach nur unsterblich, unbesiegbar, unfassbar gluecklich.
IMG_5491Kaum zu glauben aber war!
DSC00010Die glorreichen Fuenf. Wir sind die Koenige der Luefte!!!! Huhuhuuuuuuu!

 

Neuer Tag, neues Glueck. Aber genauso aufregend. Heute ging es fuer uns Kerle auf den weltberuehmten „Tongariro Alpine Crossing“. Waehrend sich die Maedels in Taupo einen Beauty Tag gegoennt haben sind die Jungs ganz ohne Beauty auf den staubigen 19 Kilometer langen Track gezogen. Los ging es gegen 9 Uhr in der Frueh mit viel Wasser und Kleidung fuer alle Eventualitaeten im Rucksack (inklusive Handschuhe, Muetzen und Schal bei 25 Grad ;) Nach guten 90 Minuten ueber gefuehrten Weg entlang der vulkanischen Landschaft kamen wir an einen Wasserfall, der in dieser trockenen Landschaft doch irgendwie deplatziert wirkte. Danach dann eine wichtige Entscheidung, die uns aber recht einfach gefallen war: gehen wir die 2-3 Stunden Extraweg, nur um auf den 2300 Meter hohen Kraterrand des „“ zu gelangen? Ja, fuer was sind wir denn schon einmal hier.

Gesagt, getan. Vom gefuerhten Weg sind wir also abgebogen um uns ab jetzt unseren eigenen zu suchen. Denn einen ausgeschilderten oder vorgegebenen gab es nicht. Wie auch, wir sind ja direkt den Vulkanberg nach oben gestiegen. Der Untergrund bestand nur aus lockeren Steinen, Geroell, Kieseln und Staub. Viel viel Staub. Und viel viel rollendes Geroell. So ging es auf allen Vieren, und wirklich auf ALLEN Vieren, dem Gipfel entgegen. Sehr muehsam, sehr nervig, sehr sinnlos irgendwie.Man bewegt sich halt nur auf rollendem nicht festem Untergrund. Ein Schritt vor gekaempft…zwei Schritte zurueck gerutscht. Erdanziehungs- und Hangabtriebskraft sind doch manchmal recht doof. Und immer wieder wurde der Berg beschimpft. Innerlich angeschrien. Verwuenscht. So ein Arsch – nimmt und nimmt kein Ende. Der Gipfel kommt nicht einmal ein Minifitzelstueckchen naeher. Als ob man stehenbleibt. Stagniert. Oder die Spitze im gleichen Tempo anwaechst wie man selbst nach oben schreitet. Es tut sich quasi nichts. Auch nach 1 ½ Stunden hat man noch immer das Gefuehl nicht wirklich voran gekommen zu sein. Unsere T-Shirts sprachen da aber eine andere Srache, schweisnassgeschwitzt wie sie waren. Und Staub. Jede Menge Staub, der die Nase und Lungenfluegel mit schlechten Absichten belagert. Man ist quasi nur am Pausieren und Trinken. Dabei haben wir doch nur einen begrenzten Wasserhaushalt dabei.

An der linken Seite des Aufstieges hatten wir nach ca. 30 Minuten ein paar feste Steinformationen entdeckt, an welchen man sich wesentlich besser nach oben hieven konnte. Nicht wirklich schnell, aber sehr viel mehr effektiv, da das Zurueckrutschen nun fast ausblieb. Nach gut 2 Stunden Kampf und 3 Litern Wasserverlust waren die letzten Meter vor unseren Augen. Noch ein paar Schritte und…ppppffffffffffffhfhhhhhhh…der Wind. Und was fuer einer. Haut einem fast die Muetze vom Kopf. Echt witzig. Und die Aussicht…WOW. Sofort wurde die Kamera gezueckt und fotografiert. Der Krater war auch sehr interessant, vor allem wenn man anschliessend liest, dass der Kratersee in den letzten 150 Jahren um 52 Meter gestiegen ist…was wohl sehr sehr viel ist und Experten deshalb davon ausgehen, dass der Vulkan irgendwann mal wieder all seine Schlechtigkeiten in den Himmel schiessen wird. An Mittagessen war trotz Baerenhungers in den luftigen Hoehen nicht zu denken. Der Wind haette uns unsere Brote nur so um die Ohren geweht. So ging es also ein paar Meter tiefer zum Kraftauftanken.

