Milford Track

 
 
IMG_8389Der verdiente Regenbogen am Ende einer voellig verregneten nacht – wie soll man diese Vorzeichen nur deuten?
IMG_8391So ist Regen ja ganz nett anzusehen.
 
Nun ist es endlich soweit. Wochenlang habe ich darum gezittert um ueberhaupt einen Platz zu bekommen. Als es dann endlich fix war waren es wieder verdammt lange Wochen (ok, so verdammt lang waren sie dank Abwechslung gar nicht, aber Wochen waren es immerhin) bis es nun endlich los ging. Und wie es los ging. Naemlich mit Regen. Nachdem locker 14 Tage am Stueck bestes Wetter, blauer Himmel viel viel Sonne (Sonne ja, Waerme nein…aber egal. Sonne jedenfalls.), kein oder wenn nur in der Nacht vorherrschender Regen, mich verwoehnt hatte war mein Koerper scheinbar schon wieder ein bisschen vom Regen entwoehnt und hatte mit den vielen dunkelgrauen Wolken am Himmel und dem nassen Nass was aus diesen herausfiel so seine lieben Motivationsschwierigkeiten. Aber den Milford laeuft man ja nun mal nicht alle Tage und von daher ging es dann doch recht bald mit Hoechstmotivation in den Bus um halb 10. Dieser brachte mich kostenlos (die Arbeit fuer den Holiday Park zahlt sich langsam echt aus) nach Te Anau Downs, ca. 30 Kilometer von Te Anau entfernt wo dann gegen halb 11 das Boot ablegte. Boot deshalb, weil der Start des Milford Tracks am Ende des „Lake Te Anau“ liegt und per Auto oder Fuss gar nicht oder nur schwer erreichbar ist.
 
Die Bootsfahrt machte schon mal heiss auf mehr. Aehnlich wie im Milford Sound (halt nur nicht so ganz gewaltig, sonst braeuchte man ja diesen nicht) ragten hohe und steile und massive Berge aus dem See heraus. Ein paar Woelkchen noch am Himmel (der Grossteil des Regens hatte sich „verpisst“) und schon drohte das Motivationsfass fast ueberzulaufen. Sehr gut. Wann, wenn nicht hier und jetzt. Nach guten und sehr windigen 80 Minuten waren dann das Ziel der Bootstour und gleichzeitig der Start des weltberuehmten Milford Tracks erreicht, einem der “Great Walks” von Neuseeland.
 
 
Te-Anau-Downs“Lake Te Anau” vom Schiff am Startpunkt aus gesehen.
IMG_8413Nach dem Verlassen des Bootes musste JEDER seine Schuhe reinigen. In Neuseeland gibt es eine neue Algenpest (Didymo genannt). Verbreitet sich schon mit kleinsten Wassermengen, die am Schuh haengen geblieben sind.
IMG_8415Na eeeendlich – Jetzt Gehts Lohoos!
 
Von vielen als der „weltbeste Mehrtagestrack“ ausgezeichnet war ich natuerlich sehr gespannt. Die erste Aktion war aber erst einmal das Abwaschen der Schuhe, um die Verbreitung von „Didymo“ zu verhindern (eine Alge, die wahrscheinlich aus Suedafrika am Fusse eines Wanderers eingeschleppt wurde und sich nun pestartig in Neuseelands Gewaessern verbreitet und anderen Pflanzen die Lebensgrundlage nimmt. Boese Sache, nicht zu unterschaetzen – kann man mal sehen wie schnell das gehen kann und dass die pingeligen Kontrollen bei der Einreise absolut berechtigt sind). Mit frisch gewaschenen Schuhen ging es jetzt aber richtig los. Ok, was ist schon richtig. Schliesslich sind es am ersten Tag nur sage und schreibe sagenumwobene 5,8 Kilometer, die man bis zur ersten Huette zu ueberwinden hat (die guided Walker haben sogar noch weniger). Tja, was soll ich dazu noch sagen. 5,8 Kilometer halt. Waren dann auch schon schneller wieder um ehe es ueberhaupt so richtig los ging. Ehe meine Schuhe auf Betriebstemperatur waren. Ehe man auch nur ein Gefuehl von Wanderung bekam. Naja, war ja nur der erste Tag, 3 weitere sollten noch folgen.
 
