Salar de Uyuni – Offroad durch die Salzwüste

Bolivien Karte
 

Nachdem sich nun auch Caro im 6.000er Club befeiern lassen kann war der Rest von Bolivien eher wieder passiv anstrengend ;)

Die Beine wurden wieder geschohnt und Morrie hatte die Hauptlast der Fortbewegung zu tragen. So durchqueren wir einmal das komplette Land und treffen im Süden auf unser nächstes Highlight. Eines DER Highlights der gesamten Reise, die Salzwüste bei Uyuni – “Salar de Uyuni”.

Auch wenn das Ausmass einer solch langen und intensiven Reise vorher nicht wirklich absehbar und greifbar ist, so macht man sich ja doch Gedanken, was man so alles schönes sehen und erleben will. Sehr grob natürlich. Und von dieser Liste gibt es wieder eine Topliste, die Highlights der Highlights quasi. Und unter diesen Highlight-Highlights gibt es dann wiederum noch Lieblinge. Jeder hat solche. Und die Salar de Uyuni zählt definitiv in diese Kategorie.

JEDER hat die unglaublichen Bilder der Salzwüste schon einmal irgendwo gesehen. Vielleicht bringt er es nicht mit der eigentlichen Bezeichnung in Verbindung (Salar de Uyuni – das Salz von Uyuni), aber das es in Bolivien einen riesen Salzsee gibt, den man mit dem eigenen Auto durchfahren kann und dabei noch Bilder von T-Rex und Co., wie sie einen selbst verspeisen, schiesst – das hat bereits jeder schon mal gesehen irgendwo. Und jetzt sind wir hier.

Mit 10.000 Quadrat­kilometern ist die (der? das?) Salar der grösste Salzsee der Welt und somit grösser als z.B. Niederbayern. Die Salzsohle unter der Kruste wird bis zu 100 Meter tief. Das Salz ist vor über 10.000 Jahren beim Austrocknen eines riesigen Sees zurück geblieben. Heute dient sie besonders der Salzgewinnung (mehr als 25.000 Tonnen jährlich) zum einen und natürlich den Touristen als Spass zum anderen. Besonders mit dem eigenen Geländewagen, abseits von Strassen und den Massen von geführten Touren, wird es richtig spannend. Und hier kann uns Morrie wieder einmal einen Lebenstraum erfüllen.

Also geht es ohne grosse Umwege direkt auf den Salzsee. Hier ist ein wenig Vorsicht beim Auffahren nötig, da der Rand der Kruste der bröseligste Teil ist und nicht wenige Fahrzeuge hier schon längerfristig steckengeblieben sind. Passend zum Thema (live passiert als wir ankamen):

 

Salar de Uyuni

 

Aber wenn man sich dann erst einmal vorsichtig auf das Salz bewegt und die ersten Meter hinter sich gelassen hat geht die Vorsicht auch ganz ganz schnell verloren und der Abenteuer-Instikt setzt ein. Eine reine, weisse, glatte Fläche soweit das Auge reicht. Nicht umsonst kommen Autohersteller hierher um neue Geschwindigkeitsrekorde aufzustellen. Eine flachere Fläche ohne Hindernisse gibt es sonst nirgendwo. Ab und an sieht man die Gummispuren der Tourenanbieter. Diese kann man nun zur Orientierung nutzen, oder auch nicht, wenn man lieber für sich allein geniessen möchte. Vorsicht aber auch hier wieder, ab und an gibt es Löcher im Salz. In diese sollte man im Geschwindigkeitsrausch lieber nicht geraten. Axenbrüche und tagelange Bergungsverzögerungen hat es schon genug gegeben. Nicht, dass wir keine Zeit hätten, aber muss ja trotzdem nicht unbedingt sein ;)

 

Salar de UyuniSalar de Uyuni
Salar de Uyuni Salar de Uyuni aerialMit der Drohne erst einmal einen groben Überblich verschaffen.Salar de UyuniGleich gibt es Kaffe und Kuchen ;)Salar de UyuniBasecamp, sonst wird man von der Sonne zerbrutzelt.Salar de Uyuni
 

Wir verlassen relativ schnell die Gummispuren und machen uns alleine auf Erkundungstour. Zur Orientierung nutzen wir dennoch das Telefon. Einfach so mal drauf losfahren kann man zwar machen, sollte man auch unbedingt, aber ob man dabei wirklich an seinem Ziel ankommt (insofern man eines hat) ist sehr zweifelhaft. Die menschliche Orientierung ist hier absolut nichts Wert. Verliert sich der Rand der Wüste erst einmal am Horizont ist Schluss. Alles sieht gleich aus.

Hat man anfangs noch Hügel oder Inselgruppen als Orientierung, ist in manchen Ecken des Sees einfach nichts weiter zu sehen als ein schimmender Horizont. Wenn dann noch etwas Regenwasser hinzu kommt ist sogar oben und unten kaum noch zu unterscheiden. Eine Reise auf LSD. Kein links und rechts und oben und unten. Alles eins. Alles keins. Das funzelnde Auge hat gerade bei blendendem Sonnenschein Probleme, nicht unter einem Tränenwasserfall vorrübergehend geschlossen zu bleiben. Der Verstand hat hier eh schon lange ausgesetzt. Zu unreal ist alles. Nicht greifbar. Fantastisch.

