Doubtful Sound

“Herzlichen Glueckwunsch, Stefan, zu deinem 50. Eintrag hier auf www.kiwi-stefan.de” “ohhhh, jaaaa, danke, Stefan, haette es ja fast nicht mitbekommen wenn du mich nicht darauf aufmerksam gemacht hettest…wie die Zeit doch vergeht. Wow…50 Eintraege. Und zum Jubilaeum dann auch noch DIESER. Wie passend.”

Eeendlich hat es geklappt. Eeendlich habe ich meinen traegen Manager an sein Telefon bringen koennen um den einen notwendigen Anruf zu taetigen. Der Anruf, der mir den Doubtful Sound wesentlich angenehmer machen sollte. Um nicht zu sagen billiger. Ohne diese Ermaessigung waere ich wahrscheinlich gar nicht gefahren. Wie dumm. Warum dreht sich alles immer nur ums Geld. Gute Sachen haben halt ihren Wert. Berechtigt. Absolut, wie ich im Nachhinein feststellen musste. Jetzt wuerde ich auch mehr als das doppelte des normalen Preises zahlen. Jetzt weiss ich was auf mich zu kommt. Und ein Normalpreis von umgerechnet etwas mehr als 100 Euro fuer eine 24 Stunden Schifffahrt mit Verpflegung in diesem wunderschoenen Pfleckchen Erde….was ist das schon? Koennen gerne auch 200 sein. Naja, egal, fuer mich waren es jetzt ca. 30 Euro. Lucky Guy!
 
Los ging es Sonntag Morgens in, wie koennte es auch anders sein, Regen. Grau in Grau, Wolken wo man hinschaut und Nebel. Von Bergen keine Spur zu sehen. Beste Aussichten also um auf eine Bootstour zu gehen, dessen Erfolg dann doch schon etwas vom schoenen Wetter und den Aussichten abhaengig ist. Naja, egal, war ja nicht teuer. Also los…auf nach Manapouri zu “Pearl Harbour”, kein Scherz, der Hafen dort heisst tatsaechlich so. Auf dem Weg dann die erste Ueberraschung, Wolken lockern bissel auf, die Sonne kommt zum Vorschein. Teilweise. Und fuer kurze Zeit. Aber schon einmal ein Anfang. Eine erste Bootztour brachte uns ans andere Ende des “Lake Manapouri” einem, wenn nicht sogar DEM schoenste See Neuseelands. Kalt wars es aber trotz aller Schoenheit trotzdem, ein freundliches Grinsen fuer die Kamera nur kurzfristig moeglich, da ansonsten alle meine kleinen Zaehnchen kuemmerlich vereist waeren. Man ist nach gut 10 Monaten Sommer halt irgendwie ein bisschen an Waerme GEwoehnt und der Kaelte ENTwoehnt. Muss ich mich wohl aber dran GEwoehnen, der Sommer hier ist nun einmal vorbei. Was bliebt ist Winter mit Regen, Schnee, Nebel und viiiielen Wolken. So.
 
 
SDC11013_panoEin erster Eindruck von Lake Manapouri.
SDC11026Ich war so ziemlich der einzige am “Sonnendeck” – hab aber gerne gefroren.
SDC11036_panoDer See an sich aehnelt schon fast einem Fjoerd. Echt toll.
SDC11048Tja, wie gesagt, kalt eben :)
SDC11049_panoDie doofen grauen Wolken haben trotzdem etwas faszinierendes fuer Fotos.
SDC11053_pano“Oh Mann, was soll das nur mit den Wolken und Wetter werden. Will doch viiiel sehen!”
SDC11067“Doch was ist das??? Ein erstes Loch im scheinbar undurchdringlichem Grau?”

 

Nach einer guten arschkalten Stunde Schifffahrt kamen wir in “Westarm” an der anderen Seite des Sees an. Hier entstand vor ca. 40 Jahren ein riesiges unterirdisches Wasserkraftwerk, dass nur aus einem Zweck gebaut wurde – die Versorgung der Aluminium Schmelze in Bluff mit Strom. Bluff liegt witzigerweise gute 200 Kilometer entfernt. Heute werden hier 14% des neuseelaendischen Stromes hergestellt (und groesstenteils ins gut 3000 Kilometer entfernte Auckland transportiert). Moeglich macht dies ein Hoehenunterschied von 174 Metern zwischen dem Lake Manapouri und der Normierung der Tasmanischen See.
 