Dann folgte der Abstieg. Und flupp war er auch schon wieder vorbei. Knappe 20 Minuten wuerde ich jetzt tippen, dann war der muehsame Aufstieg von fast 2 Stunden schon wieder zu Nichte gemacht und wir waren wieder am Ausgangspunkt. Aber Vulkansurfing kann man ja auch nicht alle Tage erleben. Soo genial. Die vielen losen Steine, die einem den Aufstieg so erschwert haben waren diesmal der reinste Segen. Man konnte quasi auf ihnen oder durch sie hindurch slighten und den Abhang quasi in Rekordzeit hinunter gleiten. Die Konzentration sollte man aber lieber nicht vergessen, schliesslich wurde jede Unachtsamkeit mit einem Bautz auf den Allerwertesten belohnt. Unten im Tal mussten dann erst einmal Tonnen an Sand, Staub und kleinen Steinchen aus den Schuhen geschuettelt werden. Achhhhh, wie toll war das denn schon wieder. Erst aus dem Flugzeug gehuepft, dann dem Vulkan herunter gesurft.

 

Das witzige…wir alle waren nun total im Eimer, die Fuesse und Beine haetten sich sehr gerne ins Bettchen gelegt, aber es war noch nicht einmal die Haelfte des normalen Walks absolviert. So hiess es also wieder Rucksack auf den Ruecken (hatten wir natuerlich, schlau wie wir drei Diplomer nunmal sind, NICHT mit auf den Vulkan genommen, sondern schoen hinter grossen Steinen getarnt versteckt) und los geht es. Auf die letzten 12 Kilometer. Und diese 12 Kilometer kamen mir einfach nur vor wie 12 Hundert. Sie nahmen einfach kein Ende. Zwar kamen wir an tollen roten Lavagesteinssteinen vorbei, tuerkiesblauen Bergseen, stinkenden Schwefelausstoessen, einfach sehr sehr schoener Vulkanlandschaft, die wir noch dazu (die einen sagen Taktik, die anderen nennen es wohl Troeteln) komplett allein fuer uns hatten (nicht so wie auf den ersten 6 Kilometern, wo einfach nur eine Menschenkette aneinander spazieren gegangen ist) und einem Bonbon zum Abschluss – ein niedlicher kleiner aber wunderschoener Wasserfall …das war schon toll. Aber der Zieleinlauf gegen 19 Uhr war dann doch recht angenehm fuer uns alle und heiss ersehnt. Die Dusche aber noch viel mehr. Und das kuehle Bier…ohohohhh – dafuer gibt es schon gar keine Steigerung mehr ;)

 
 
TongariroDas ist die Fernansicht auf unser Wandergebiet. Da wollen wir heute noch hin.

DSC00058Der schneebedeckte Ruapehu, oder so aehnlich, mein moarisch haengt ab und zu noch ein wenig. Jedenfalls der hoechste Punkt auf der Nordinsel.

DSC00059Unser Martin haellt alle tollen Momente fuer uns fest.
DSC00073Das letzte Stueckchen Wasser vor dem staubigen Anstieg.
IMG_5564Noch frohen Mutes am Anfang der Tour.

DSC00091Aufstieg zum “Ngauruhoe” mit allen Vieren. Der schwierigste Aufstieg aller Zeiten. Warum macht man soetwas bescheuertes nur???

[one_half]DSC00094[/one_half][one_half_last]IMG_5587[/one_half_last]

Schneeballschlacht mitten im Sommer auf fast 2000 Meter Hoehe. Hat was.
DSC00123Ein Grund – FREIHEIT!!!
DSC00129Zwei Deppen mehr, die den Hammeranstieg gemeistert haben. Martin hat sicherlich gerade die wahnsinns Aussicht genossen…
Vulkan-2Unser Mittagspanorama…
DSC00148Und schon ging es wieder auf den Abstieg. Die Zeit rennt – wir hatten noch viel vor.
DSC00147Suferlike den Abhang des Vulkans herunter gerutscht. Gute Haltungsnoten fuer uns Drei – gab nur ein paar kleine Blessuren.

 

Ach, noch etwas zu unserem Vulkan, gerade bei Wikipedia gelesen:

  1. Für Peter Jacksons “Der Herr der Ringe” wurde Ngauruhoe als Double für den Schicksalsberg genutzt, was ihm zu weltweiter Bekanntheit verhalf.
  2. Insgesamt brach der Ngauruhoe im 20. Jahrhundert 45 mal aus und war damit einer der aktivsten Vulkane dieses Jahrhunderts überhaupt.