Und wenn dann auch noch die Abenddämmerung einsetzt…

 

Salar de Uyuni Salar de Uyuni Salar de Uyuni Salar de UyuniInmitten der Salzwüste steht dann auf einmal eine Insel voller Kakteen.
 

Die obligatorischen Perspektivspielerein dürfen natürlich auch nicht fehlen. Man kann hier wirklich Stunden damit verbringen kreativ und ausgefallen zu werden. Irgendwann tickt dann meine innere Fortschrittsuhr und wir ziehen weiter. Immer entlang des Salzes. Osten Süden Westen Querfeldein. Eines wissen wir, nur nicht nach Norden, denn dort kommen wir her. Trotz sämtlichster Schutzmechanismen haben wir auch beide einen Gesichtssonnenbrand. Es ist einfach unmöglich ohne diesen hier zu entfliehen.

 

Salar de UyuniSalar de UyuniSalar de Uyuni
Salar de Uyuni

 

Wir ziehen weiter und weiter, so manche “Doughnut Kreisel” im Salz zeugen von unserem Spielwahn. Gerade Caro kommt hier beim Fahren so richtig auf ihre Kosten. Und Morrie erst. Nur seinen Unterboden sollte man lieber nicht genauer betrachten. Das Salz hat sich abartig hartnäckig festgesetzt. Ziemlich ungesund für Autos, aber die befreiende Dusche kommt sicherlich bald für uns alle. Auch unsere Klamotten haben von dem Salzwasser ordentliche Salzflecken abbekommen. Aber wen störts. Anarchie für alle ;)

Wir sehen ein Leitmotiv am Horizont und fahren darauf zu. Unter der überzeugten Annahme, dass wir bestimmt noch 1-2 Tage brauchen würden für die Durchquerung gelangen wir bereits heute schon an die Grenze des Sees. Unglaublich. War es das doch schon? Im Spiel vergeht die Zeit wie im Flug. Wir drehen noch einmal um und düsen ein wenig zurück. Getreu dem Motto von Laserkraft 3D:

Nein man!
Ich will noch nicht gehen
Ich will noch ein bisschen Tanzen.
Komm schon Alter ist doch noch nicht so spät,
Lass uns noch ein bisschen tanzen.

 

Salar de UyuniDas wars, adios.Salar de UyuniEine “witzige” Aktion noch am Ende. Wir fahren an dieser kleinen Laguna vorbei, Stefan wie immer allzeitbereit, legt sich schwebend in sein persönliches Sole-Wohlfühlbad. Ich bin wie immer nicht ganz so schnell, komme nach 5 Minuten erwartungsvoll hinzu (sieht ja schliesslich mega gechillt aus wie er da so umherschwebt) und spüre plötzlich wie sich meine Nippel ruckartig nach innen ziehen. Also gaaaanz schnell wieder raus hier. Moral von der Geschicht – traue dem Solebad nicht. Denn wenn der Messing schwimmen kann, spricht das schon einiges für den Säurehaushalt des Salzes. 

 

Was für ein paar unglaublich wundervolle Tage. Dieses kleine Paradies mit Worten zu beschreiben ist einfach unmöglich. Die Zeit hier zählt sicherlich zu einer der bedeutendsten der gesamten Reise. Ein Traum wird wahr und würde auch gerne weiter geträumt werden. Aber es liegt ja auch noch so unglaublich viel vor uns. Gerade Chile und Argentinien mit ihrem Patagonien und Feuerland. Aber wollen wir nicht schon von der Zukunft reden. Noch sind wir hier. Nicht mehr lange leider, aber noch ein paar wundervolle Augenblicke geniessen wir, ehe es unverhofft zeitnah bereits zur wohlverdienten Dusche für uns dreie kommt. Und ganz im Sinne des Themas, finden wir diese natürlich in einem Salzhotel (keine Angst, haben dort natürlich nichts weiter mitgenommen als die warme, salzfreie Duschen). Auf zu den Lagunen.

 

Und wie geht es weiter für die Salzwüste?

Neben dem offensichtlichen Salzvorkommen liegt hier auch eines der grössten Vorkommen von Lithium an (Thema Batterien). Hier wird es sicherlich bald zu grossen Veränderungen kommen, welche laut Wikipedia bereits schon angeleiert wurden:

Das thüringische Unternehmen K-UTEC AG Salt Technologies erhielt am 15. August 2015 im Beisein von Präsident Evo Morales einen Auftrag im Wert von 4,5 Millionen Euro für die Planung einer großen Förderanlage, die pro Jahr 30.000 Tonnen Lithium-Karbonat für Elektroautobatterien liefern soll. Die bolivianische Regierung will mindestens 600 Millionen Dollar in Uyuni investieren. Die Förderung soll 2018 beginnen.

Oh weia, ob das was gutes für die Region heisst wird man sicherlich bald sehen. Ich drücke die Daumen, dass hier nicht all zuviele marktwirtschaftlichen Interessen der wunderschönen Natur den Rang ablaufen.

 


 



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