Am Hafen in Westarm wartete dann auch schon ein mit Schneeketten bereifter (bereifter? beketteter?) Bus auf uns. “Ahhh, Schneeketten. Koennte interessant werden. Hoffentlich nicht nur Matsch”. So ging es auf den etwas mehr als 600m hohen Pass (nicht gerade sehr hoch, aber immer noch hoch genug fuer massig Schneeeeeeeee. Mein erster richtiger Schnee seit Ewigkeiten. Wunderschoen weiss. Kein Matsch. Keine dreckigen Verkehrsabgase in ihm. Pures Weiss.), wo es dann auch diesen ersten Ausblick auf den Doubtful Sound gab…
 
 
SAMSUNG DIGITAL CAMERAMassig Schnee, kommender Sonnenschein und der Sound im Hintergrund. Hat mich echt umgehauen.
 
Witzigerweise ist es genau diesem Kraftwerk in Westarm zu verdanken, dass wir ueberhaupt diese Reise unternehmen koennen. Denn die Passstrasse wurde vom Staat fuer genau jenes finanziert. Die teuerste Strasse Neuseelands. Nicht sehr lang, vielleicht 10 Kilometer oder so. Nicht sehr hoch. Aber staendig wechselnde Witterungsverhaeltnisse machten das Einhalten der eigentlich veranschlagten 364 Tage unmoeglich. So standen dann nach knapp 2 jaehriger Bauzeit 2 Dollar Kosten einem einzigen Zentimeter Strasse entgegen. Wow. Aber trotzdem vielen lieben Dank liebe Aluminiumschmelzer, dass ihr so viel Strom benoetigt und ich heute eure Strasse benutzen durfte. Am Ende der Strasse wartete dann auch schon unser “Fiordland Navigator” auf uns. Eigentlich war ich fuer ein Vierbettzimmer vorgesehen. War es dann auch. Zumindestens theoretisch. Vier Bette hatte das Zimmer, nur keine vier Mann die diese auch benutzen. Nur mich. Ich allein war der Bewohner von “India” fuer eine Nacht. Was fuer ein Luxus. Ein Vierbettzimmer bezahlt (ok, nicht einmal :) und ein Einzelzimmer bekommen. Passt.
 
 
SDC11106Unser Schiff.
SDC11109MEIN Zimmer.
SDC11111MEIN Ausblick aus dem Bullauge (fast auf Meereshoehe).
SDC11116Am GPS Bildschirm konnte man immer genau verfolgen wo man sich gerade befindet. Aber wer braucht schon so etwas? Wer geht auf ein Boot und klebt dann vor diesem anstelle draussen an der frischen kalten Luft alles live zu sehen?
SAMSUNG DIGITAL CAMERAVon grau und dunkel…
SDC11149…zu blau und hell. Die Sonne kommt!!!
 
Der Doubtful Sound ist der insgesamt zweitgroesste aller 14 Sounds im Fjoerdland (nur Dusky ist groesser) und wie der Milford ebenfalls eigentlich kein Sound sondern ein Fjoerd. Gleiche Entstehungsgeschichte: Ruckzug von Gletschereis hat dieses U-Tal zwischen den Bergen geschaffen. Weiterhin ist der Doubtful Sound etwa 3 mal laenger als sein Bruder Milford (wenngleich die Berge nicht ganz so hoch und steil sind.)
 
Die naechsten zwei Stunden hiess es also “raus aufs Deck, raus in die Kaelte und geniesst die Landschaft.” Muss man mir doch nicht zweimal sagen. Nicht einmal einmal – war naemlich schon laengst mit einer heissen Tasse Tee in meinem Haenden am Staunen. Und genau das, Staunen, habe ich auch fuer die naechsten Stunden nicht mehr abgelegt. Einfach wunderschoen. ALLES!
 
