Im Norden des Norden

Donnerstagnachmittag noch suchten wir nach guenstigen Alternativen ein Auto fuer das folgende Wochenende zu mieten. Alles drehte sich so um 80$ pro Tag, fuer das komplette Wochenende dann verguenstigt 150$, mindestens. Donnerstagspaetnachmittag dann der erloesende Anruf von Tim: „Stefan, suchst du noch? … Vergiss alles … wir kriegen den Surf“. Yeaaaaah, das Wochenende war gerettet. Das Auto seines Farmers, gross, geraeumig, kostenlos – poserhaft … ein Auto fuer richtige Surferboys eben ;)

 
 
IMG_1263Unser “Surf”
 

Freitag ging es dann gegen 18 Uhr los. Noch schnell ins „theWarehouse“ gehuepft, einen Neoprenanzug gekauft (bin doch eine kleine Frierkatze) und ab in Richtung Strand. Erstes Tagesziel war der „Anfang“, der suedlichste Teil des Ninty Mile Beach in Ahipara. Nach einer kurzen Runde mit dem Surf auf dem Strand (der 90m-Beach ist nahezu komplett mit dem Auto befahrbar. Sollte man allerdings steckenbleiben wartet man vergeblich auf Hilfe und kann seinen Weg zu Fuss fortsetzen. Wir hatten den Surf, mit Vierradantrieb … easyyy ;) Auf einer suessen kleinen Duene haben wir dann Elisas 3-Mann Zelt aufgebaut und uns in unsere Schlafsaecke gekuschelt, vorerst noch ausserhalb des Zeltes. Bissel windig war es naemlich schon. Ein wahnsinns Sternenhimmel begleitete uns durch die Nacht. Gewuerzt durch minuetlich sichtbare Sternenschneppen. Von klein und kurz gluehend bis hin zu der wohl groessten Sternenschnuppe aller Zeiten (diese kleine „schnuppe“-Verniedlichung ist hier voellig fehl am Platz), die einfach mal ganz locker an der einen Seite des Himmels angefangen hat zu gluehen und am anderen Ende erst aus unserer Sicht verschwunden ist. Wir sind vor lauter Begeisterung gar nicht mehr zu stoppen gewesen. Es gibt auch irgendwie keine Superlativen, die diesen Anblick beschreiben koennten. Grossartig, wunderschoen, Wahnsinn, unglaublich oder great, beautiful, awesome, amazing, unbelievable…keine Ahnung. Irgendwie so und doch viel mehr. In Deutschland wurde Mitte August ein aehnliches Ereignis gross in den Zeitungen angekuendigt, das dann aber hinter einer riesigen grauen Wolkendecke voellig unterging. Hier stand einfach mal Garnichts in irgendend welchen Zeitungen…es passierte einfach.

 

Spaet oder frueh am Morgen sind wir dann eingeschlafen, 4 im Zelt, 1 im Auto. Sauerstoffknappheit liess mich aber nicht lange im Zelt ausharren, so dass ich dann einfach direkt unter diesem Sternenhimmel eingemummelt im Schlafsack meinen Frieden finden konnte.

Samstag ging es dann nach Cape Reinga, der bekannteste Ort (also nicht Ort wie Ort, da Haeuser und Menschen und anderes was einen Ort normalerweise ausmacht nicht vorkommen, sondern eher Ort wie Platz, oder Gegend) im Norden Neuseelands. Das Motiv findet auf tausenden Postkarten seinen Platz. Ein kurzer schmaler Weg, der auf einem runden Platz endet, auf welchem ein Leuchtturm steht und eigentlich auch ein Wegweiser, mit vielen Entfernungsangaben zu Weltstaedten wie Paris und Berlin. Leider war von diesem Wegweiser nur der Pfahl uebrig geblieben. Alle Schilder waren entweder mutwillig durch Mensch oder Natur (sehr windig) entfernt worden. Mh, schon bissel schade. Naja. Schon ein gewaltiger Anblick, wenn es zu ¾ des Ausblickes nichts anderes als einfach nur Meer zu sehen gibt. Meer. Wasser ueber Wasser. Linkerhand trifft an einer Art „Wassergrenze“ der Pazifische Ozean auf die Tasmanische See, welches man sehr gut beobachten kann (bei schoenem Wetter und weniger Wind wohl noch besser). Zwei Meere mit unterschiedlichen Fliessrichtungen und Wasserfarben treffen hier aufeinander und scheinen an der Grenze eine Art Kraeftemessen auszufuehren. Diesen Anblick kann man auch mal in Ruhe etwas laenger genießen.