In der „Clinton Hut“ habe ich mir dann erst einmal gleich mein Bettchen gesichert, eins von 20 in einem „Bunk Room“. Ein kurzer „Power Nap“ mit Lieblingsmusi im Ohr hat mich auch gleich wieder von den Strapazen des Tages erholen lassen. Gegen 16 Uhr kam dann die zweite Gruppe Wanderfreunde an. Insgesamt werden nur 40 guided Walker, die, die das dicke Geld haben und locker 1500 NZ$ fuer den Track ausgeben, dafuer aber auch beheizte Raeume, Koeche, Duschen und sonstigen Luxus geniessen duerfen (Snobs), sowie 40 unguided Walker (so wie ich, die richtigen Wanderer, die waren Wanderer) pro Tag auf den Milford Track gelassen. Mehr nicht. Das, und die Tatsache, dass er der beliebteste Track Neuseelands ist, fuehrt dazu, dass es recht schwierig ist einen Startplatz zu bekommen. Am besten Monate vorher schon anmelden!!!
 
 
IMG_8439So siehts hier aus. Alle Baeume sind von unten bis oben mit Moos bewachsen. Gruen ja gruen…Mh, ok, hatte ich schon einmal das Thema. Also weiter…
IMG_8435Ein kleiner Steg ins “Wetland” (Sidetrip – irgendwie muss man den ersten Tag ja etwas “aufbohren”, zu mindestens was das Wandern angeht ;)
WetlandWetlandpanorama.
 
In der zweiten Wandergruppe war dann auch eine Amerikanerin, die ich damals in Kerikeri kennengelernt hatte. So klein ist Neuseeland. Nur einen Tag frueher oder spaeter gestartet haette man sich nie gesehen. Echt witzig. Aber das ist eigentlich voellig normal hier, man laeuft sich staendig doppelt und dreifach ueber den Weg. Halb 8 kam dann auch Peter Jackson (!!!) unser Huettenwart zu uns, gab ein paar kurze Sicherheitsinstruktionen und lud uns auf einen kurzen Pflanzen-, Beeren- und Naturleergang ein. Sehr interessant was man alles essen kann und was man dann doch lieber meiden sollte. Ein durchtrenntes Blatt einer Pflanze war die reinste Pfefferbombe und legte einem die Zunge fuer ein paar Minuten taub. Danach gab es noch eine Sternenstunde am Helikoperlandeplatz. Alle lagen auf dem Ruecken, den Blick in den rabenschwarzen Nachthimmel (ok, vielleicht doch nicht Raben, waren ja schliesslich Sterne zu sehen) gerichtet und staunend dem gruenen Laserpointer gefolgt und den Erklaerungen von Peter gelauscht. Schon genial…wie klein der Mensch eigentlich ist. Klein und jung. Nach Petermanns Gutenachtgeschichte ging es dann ab ins Bett. Die erste Nacht unter 20 Schnarchnasen, ich sicherlich inklusive (hoer mich immer nicht so richtig;)
 
 
IMG_8438Die “Clinton Hut” – noch sieht alles bestens aus ;)
 
Der zweite Tag. DER zweite Tag. DER Tag der Tage sollte es werden. Nur wusste es jetzt noch keiner. Und konnte auch eigentlich keiner ahnen. Nur eins wussten wir alle ganz genau – dass wir nass werden wuerden. Denn es schuettete wie aus den alt bekannten Eimern. Und hoerte auch nicht auf. Und gute Besserung am Himmel war ebenfalls nicht in Sicht. Also hatte sich eigentlich schon jetzt, beim Zaehneputzen, schon jeder damit abgefunden, dass wir den einen oder anderen Tropfen abbekommen wuerden. Und dann…dann ging es los. Oder doch nicht. Denn Peter hatte vor die Huette ein Schild gehangen, dass wir doch bitte nicht alleine loslaufen sollten (bitte kam auf dem Schild nicht vor – aehnelte mehr einem Befehl). „Oho, wasn da los?“
 
 
panoSchon ein anderes Bild der Huette – so witzig wie sich alle in ihren “regenabweisenden” Spezialklamotten verkriechen.
IMG_8444Das sagenumwobene Schild.
 