 
SDC11154Und die Sonne kaempft…

 

Gegen 3 Uhr gab es dann die schwierige Frage: raus ins kalte wirklich kalte Nass, auf dem Kayak. Oder lieber das langweilige Umhergekutschtwerden auf einem lahmen Boot. War nicht wirklich eine Frage – ich bin der Kayakmann. Natuerlich. Und ebenfalls war es natuerlich keine Frage, ob meine Kamera wieder mit an Bord kommt. Irgendwann muss es ja mal klappen trocken zu bleiben. In diese eisige Bruehe will ich sowieso nicht freiwillig fallen. Und schon garnicht meine Eskimotechnik verfeinern :) Sie kam also mit…wurde NICHT nass…und lebt also heute noch :)

 

SDC11160Auf gehts! Ca. Null Grad hatte das Wasser. Am Vortag war hier noch alles gefroren. Unglaublich aber war.
SDC11165Kalt war es natuerlich und ganz besonders hier auch.
SDC11179Und wieder kaempft das Blau.

 

Nach knapp einer Stunde war dann auch dieses Abenteuer wieder beendet. Echt beeindruckend zentimeternah an diesen steilen massigen Bergen vorbei zu paddeln. Definitiv die richtige Entscheidung.

Naechstes Ziel war dann die Tasmanische See. Hoffentlich noch im Tageslicht, was wir dann perfekt auch erreicht haben. Und da war er auch schon wieder, der naechste perfekte Moment. Man faehrt locker eine halbe Stunde auf eine kleine Oeffnung in den Felsen drauf zu. Eine Oeffnung, die den Sound vom offenen turbulenten Ozean trennt. Erst eine sehr ruhige Fahrt, ploetzlich wird es wellig und turbulent. Auf und Ab. Huiiii.

 

SDC11187Vorne Doubtful Sound, hinten Tasmanische See.
SDC11205Und noch einmal.
SDC11217Tolle Sonnenuntergangsstimmung. Ich liebe diese orangenen Farben. Hier zwei Crewmember (die Hollaenderin hat uns nicht selten zum Lachen bringen koennen ;)
SDC11238_panoEin Blick zurueck in den Sound (rechts auf dem Felsen sind ca. 50 Seerobben).
SDC11243Die Sonne verschwindet hinter den Felsen scheinbar im Meer.
SDC11259_panoUnd wieder dieses Orange.
SDC11268Fast…ist sie weg.
SDC11274Auf wiedersehen Ozean.
 
Rasch wurde es jetzt dunkel. Wir haben nur noch ein ruhiges schaukelfreies Plaetzchen in einem der drei Seitenarme des Doubtful Sounds gesucht und Anker gelegt. Ueber das Buffet brauche ich nicht viele Worte verlieren. Es war ausreichend und einfach nur lecker. Perfekt. Aber ich bin da soweiso nicht der richtige Indikator. Meinem Schweinemagen schmeckt ja eh fast alles. Und das auch noch in unmenschlichen Mengen (was mir auch hier den einen oder anderen Grinser bzw. fragenden Blick wie ich das denn alles nur essen koenne einbrachte ;)
 
Noch ein sehr interessanter und witziger Vortrag ueber die Gegend, Natur, Pflanzen und Tiere sowie maorische Entstehungsgeschichte gehalten von der Tomatenfrau und schon war es fast Zeit zum Schlafen gehen. Zumindestens fuer 90% unserer Leute. Zum Glueck fanden sich noch 3 weitere unmuede (deutsche) karteninteressierte Mitreisende, mit denen der Abend noch ein wenig in die Laenge gezogen werden konnte.
 
Nach erholsamen (Seeluft macht bekanntlich muede) 6 Stunden bimmelte dann schon wieder der Wecker. Aber auch gut so, denn kaum spaeter begann die Schiffsschraube sich schon wieder zu drehen. Also schnell Sachenpacken, Fruehstueck reinstopfen und ab aufs Deck, will ja schliesslich nichts verpassen. Puenktlich 7:10 sass ich dann in der Dunkelheit des Morgens wieder mit einem bruehend heissem Tee an der frischen Luft. Wieder als einziger, da alle anderen noch ausfuehrlichst fruestueckten oder noch schliefen. Ich nicht, eh ehhh, denn heute wurden uns noch tolle Aufnahem versprochen. Und diese liessen auch nicht lange auf sich warten, als ca. 15 Delfine unsere Reise fuer gute 20 Minuten begleiteten. Sie freuen sich immer so sehr wenn sie in den Wellen des Schiffes mitschwimmen koennen. Ihrem Starbonus haben sie auch voll ausgelebt. JEDER war nun auf dem Deck und schoss hunderte von Fotos der grossen (groesser als der Durchschnittsdelfin) Saeugetiere. Ich auch, allerdings nicht ganz einfach wenn man im Halbdunkeln mit langen Belichtungszeiten zu kaempfen hat.
 