 

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DSC07801Leuchtturm am Cape Reinga
CIMG2295Pures Geniessen…
 

Nach Cape Reinga (uebrigens sehr muehsame Anfahrt, da die Strasse komplett aufgerissen ist und erneuert wird) sind wir zu einem kleinen Geheimtip gefahren. Eine kleine unscheinbare Strasse verlaesst kaum sichtbar den Hauptzubringer und fuhert nach ca. 7 km an eine kleine menschenleere Bucht mit tollen Wellen, Strand und Wasser.

 
 
IMG_1264Kaum aussprechbar aber wunderschoen…die Bucht.
CIMG2304…um wieder Kraefte zu sammeln.Steigt uns etwa die gute neuseelaendische Luft zu Kopf?
CIMG2309Freiheit am Strand.
 

Weiter ging es nach „Spirits Bay“. Eine Bucht, die einfach von jedem Neuseelaender empfohlen wird wenn dieser hoert, dass man zum Cape faehrt. Und das voellig zu Recht. Sofort nach der Ankunft sind wir in unsere Badesachen geschlUEPFT und ab in die Megawellen gehUEPFT. Locker eine Stunde dauerte der Kampf Mensch-Welle ehe dieser dann zugunsten der Natur von uns voellig entkraeftigt und versalzen beendet werden musste. Toll. Der Strand bestand nicht wirklich aus Sand – vielmehr waren es abertausende kleine Muscheln. Aber sie fuehlten sich nicht hart oder kratzig an…weich. Einfach nur weich. Wieder Toll. Da es bereits nach gut 10m richtig tief wurde bauten sich die Wellen erst sehr knapp vor dem Strand auf. Zum Brettsurfen war das gar nicht gut geeignet, da es zu strandnah war. Zum Bodysurfen dafuer umso mehr. Einfach eine grosse Welle abwarten, im richtigen Moment anfangen mit zu rudern und dann einfach nur mitreissen, treiben, rumkullern, verwurschteln lassen und irgendwann total verdreht am Strand wieder landen. Kurz durchgeatmet, Salzwasser aus Mund, Nase und Augen entfernt und wieder rein. Ein scheinbar unendliches Spiel, das auch gut und gerne noch viel laenger haette anhalten duerfen. Mein Anzug machte es mir auch leicht den Naturgemeinheiten besser Stand zu halten. Die anderen frierten sich schon etwas den Ast – ich nicht. Hehe, endlich mal war ich nicht das Zitterwuerstchen. Haben sich doch die 60 Euro Investition gelohnt (normalerweise kosten solche Komplettanzuege gut und gerne 300-400 Euro. Ich habe den zweitbilligsten (man goennt sich ja sonst nichts) ausgewaehlt und bin bis jetzt positiv ueberrascht).

 

Der eigentliche Plan war es eigentlich (haeeeh, sagt man das so?) hier an diesem Strand das Zelt aufzubauen. Da, wo laut Maorigeschichte die Seelen der Toten Neuseeland verlassen und ihren Weg in ein neues Land und Leben finden (keine Ahnung wo. So genau kenne ich die Legende dann doch nicht). Aber aufkommende dunkelgraue Wolken liessen uns quasi leicht verbittert aber dennoch mit einem wohligenen Grinsen im Gesicht fluechten. Ahipara war nach knapp 100 Kilometern wieder unser Ziel, wo wir aber diesmal eine Lodge aufsuchten. Ein riesiges Dorm mit eigener Kueche, Toilette, riesigen weichen Betten war unsere Bleibe fuer den Abend. Aber erst sehr viel spaeter, da es jetzt erst einmal wieder hiess: ab an den Strand. Pack die Badehose ein…oder den Neopren…obwohl es schon kurz vor 23 Uhr war war die Versuchung des Meeres einfach zu gross und wir mussten noch einmal kurz in die dunkelschwarzen Fluten huepfen. Ist schon etwas gruselig – so ganz ohne irgendetwas zu sehen. Einfach nur schwarz. Obwohl es diesmal sehr lange sehr flach im Wasser blieb sind wir, erwachsen wie wir sind, immer schoen strandnah geblieben.