Eine halbe Stunde spaeter kam er wieder, voellig durchnaesst. Er hatte mittlerweile die Strecke ein wenig besichtigt und kam zu der Ansicht, dass wir unter keinen Umstaenden jetzt und noch unter keineren Umstaenden alleine loslaufen sollten. Also blieben und warteten wir noch eine Weile. Der Regen nicht. Es traschte und drosch was das Zeug hielt. Eine halbe Stunde spaeter ging es dann doch los. Irgendwas musste ja passieren. Und zu mindestens versuchen konnten wir es ja. So starteten wir also als 40er Gruppe schoen im Gaensemarsch in Reihe und Glied unseren zweiten Milford Tag. Peter war unser Anfuehrer. Alle seine Schaefchen folgten ihm. Das war das erste Mal in dieser Saison, dass ein Huettenwart mit den Wanderern zusammen losziehen musste, weil es alleine zu gefaehrlich gewesen waere. Er hat da ja nun etwas mehr Ahnung. Und es traschte froehlich weiter. Anfangs versuchte ich noch jede Wasseransammlung und Feuchtigkeit an meinen Schuhen zu vermeiden. Aehnlich wie dem Halbmarathon beim Rennsteiglauf, wenn man nicht aus der ersten Reihe starten darf und sich auf dem Weg zur Schmuecke an den langsameren Laeufern vorbei kaempfen muss: links rechts huepfen oben unten sprung stopp ausweichen und alles wieder von vorne (Reihenfolge beliebig ;)
 
 
IMG_8468Irgendwann war es dann doch egal – “ist doch nur Wasser”.
 
Nach gut einer Stunde dann die erste Huerde: ein kleiner Wasserlauf, immerhin gross genug, dass man nicht drueber huepfen konnte. Also mitten durch. Aber eigentlich egal, die Schuhe (irgendwann auch mal mit GoreTex Eigenschaften versehen) waren bereits jetzt voellig durchnaesst. Kein einziger trockener Fleck nach nicht einmal einem Bruchteil der Tagesstrecke. Wo war ich…ach ja. Durch das Wasser. Kurz durchgeatmet und los. Und noch mehr nass. Ein Fuss mitten im Wasser, danach der zweite auch noch. Beide quasi. Und noch ein Schritt im Wasser und noch einmal. Dann wieder raus. Quwtschhh quwatsccchhhhh macht es. Die kalte Bruehe wird dank Schweissfuss (endlich mal ein Vorteil) bald schon recht angenehm warm – „mh, ist gar nicht so schlimm“. Weiter ging die Reise. Oder auch nicht. Denn nach kaum 15 weiteren Minuten der naechste Fluss, der ueberquert werden wollte. Na gut, kennen wir ja jetzt schon. Linker Fuss rein, huuu, wieder sehr kuehl, rechter Fuss rein. Linker…“Moment, wie tief geht das hier…“ flatsch, bis zu den Knien im Wasser. Ok, schon recht tief. Aber geht noch. Hauptsache der Rucksack geht nicht unter. Das waere die Hoelle. Ausserdem trage ich ja meine gute Tchibo wasserabweisende Hose, die in dieser Situation ihrem Namen voellig zu Recht wird. Prima, gutes Maedchen. Nur meine ExGoreTex Schuhe versagen mal wieder voellig. Quutschhhh quuttschhhh. Bald aber schon wieder diese wohlige Waerme. Mhhhh. Die Kerikeri Amerikanerin verlor in der Mitte des Tuempels ihr Gleichgewicht und sackte bis zur Huefte ins Wasser. Nur gut, dass Deutschland zur Stelle war und die USA vor der drohenden Versenkung retten konnte ;)))
 
 
P4066718Huuuu, kuehl.
 
Der Regen hat natuerlich noch nicht nach gelassen. Wir erreichen einen Punkt der Wanderung, der es absolut in sich hat. Wow, so etwas habe ich noch nie gesehen. Der Milford Track verlaeuft in einem Tal zwischen zwei massiven Felswaenden. Da es regnet und Felsen nicht gerade fuer seine Wasser absorbierenden Eigenschaften beruehmt ist laeuft das ganze Wasser von beiden Bergen natuerlich ins Tal (logisch…Erdanziehung ;) und sammelt sich wo??? Genau, in genau diesem. Ablaufen kann es kaum, da es einfach nur unvorstellbare Wassermassen sind. Dort wo sonst nie Wasserfaelle zu sehen sind spriessen sie jetzt zu hunderten aus dem Nichts hervor. Wasserfaelle ueber Wasserfaelle. Soweit das Auge reichen kann. Und eigentlich noch viel weiter. Wow wow wow. Hat was. Definitiv. Steh ich ja voll drauf. So schoen. Ueberall kommt und faellt das weisse schaeumende Nass den Felsen herunter. Mal mehr Mal weniger. Meistens aber viel mehr als mehr, da es immer noch regnet. Und auch nicht nachlassen wird. Nein. Damit haben wir uns abgefunden. Ich guck und guck und krieg einfach nicht genug von diesen Wassermassen. Unglaublich.
 