 
SDC11305Leider nicht ganz scharf, aber man erkennt glaube ich was es sein soll ;)

SDC11314So langsam kommt auch die Sonne wieder zum Vorschein. Puenktlich und sehr gut im Timing.
SAMSUNG DIGITAL CAMERARuhig und Spiegelglatt erweist sich der “Halls Arm”.
SDC11324Zwar noch immer kalt, aber wen juckts?
SDC11326Mir fehlten echt die Worte. Nicht eine Bewegung auf dem Wasser. Wir fahren direkt auf dem Spiegel.
SDC11328Das Original ist nicht so dunkel!!!
SDC11329Wir “zerstoeren” das unglaubliche Nichtbewegen des Wassers erzeugen aber gleichzeitig wunderschoene Formen in selbigem.
SDC11337Ich konnte mich einfach nicht satt sehen.
SDC11350Diese eine Stunde im Halls Arm hat mich einfach nur wahnsinnig begeistert und erstaunt. Fassungsloses Staunen.
SDC11358Fast identisch zum “Mitre Peak”.
SDC11359Dort hinten waren wir gestern irgendwann. Scheint so weit weg, so lang her, bei all den neuen Eindruecken.
SDC11367Noch ein letzter Blick zurueck.

 

Gegen 10 Uhr Morgens waren wir dann wieder im Hafen. Noch schnell von unserer tollen Crew verabschiedet (sie haben eindeutig einen der besten Jobs den man sich vorstellen kann. 7 Tage am Stueck “arbeiten”, ich mein – es sind 10-12 Stunden Schichten pro Tag. Aaaaber, die Arbeitsumgebung ist ja wohl der Hammer. Danach 7 Tage frei. Dann wieder Arbeit…), rein in den Bus, zurueck ueber den Pass, rauf aufs Boot, zurueck ueber den Lake Manapouri, rein ins Auto und puenktlich 12:15 war ich wieder an der Arbeit. Mit dem fettesten Grinsen der Menschheitsgeschichte im Gesicht.
 
 
SDC11376Nahe des Passes – viel Schnee und ein beleuchteter Passberg.
 SDC11377Diese heisse Schokolade hat mich auf dem Boot zurueck nach Pearl Habour am Leben gehalten ;)
 
Mit meinem jetzigen Wissen, um noch einmal auf das Thema Geld zurueck zu kommen, wuerde ich ohne mit der Wimper zu zucken den vollen Preis zahlen. Und noch mehr. Ich bin so froh, dass es letztendlich noch geklappt hat. Der Doubtful Sound ist einfach eine Pracht. Schwer ihn mit dem Milford zu vergleichen. Sie sind sich so gleich aber doch so unterschiedlich. Man wuerde ihnen nicht Gerecht werden sie direkt gegenueber zu stellen. Wenn ich es jedoch muesste, mit einer Pistole am Kopf, dann ist das Ergebnis leider eindeutig: Auf einer Skala von 1 bis 10, 1 ganz mies, 10 supertrooper toll, belegt der Milford Sound ganz klar eine 10. Ohne wenn und aber. Kommt der Doubtful Sound noch hinzu und praesentiert sich wie bei meinem Erlebnis bekommt dieser eine 15! Sorry Milford, sorry Mutti und Papa – es ist echt sooo Schade, dass ihr ihn nicht sehen konntet. Ich mein…der Milford war weltklasse, keine Frage. Aber der Doubtful ist universumklasse ;)))

Bye,
euer Kiwi-Stefan

 


 



One response to “Doubtful Sound”

  1. Jenny says:

    hey du frostbeule :)
    vielleicht solltest du beim nächsten mal handschuhe anziehen! dann ist dir vielleicht noch ein bisschen wärmer! *gg*
    die bilder sind ja einfach mal atemberaubend!!!!!

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