Vorallem der zweite Punkt…aiaiaiai – bin recht froh das erst im Nachhinein gelesen zu haben ;)

 

Red-CraterDer “Rote Krater”.
LakeDie Schwefelseen und im Hintergrund der “Blaue See”.
IMG_5633Und wieder stinkende Schwefelquellen.
DSC00207Wieder im Gruenen…ein kleiner Wasserfall am Ende der Reise nach Mittelerde.

 

Sonntag ging es dann dem „Lost Highway“ Nummer 43 fuer ca. 4 Stunden entlang. Einem sehr kleinen und niedlichen Highway, der ab der Haelfte einfach mal so keinen Strassenbelag mehr aufzuweisen hatte und man nur noch ueber Schotter faehrt. Ein Highway wohl gesagt! Bruecken so schmal wie ein einziges Auto. Kurven ueber Kurven. Nicht gut fuer den Verbrauch, aber wahnsinnig gut fuer die Augen. Denn die Aussicht die uns heute geboten wurde war einfach nur phaenomenal. Neuseeland vom Feinsten. Wie man es kennt. Oder sich vorstellt. Gruene Huegel so weit das Auge reichen kann. Kam mir vor, als ob wir einfach nur 4 Stunden durch das Auenland gefahren sind. Eins zu Eins genau dasselbe. Und der Megaburner – irgendwo im Nirgendwo biegen wir um eine Kurve und vor uns auf der Strasse nur noch eins….Schaaaaaaaaaaaaaaafe. Mindestens 3939973209 in einer Herde zusammen gefercht. Ein Hirte auf einem Buggy, ein paar Hunde und die Schafe. Mitten auf der Strasse. Kein Durchkommen. Sie sind zwar alle furchtbar nervoes, aber Platzmachen tun die doofen Dinger nicht. Laufen einfach immer weiter direkt vor dem Auto der Strasse entlang. Nach gut 15 Minuten hat es Soeren dann endgueltig gereicht. Er hat seine wahre Bestimmung gefunden – sein Schaefer-Gen. Links am Strassenrand hat er sie alle ueberspurtet, sich vor sie „geschmissen“ und mit dieser beherzten Aktion die Schafe zum Umkehren gezwungen. Voellig verwirrt („Hae, sind wir hier nicht gerade her gekommen….???“) sind die Schafe dann wieder entgegengesetzt davon gezogen, an uns vorbei und die Strasse war wieder passierbar. Was fuer ein Erlebnis. Endlich Schafe gesehen. Richtig viele. Ich sags ja: Neuseeland wie man es sich vorstellt. 

All diese Umwege haben wir eigentlich nur wegen eines bestimmten Zieles auf uns genommen: Mount Taranaki (oder auch neudeutsch einfach Egmont genannt). Ein weiterer Vorzeigevulkan, den man aus vielen Kilometern Entfernung eigentlich schon sehen muesste. Ja, richtig, muesste. Tat man aber nicht. Ueberall blauer Himmel, keine einzige Wolke – ausser direkt ueber dem Berg. Wie aergerlich…faehrt man extra einen so grossen Umweg…fuer Nebel. Aber ich sags ja: Neuseeland wie es leibt und lebt. Muss man eben mit rechnen. Und wer schlau ist und lesen kann ist sowieso im Vorteil. Zitat ADAC Reisefuehrer: Leider zeigt er seine wunderschoene Ansicht an 260 Tagen des Jahres nicht. Sie verschwindet unter einer Nebel- oder Wolkendecke….Blablabla. Dafuer haben wir einen weiteren tollen Wasserfall entdeckt und viel lustige Fotos gemacht. Auch den Absprungort des Wassers (quasi den Top der Faelle) haben wir besucht und ausfuehrlichst bestiegen. Als die Jungs wieder fertig waren mit Spielen ging es zurueck zum Auto und weiter Richtung Wellington. Keine 10 Minuten spaeter, Soeren: „aaaeh, schaut mal zurueck. Ihr werdet es nicht glauben“…der Berg war zu sehen. Die Spitze und viel seines aeeeeh, wie heisst das, Koerpers (???) waren nun wolkenfrei und einwandfrei zu beobachten. So kamen wir gluecklicherweise doch noch zu unseren Fotos, der Umweg hat sich so nun richtig gelohnt und froh gelaunt ging die Reise weitere 5 Stunden weiter in die Hauptstadt Neuseelands, wo wir gegen 21 Uhr auch endlich ankamen. Ein langer, aber wiederum sehr schoener Tag. Gute Nacht.