 
IMG_2710Ueberall schiesst das Wasser dem Berg herunter. Normalerweise gibt es hier keinen einzigen Wasserfall zu sehen (das orangene Grinsemaennchen ist uebrigens unser Pete ;)
 
Die Gruppe stoppt. Peter der Chef sagt stopp und alle stoppen. Vorne geht es nicht weiter. Der Wanderweg existiert ab hier nur noch rein theoretisch und formal auf dem Papier. An seine Stelle ist das angesammelte Wasser getreten. Eine Koexistenz wird nicht akzeptiert, der Staerkere gewinnt und das ist an diesem Tag ganz klar Mutter Natur und ihr feuchter Freund. Mittlerweile sind auch die guided Walker hier angekommen. Ihr Guide testet den Wasserweg aus. Vielleicht kann man ja durch waten, waere ja nichts Neues. Zumindest nicht an diesem Tag. Aber bei Wasserstand Huefte gibt auch dieser (der Guide) so langsam auf. Und es waere noch tiefer gegangen, meinte sie. Also geht es nicht weiter. Dumm, denn die Wanderung muss hier einfach weiter gehen. Die naechste Huette ist gebucht und auch nur diese naechste Huette kann von uns diese Nacht zum Schlafen verwendet werden. Unsere letzte Huette wird naemlich von den Neuen, den Nachkoemmlingen, benoetigt. Schlecht. Mh, was machen wir. Lange Diskussion. Peter will zurueck gehen. Den Walk abbrechen. Uns zurueck auf die Faehre setzen (haben ja keine Schlafmoeglichkeit) und uns das restlich Geld auszahlen lassen. „Ohhhrrrrr, nooeeee, will das doofe Geld nicht“ war die Einhellige Meinung. „Schwimm ich lieber durch den Abschnitt“. „Geht nicht…basta!“ meint Peter. „Ok, ok, ist ja gut. Wollen trotzdem nicht zurueck!“ Gut nur, und endlich mal unser Vorteil, dass es weiter geregnet hat. Denn nun hat uns das Wasser eingeschlossen. Die Stellen, durch die wir vor knapp einer Stunde noch Watscheln konnten sind nun ebenfalls nicht mehr passierbar. Wir sitzen in der Falle. In einer kalten und nassen noch dazu. Und Warten ist auch nicht gerade dafuer bekannt, dass es einem Waerme in die eiskalten Glieder zurueck bringt. Naechste Idee…Hubschrauber. Dieser soll uns ueber das ueberflutete Gebiet fliegen, drueben wieder absetzen und weiter kann die Reise gehen. Dumm nur, dass mit Regen auch Wolken verbunden sind (quasi die Regenwolken). So war es fuer den Rettungshubschrauber von der Milfordseite (auf der anderen Seite des Passes) nicht moeglich hinueber zu kommen, da er nicht fliegen darf, wenn nichts zu erkennen ist. Letztendlich kam der Hubschrauber der guided Walker aus dem 300 Kilometer entfernten Queenstown herbei geduest. Und wen rettet dieser natuerlich zuerst??? Der Hubschrauber der guided Walker rettet natuerlich die guided Walker als erstes. Wer haette das gedacht. Noch einmal 40 Wanderer. Im Hubschrauber ist Platz fuer 5 weitere Personen neben dem Piloten. Macht nach Adam Riese ungefaehr geschaetzte 8 Fluege allein fuer diese Gruppe. Jedes Mal vergehen zwischen ankommen, landen, einladen, wegfliegen, ausladen und wieder kommen locker 6-7 Minuten (die Matheasse werden schnell merken, dass jetzt bereits knapp eine Stunde vergangen ist, in welcher wir nur dumm rumstanden und die scheinbar endlosen Fluege des Hubschrauber gezaehlt haben. Ach ja…und kalt wurden. Arschkalt!. Also ging es ans Bewegen. Sinnloses auf der Stelle trampeln brachte nicht. Den Berg hinauf sprinten dann schon eher. So konnte man wieder einigermassen warm werden.

Endlich war unsere Gruppe an der Reihe. Frauen und Kinder natuerlich zu erst. Mann wie ich bin habe ich mich schoen verdrueckt, dass ich auch ja erst in der letzten Ladung mitfliegen muss. Das bedeutet aber noch einmal eine weitere Stunde in der feuchten Kaelte warten. Hunderte Male, mindestens, habe ich die Wasserfaelle an den steilen Felsen beobachtet. Den Anblick in mich aufgezogen. Kein Bild der Welt, auch kein noch so gutes Panorama von mir ;) kann dies so wieder geben wie wir es dort gesehen haben. Genial.