 

Nach einer tollen halben Stunde war dann aber endgueltig Schluss fuer diesen Tag. Wieder in den Schlafsack eingekuschelt und umgeben von Fackeln und leckerem Getraenk* in die Nacht und den Schlaf versunken. Gegen 3am haben wir uns dann total vermuedet auf in unsere Wohnung gemacht. Die absolut richtige Entscheidung, denn morgens gegen 10 sind wir dann durch den orkanhaften Regen an unseren Scheiben aufgewacht. Alles richtig gemacht. Umgeben von Regen und Nebel sind wir dann Sonntagnachmittag zurueck nach Kerikeri gefahren. Aber selbst bei diesem Wetter, mit nebelverhangenen Bergen, sieht Neuseeland einfach wunderschoen aus. Wunderschoen, wie auch dieses Wochenende wieder einmal war. Mit diesem Tempo der letzten beiden Wochenenden kann es eigentlich gar nicht mehr weitergehen. Geht es auch nicht. Der erste Verlust musste ertragen werden. Elisa liessen wir in Ahipara zurueck, da sie jetzt ein paar Tage allein und fuer sich bleiben will, Kraefte sammelt um dann eine total verrueckte Woche mit unseren total verrueckten Amerikanerinnen verbringen zu wollen. So sind wir in unserem Dorm nur noch zu 5. Die Reihen lichten sich. Aber auch gut so. Schliesslich moechte jeder das Abenteuer Neuseeland fuer sich selbst erleben. Und geniessen. Nur haben uns diese 4 intensiven Wochen schon sehr eng miteinander verbunden. Die vielen Gespraeche, Erlebnisse, Abendteuer, Emotionen. Lukas brachte es neulich mal auf den Punkt: „Obwohl ich euch erst so kurz kenne, kenne ich euch besser und intensiver als die meisten meiner Freunde, die ich schon jahrelang kenne.“ Mehr muss man nicht sagen…

 
 
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Mit einem breiten Grinsen im Gesicht verabschiedet sich

Euer Kiwi-Stefan

* Lemon-Z. Ein leckerer Limonenlikoer mit 28%, der aus 96%igen Alkohol und dem Saft aus Limonenschalen hergestellt wird. Ich durfte Freitag bei meinem Dailyjob dieses leckere Getraenk in Flaschen fuellen und labeln. Ein toller Tag in einem Familienbetrieb mit wahnsinnig netten Menschen (keine Deutschen – Yeah, man konnte englisch sprechen), leckerem Mittag und einer grossen Flasche (Wert ca. 50$) als Abschiedsgeschenk. Diese Tagesjobs machen einfach immer wahnsinnig viel Spaß. Sie sind abwechselnd, aufregend und gut bezahlt. Man lernt viele neue Menschen kennen und FALLS es mal langweilig sein sollte (bis jetzt war es das nie) weiss man, dass man diese langweilige Arbeit definitiv den naechsten Tag nicht mehr machen muss (Tagesjob eben ;)

 

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3 responses to “Im Norden des Norden”

  1. Maddin says:

    Hi Keule,
    i try to talk to you in your favorite language atm. your sister told me about your blog^^
    i’ve already enjoyed your articles about your first experiences in nz with great interest.
    i see, you have lots of fun and enjoy all your doing. thats good. i hope it keeps on. i’m very pleased to get the possibility to join our adventure trip in february. you get an aktive new reader for your blog an i will support you in your competition with jana.
    see you, maddin

  2. Anonymous says:

    Hallo Stefan,
    habe mir heute mal deinen Blog reingezogen, klingt sehr interessant. Ich freue mich sehr, dass es dir gut geht. Ich werde öfters mal vorbei schauen und auch Werbung für deinen Blog machen.

    Mit sportlichem Gruß von einem Tabellenführer Der Elle

  3. Pudi says:

    meet – ich will auch!

    Jedesmal wenn ich hier wieder im kalten nassgrau eine kiwi nasche packt mich das fernweh.
    Und dabei ist mir ne tolle Idee gekommen – wenn du das nächste mal wieder die lustigen Früchte pflückst nimmst du einfach nen Edding mit und machst auf jede Kiwi ein rotes Kreuz – und wenn ich dann in 3 monaten im Edeka eine Kiwi mit nem roten Kreuz finde dann kann ich endlich sicher sein das die Dinger auch wirklich aus Neuseeland kommen und das es nicht Pflaumen sind denen irgendwo in Marokko ein Pelzmäntelchen angezogen wird =)
    Unter welcher email errreicht man dich eigentlich momentan? ist der gmail acount noch aktuell?

    Beste grüße aus dem kalten nassen Hamburg – Pudi

    P.S. geile Karre – jetzt noch ein paar Rennstreifen draufkleben und euch kann nichts mehr aufhalten=)

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