 

AuenlandAuenland wie es leibt und lebt. Nur kleine Hobbits wollten uns nicht ueber den Weg laufen ;(
CIMG4922Dafuer umso mehr Schafe. Na endlich, geht doch!
CIMG4943Soeren hatte aber bald alles wieder im Griff. Die Schafe gehorchten ihm – ab heute kann es nur noch einen geben, den Schafefluesterer.
DSC00235Ein paar Maoris trafen wir auch im Nebel des Mount Taranaki.
Egmond_Fall-2Und wieder ein Wasserfall. An Schoenheit verlieren sie allerdings und gottseidank nichts.
DSC00283Und wieder sind die Jungs zum Spielen – diesmal auf dem Wasserfall. Ein Umlenkversuch des Wasser lief bedauerlicherweise fehl ;)
DSC00297Mount Egmont, nachdem er sich dann doch endlich aus seinem Nebelkleid bequemt hat.

 

Der letzte Tag auf der Nordinsel beginnt in Wellington wie es sich fuer die „city of wind“ gehoert – windig. Sehr windig. Aber keine Wolken und viel Sonne am Himmel. Zuerst war Waschtag – nach 7 Tagen und einer staubigen Vulkanwanderung auch absolut notwendig. Danach ging es auf den Mount Viktoria mit tollem Stadtpanorama. Danach ging es einmal quer durch die Stadt dem naechsten Berg hinauf um…dreimal duerft ihr raten…richtig…ein tolles Stadtpanorama zu bestaunen. Aber diesmal war die Art der Bergbesteigung von Bedeutung. Eine uralte „Cable Car“ Bahn hat uns an ihrem Seil den Berg hinauf gezogen. Genauso wie in…mh, wo eigentlich, habs vergessen (entschuldige Papa, aber ich weiss genau, DASS ich es schon einmal gemacht habe. Und darauf kommt es an!). Das war recht witzig. Danach noch kurz das meistgeschossene Foto von Wellington nachgeschossen, eines dass man auf jeder zweiten Postkarte zu finden ist, den Botanischen Garten durchwandert und wieder zurueck zum Hostel. Morgen um 8:25 Uhr geht es mit der Faehre Richtung Suedinsel. Die Nordinsel ist dann erst einmal Geschichte…der Sueden kann kommen. Ich freu mich. 

Bis bald,

Euer Kiwi-Stefan

 

DSC00316Kann man sich einen schoeneren Ausblick zum Schaukeln vorstellen. Wellington liegt mir zu Fuessen.
DSC00356Nich umsonst die Stadt des Windes genannt…
DSC00397_bDas von mir angesprochene Postkartenfoto – die alte Cable Car mit Wellington im Hintergrund.

 


 



4 responses to “Roadtrip – Nordinsel”

  1. Soeren says:

    …oh mann, was ist das fuer eine geile Reise.

  2. Marcel says:

    Super Impressionen :-) Wünsch euch noch eine klasse Zeit!

    Viele Grüße aus “good old” Germany
    Marcel

  3. Hannah says:

    Mein liebster stefan!!
    deine bilder sind supertoll! obwohl es mir unerklärlich ist, wie ihr noch so viel spaß ohne mich haben könnt ;) ich war so traurig als unsere wege sich am flughafen getrennt haben und ich die rolltreppe ins verderben hochfahren musste…und natürlich denke ich jeden tag an unsere unvergessliche geile zeit in unserem kleinen kommunistischen heartbreakmotel mit den sörwer bois!! wünsche dir und deinen freunden noch unheimlich viel spaß und eine tolle reise mit unserem falcon! hab dich lieb!
    hannah

  4. Mutti says:

    Sind froh, dass die Erde euch wieder hat. Hatte schon Gänsehaut, als ich das Video sah.Dein Bericht dazu war auch sehr ausführlich -konnte mich so richtig in den Sprung versetzen.Die Naturaufnahmen sind wie immer toll!!! Viele Grüße an die Jungs.Soeren ist ein guter Schmuckler -danke,Soeren! Wir wünsche Euch noch zwei schöne Urlaubswochen!!!

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