 

IMG_8470Warten – die allgemeine Stimmung ist an den zum Boden blickenden Koepfen recht gut erkennbar ;) So richtig viel geredet hat keiner. Die einzigen Geraeusche stammten vom Klappern der Zaehne ;)
 P4066726Ich hab mich gefreut und den Ausblick genossen.
IMG_8475Und jeden, aber wirklich JEDEN Wasserfall bestaunt.
IMG_8480Auch hier gab es ein kleines Fluesschen zum Ueberqueren.

 

Iiiiirgendwann war es dann so weit. Unsere letzte Gruppe war an der Reihe, Peter inklusive (er wollte eigentlich alleine irgendwie zurueckschwimmen…Doedel!). Koepfe einziehen, Backpack in den Stauraum, wir in den Heli, Mickimaeuse ueber die Ohren und ab ging es auch schon. So nah vorbei an den herabstuerzenden Wassermassen. Wasser ueberall. Ein Wahnsinns Anblick. Wasser Wasser Wasser. Wo kommt das nur alles her??? (ok, will doch keine Antwort darauf haben ;) Unter uns ein riesiger brauner See wo frueher eigentlich mal ein schmaler Wanderweg entlang fuehrte. Waere wohl doch etwas weit und nicht schaffbar geworden, wenn wir es haetten schwimmen wollen. Unmoeglich. Eine braune Wasserpampe. Nach nicht einmal 5 Minuten Flug war dann leider schon viel zu frueh das Ende erreicht. Gute 5 Kilometer wurden ueberflogen und somit eingespart. „War ja doch recht einfach…!“ Im guided Hotel (und genau das war es auch mit seinen beheizten Luxusraeumen) gab es eine heisse Tasse Tee zum wieder aufwaermen ehe es auf die letzten 6 Kilometer der Tagesstrecke ging. Voellig durchnaesst und kalt aber noch immer mit dem Hochgefuehl alles aus der Luft gesehen zu haben war das aber nun auch keine Huerde mehr. Leider wurde die Standhaftigkeit des Wartens und Aufopferns fuer die Schwaecheren am Ende nicht belohnt…nahezu alles um den Kamin war schon mit feuchten (und uebel riechenden) Klamotten behangen, kaum ein Platz mehr fuer mein Zeug. Heisse Duschen gibt es hier ja sowieso nicht (sind ja hier nicht bei den Guideds). Also raus aus Nass hinein ins Trockene. Ich hatte das Glueck noch ein wenig davon im Inneren meines Rucksacks zu finden. Andere hatten nicht einmal mehr einen trockenen Schlafsack…oh jeee. Voellig uebermuedet aber trotzdem mit einem zufriedenen Grinsen ging es bereits gegen halb 10 nach ein wenig Kartenspielen ins Bett. Was fuer ein Tag. Wow again.

 

IMG_2723Unser Schlafraum. Ein altbekanntes Wandergas namens Soxigen hat sich allerdings bald recht uebelriechend breit gemacht.
IMG_2724Kaum ein freies Fleckchen war bei meiner Ankunft noch zu finden.
 
Am naechsten Morgen sollte es dann auf den Pass (ueber 1000 Meter ueNN) gehen. Aber mit welchem Pullover? Mein Nachtpullover wollte ich nicht nass werden lassen. Unter keinen Umstaenden! Man braucht nach einem weiteren Tag Regen ja wenigstens am Abend irgendwas Warmes und Trockenes. Der Wanderpullover vom Vortag war noch klitsch nass und somit nicht zu gebrauchen. Ok, eben keinen. Zaehne zusammen beissen ist also angesagt. Und das am Pass. Aber ganz so schlimm wurde es dann gar nicht. Nur fast. Obwohl am Pass direkt kein Schnee lag (drum herum waren alle Spitzen weiss geworden) waren es trotzdem Minusgrade. Handschuhe und Ninjamaske sehr sehr wichtig. Schneller als gedacht war ich dann als erster oben angekommen und habe den Pass ueberquert. Fotos mit gefrorenen Fingern zu schiessen ist nicht moeglich. Mit Handschuhen zwar umstaendlich…aber es geht. Nur die Kamera will nicht. Zu kalt. Oder so. Also bleibt sie sicher im Rucksack eingemummelt versteckt. Das Weichbrot. Dann eben nicht. Muss ich mir die Bilder eben bei anderen zusammen klauen, die dumm genug sind ihre den miesen Witterungsverhaeltnissen auszusetzen. Hehe.
 
 
IMG_2744Gruen ja grue…immer wieder die alte Leier ;)
IMG_2747El Muro, die Wand. Irgendwo muss es doch ein durckkommen, drueberkommen, geben.
IMG_2756Ein Blick zurueck ins “Clifton Valley” – so nass sieht es doch gar nicht aus…
IMG_8522Endlich oben. Das “McKinnon Memorial” am Passuebergang.
IMG_8542aBelohnung fuer den Erstueberquerer…
 
Nach dem Pass kam die Pass Schutzhuette. Fuer eine kurze Weile kein Wind. Alles dampft an mir. Alles ist nass. Mal wieder. Eine Zweiminuten Nudelpfanne bringt mich wenigstens fuer kurze Zeit wieder auf warme Gedanken. Hier oben steht ebenfalls eine Toilette, die Neuseelands beste Aussicht geniessen darf (oder eben der Nutzer ;). Nur heute nicht. Natuerlich nicht. Denn alles ist Wolken- und Nebelverhangen. Lange konnte ich nicht in der Huette bleiben. Es wurde rasch wieder arschkalt. Also ging es bereits bald schon wieder nach unten. Aber nichts Dolles. Der Milford ist ja sowieso als leicht bis mittel in seiner Schwierigkeit eingestuft.
 
 
IMG_8555DIE Toilette.
IMG_2776So sieht es normalerweise aus (aufgenommen von Jerry dem Nachzuegler, der besseres Wetter beim Uebergang geniessen durfte)
IMG_2762Oben fast nur Nebel.
IMG_2767Und wenn nicht, dann diese fantastische Aussicht.
IMG_2770Und schon wieder Nebel.
IMG_2773Und wieder Aussicht.
IMG_2774Hier geht es schon wieder runter ins Tal.
IMG_2777Nur selten kann man diese Aussicht geniessen.
IMG_2782Oder diese.
IMG_2784Das ist uebrigens Jerry.
P4076781Mich hingegen kann man kaum erkennen.
P4076794Wieder viel Wasser – hatten ja noch nicht genug davon.
IMG_2794All das Wasser an dem Felsen ist sonst nicht vorhanden (ich wiederhole mich da wirklich sehr gern ;)
 
Nach dem Pass kam die Pass Schutzhuette. Fuer eine kurze Weile kein Wind. Alles dampft an mir. Alles ist nass. Mal wieder. Eine Zweiminuten Nudelpfanne bringt mich wenigstens fuer kurze Zeit wieder auf warme Gedanken. Hier oben steht ebenfalls eine Toilette, die Neuseelands beste Aussicht geniessen darf (oder eben der Nutzer ;). Nur heute nicht. Natuerlich nicht. Denn alles ist Wolken- und Nebelverhangen. Lange konnte ich nicht in der Huette bleiben. Es wurde rasch wieder arschkalt. Also ging es bereits bald schon wieder nach unten. Aber nichts Dolles. Der Milford ist ja sowieso als leicht bis mittel in seiner Schwierigkeit eingestuft. Ca. eine Stunde vor dem Ziel dann der naechste Hoehepunkt: die „Sutherland Falls“ (hier in dieser Gegend ist uebrigens jeder Gipfel und jede Sehenswuerdigkeit nach schottischen Entdeckern benannt). 580 Meter sind sie hoch!!! Ein Muss fuer jed

en Wanderer, dachte ich. Am Ende hatte es in der Naesse der letzten Tage kaum einen anderen neben mir interessiert noch weitere Wassermassen zu bestaunen (zumal dafuer ein 90 minuetiger Umweg in Kauf genommen werden musste). Normalerweisse kann man auch hinter die Wasserfaelle laufen. Aber nicht heute. Nicht bei diesen Wassermassen. Nicht bei dieser Kraft des Wassers. Und schon wieder Wow. Was fuer eine Power Wasser eigentlich nur haben kann. Wir haben es versucht…Annaeherung. Aber keine Chance. Ca. 40 Meter von ihnen entfernt gab es kein Weiterkommen. Das Wasser war zu stark. Die Klamotten innerhalb nur einer Sekunde voellig durchnaesst. Klitschklatsch nass. Einfach so. Der feine Wasserstaub wird einem wie Peeling ins Gesicht geschossen – das Betrachten des Wasserfalls ist somit nicht moeglich. So ein Wahnsinn. So viel Wasser. So viel Kraft. So ein Spass. Genau mein Ding.

 
 
P4076803Aus guter Entfernung noch fotogen, das liess dann aber verdammt schnell nach.

 

Keine Stunde spaeter war ich dann an der letzten Huette. Diesmal aber in der ersten Reihe am Kamin. „Hier geh ich nie wieder weg!!!“.

 

IMG_2818Die Kea sind auch wieder da – frecher denn eh und je. Ich meine, is schon dreist einen Rucksack anzugreifen, der ca. 100x so gross ist wie sie. Aber da haben sie halt keinen Respekt – lustig.
 
Der letzte Tag war dann zwar mit seinen 18,5 Kilometern der laengste, aber mit kaum mehr als 30 Hoehenmetern auch der einfachste (ok, abgesehen von dem Spaziergaengeleinchen am ersten Tag) Abschnitt. Wunderschoen war er trotzdem. Links die Berge, rechts die Berge und dazwischen wir, die Zwerge. Und Wasserfaelle. Viiiiiele Wasserfaelle. Nach kaum 5 Stunden war ich da, am Ende des Milford Track. 53, 8 Kilometer waren bezwungen (ok, die 5 Helibescheisserkilometer abgezogen). Der Pass war bezwungen. Und irgendwie auch das Wetter. Die Natur bleibt zwar immer der Sieger, aber einen kleinen Teilerfolg konnten wir doch verbuchen: die Beendigung des Tracks. Nicht das Zurueckgehen und Auszahlen lassen. Nicht das Aufgeben. Nein, die erfolgreiche Beendigung einer der geilsten Erlebnisse die ich je in meinem Leben hatte. Ich habe noch nie zuvor so viel Wasser gesehen. Werd ich wohl auch nie wieder. Aber das war auch gut so. Ohne das Wasser waere es zwar wesentlich leichter geworden, aber auch wesentlich langweiliger. Es war gut so. Wir waren die ersten in der Saison die, obwohl unguided, zusammen laufen mussten (mit Chef Peter). wir waren die ersten der Saison die mit dem Helikopter rausgeflogen werden mussten weil es weder nach vorne noch zurueck ging. Kostenlos!!! Danke DOC fuer diese Leistung (wenn man fruehs noch in der Huette ist und es nicht weiter gehen kann wird man vor die Entscheidung gestellt: entweder zurueck und Geld zurueck oder weiter, mit Helikopter, diesen aber dann selbst bezahlen. Da wir aber schon auf der Strecke waren und nicht vor und nicht zurueck konnten war es fuer uns eine Rettungsaktion und somit kostenlos.)
 
 
IMG_2829Zwar immer noch alles sehr feucht aber wesentlich angenehmer zu Laufen.
IMG_2840Und in die Ferne konnte man heute auch wieder sehen.
IMG_2843Ein Moosbaum (links), ein gluecklicher Wanderer (rechts).
IMG_2849Das “Arthur Vallay”.
IMG_2863Der “Arthur River”.
P4086843Der “Arthur River” im “Arthur Valley” ;)
P4086875Meine Wanderjungs und -maedels (ein bunter Mix: Holland, USA, Belgien, USA, Deutschland, Canada, von links startend).
IMG_2875So sehen Sieger aus…man fuehlt sich echt wie einer – ganz ohne pathetisch zu werden.
P4086882Der Milford Track ist bezwungen (wieso hat den Neuseelaendern eigentlich noch keiner gesagt, dass der Rest der Welt das methrische Einheitensystem verwendet???)
Sandfly-PointDieser Anblick erwartet einem am Ende der Reise – geht man doch gerne durch dick und duenn, oder besser: durch kalt und nass!
 
Noch etwas. Ich kannte vor dem Track nur die fast ins Wasser abgestuerzte Kerikeri Amerikanerin. Die ganzen gemeinsamen Erfahrungen der letzten 72 Stunden haben uns aber alle (die gesamte Gruppe) wahnsinnig zusammen geschweisst. Die Gruppe hat als Ganzes funktioniert und man kam sich an den gemeinsamen Abenden vor, als ob man sich schon Jahre kennen wuerde. Der Abschied fiel schwerer als er es auf einer normalen Wanderung getan haette. Vielen tollen Menschen waere man gar nicht begegnet. Aber wie sagt man doch so schoen: Extremsituationen schweissen zusammen. Kann ich nur bestaetigen.

Mit dem Boot ging es dann vom Ende des Milford Tracks, Sandfly Point (wie passend – aber nach diesen Erlebnissen waren mir die kleinen Scheissdinger diesmal echt total Schnuppe) zurueck nach Milford Sound, wo ich meine zweite Cruise innerhalb einer Woche erleben durfte. Noch immer mit nassen Fuessen (getrocknet ist trotz Feuer fast gar nichts) – 4 Tage in Folge. Keine Oma dieser Erde, sei sie auch noch so alt, konnte an diesem Tag mit meinen Schrumpelfuessen konkurrieren.

 

IMG_8571Vor traumhafter Kulisse unser Boot, dass uns zurueck nach “Milford Sound” bringt.
IMG_8669Aeusserlich noch immer kalt – innerlich durch pure Freude laengst erhitzt.
 
Der veraenderte Sonnenstand (die erste Cruise war fruehs um 9, diese jetzt 15 Uhr) und die damit anderen Lichtverhaeltnisse plus dunkle massive Wolken machten diese zweite Fahrt zu einer voellig anderen Empfindlichkeit.

Abends gegen 21 Uhr durfte ich dann endlich meine lang und heiss ersehnte Dusche geniessen. Die erste nach 4 Tagen. Die erste nach 4 Tagen Naesse und Kaelte. Und das mit einem Bier in der Hand. Mein letzter Wasserfall des Tages – ein heisser Wasserfall, der erst nach 35 Minuten seinen Geist aufgegeben hat. Und das war noch eigentlich viel zu frueh. Ich haette unter dem warmen Wasser direkt und gerne einschlafen koennen (hat aber auch so nicht lange auf sich warten lassen ;)

Vielen Dank fuer die Aufmerksamkeit. Ich weiss ich weiss. Lange Text. Viele Worte. 3591 um genau zu sein. Aber dieses fuer mich wahnsinnige Erlebnis musste einfach ausfuehrlichst dargestellt werden. Wenn ihr keine Lust aufs Lesen habt ist das fuer mich nur all zu verstaendlich. Aber ich, oder besser mein Sieb im Kopf, brauchen genau dieses Detailvorkommen um auch spaeter noch alles haargenau wieder erleben zu duerfen.

Danke! Und auf die warmen Duschen!!!

 

IMG_2898Leider nicht meins – aber ein geniales Bild von Jerry.
Milford-Sound-1Ich weiss, kennt ihr schon – aber es ist echt verdammt schwer dort vorbei zu fahren und die Kamera in der Tasche zu lassen.

Milford-Sound-2

 Die Steilheit im Milford Sound – kann man einfach nicht in Bildern festhalten.
IMG_8608Die andere Belichtung hat es zu einem voellig anderen Erlebnis werden lassen.
Milford-Sound-3So schoen…
53Auf der Heimfahrt – in den hoeheren Bergen sind all unsere Wassertroepfchen als Schnee herunter gekommen. Eine neue Jahreszeit ist angebrochen. Waehrend es in der Heimat Fruehling wird kehrt hier still und heimlich der Winter ein.
IMG_8720Puenktlich mit dem Ende der Wanderung war dann das liebe Klaerchen auch wieder anwesend.
 
Und noch etwas: Wir haben es geschafft. Bis auf Seite 1 der lokalen Nachrichten (zwar nur im unteren Abschnitt des Textes, aber immerhin). Sind eine Art lokale Beruehmtheit geworden. Noch Tage spaeter hat man auf dem Track von unserer Gruppe gesprochen, “was die doch alles durchmachen mussten”. Ich finds witzig. So viel Wasser wie lange nicht mehr ist gefallen. Knappe 500mm in nicht einmal 3 Tagen – das ist selbst fuer das nasse Fjoerdland eine ganze Menge – eine ungewoehnlich grosse Menge. Und wir waren mitten drin. Danke.
 
 
IMG_8727Letztes Drittel – das sind WIR!

 


 

 

 



2 responses to “Milford Track”

  1. Sören says:

    Servus Stefan!
    …und ich bin wieder mal der erste, der es geschafft hat, die Bilder und Texte durchzuarbeiten. Wiedermal eine echt gelungene Sache, die du da abgezogen hast. Und dann auch noch halbwegs in die regionale Presse zu kommen. Stark!
    Was ich übrigens auch stark finde, dass du endlich die Zeit gefunden hast, deine Borsten mal abzuschneiden. :)
    Also dann weiterhin viel Spaß mit deinen Ellies!

    Hau rein Großer

    Gruß Sören

  2. Stefan says:

    was heisst hier halbwegs…wir waren! und nicht nur lokal…suedneuseeland blaettle immerhin!!! und wenn du auch nur einmal meinen blog aufmerksam lesen werdest dann wuesstest du dass meine “borsten” schon seit invercargill, ca. 8 wochen her, weg sind! so. aber dennoch danke fuer den kommentar ;)))

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