Blau

Nach der Rückkehr von unserem Cape Reinga Wochenende haben wir am Sonntag noch schnell in Waipapa gestoppt, um mal kurz beim hiesigen Autohändler Halt zu machen. Ja, und was soll ich sagen…tatatata – am Montag haben wir direkt zugeschlagen. Ein BLAUER Ford Falcon Baujahr 1997. Einfach riesig. Sechssitzer mit Schlafoption im Kofferraum. Ich habe mich direkt verliebt. Auch wenn es ein Ford ist. Noch schnell eine Versicherung abgeschlossen und schon ist er am Mittwoch auch schon wieder von mir gegangen. Jana und Hannah haben sich auf Entdeckungstour gemacht. Der Falcon war ein Gemeinschaftskauf von 5 Personen. So macht es für jeden etwa 500 NZ$. Sind nicht einmal 250 €. Eeeeeeendlich mal was, was in Neuseeland richtig billig ist. Da gebe ich doch gerne im New World mal 4 Euro für eine Salami aus, wenn man beim Autokauf so richtig sparen kann (verglichen mit Deutschland). Und wie einfach da einfach alles abläuft. Geguckt, ausführliche Probefahrt, beraten, bezahlt, UNSER. Der Wechsel des Besitzers erfolgt auf dem Post Office und kostet nicht einmal 10 Dollar. Wenn ich daran denke wie umständlich und bürokratisch das in Deutschland von Statten gegangen werden. Aber das sind eben Kiwis. Locker und lässig.

 

Unser BLAUES Raumwunder.

Und seine stolzen Besitzter (3/5). Direkt ins Herz geschlossen.

 
So mussten wir also am Mittwoch nicht nur vom Falcon Abschied nehmen, sondern auch von Jana und Hannah. Aber wie sich herausgestellt hat können sie einfach nicht ohne uns und kehren am Wochenende zur Hideaway Lodge zurück ;) So werden wir am 12. ausführlichst Janas Geburtstag am Strand feiern. Aber noch viel wichtiger: WIR HABEN EIN EIGENES AUTO. Und somit macht es auch nichts mehr aus, dass direkt in Kerikeri einfach gar nichts los ist (außer ein Kino – haben letzte Woche den neuen Bond geguckt. Bis auf zwei Bild- und Tonaussetzer sogar gar nicht mal so schlecht für eine Wiedereröffnung). Montags haben wir direkt eine erste Fahrt im blauen Raumwunder unternommen und unseren Hausstrand besucht (Mautauri Bay). Jaja, ich weiß, erst Sonntag, dann Mittwoch, wieder Montag…geht ein bissel durcheinander heute. Egal: WIR HABEN EIN AUTO ;)

Haben auch direkt zwei neue Mitbewohner bekommen. Ach ja, und Tim ist auch wieder zurück. Es gibt einfach kein Entkommen von der Lodge. Einmal hier gewesen und für immer gefangen. Genauso ergeht es im Moment den Amerikanerinnen, die mit Elisa am Donnerstag bereits das dritte Mal wieder kommen, obwohl sie schon längst weiter gezogen sein wollten. That`s Hideaway.

 
Donnerstag waren wir im Puketi Forest. Der erste Kontakt mit den endemischen Kauri Bäumen. Dabei handelt es sich um Bäume mit riesigen kahlen langen Stämmen und einer verastelten Krone, die mich früher als alter und leidenschaftlicher Baumhausbauer glatt zum Träumen gebracht hätte. Heute nicht mehr ganz – bin glaube auch ein bisschen von den Mammutbäumen im Westen der USA verwöhnt (viele liebe Grüße an dieser Stelle an Mama, Papa und Claudi – war ein wahnsinns Urlaub damals). Aber schon recht ansehnlich. Viel interessanter jedoch war die Tatsache, dass in diesem kompletten Wald, fast schon Regenwald oder Busch so dicht war dort alles abseits der Pfade, einfach mal kein einziger Vogel sein Stimmchen erklingen ließ. Ein Wald ohne Vogelgezwitscher. Wie abgefahren und gruselig ist das denn??? Die Erklärung folgte prompt auf dem nächsten Hinweisschild: alle Vögel sind einer Pest zum Opfer gefallen und werden erst langsam wieder angesiedelt. Wow – wie schnell so etwas gehen kann. Eine Pest, alles weg. Wirklich gruselig. Ein weiteres Hinweisschild macht auch Hoffnung auf noch größere Kauris weiter im Süden, die noch einmal ne ganze Ecke größer sein sollen. Lassen wir uns
überraschen.

Die Krone eines Kauri Baumes.

…ist dann wohl doch ein wenig groesser als wir es sind ;)

Der Baum mit der “1” im Stamm ist unsere Groesse. Es geht also noch einiges…

Ein uebergrosses Farn.

Ohne Worte.

Thema Arbeit. Durch den abartig starken Regen der letzten Woche (den Elisa hautnah und allein in ihrem nagelneuen Warehouse-billig-Zelt miterleben oder miterschwimmen oder mitsterben durfte) gab es einfach keine Daily oder Cashjobs. Die Fruitpicking Saison ist auch gerade beendet. Und selbst die Austern wollten nicht so wie sie sollten (das ganze Süßwasser aus dem Inland hat auch den ganzen Dreck und Abfall aus dem Inland mit ins Meer geschwemmt, die Austern fungieren als Filter, filtern somit dem Müll heraus und werden unbrauchbar). Somit saßen wir 3 Tage einfach nur rum. Ohne Arbeit. Oder sind eben gleich mal wieder an den Strand gefahren. Was soll man denn auch sonst so machen ;)))
Diesmal – es soll ja nicht langweilig werden – quasi als Abwechslung – ging es mal wieder an die Taupo Bay. Mit Felix (ein neuer Mitbewohner), seinem neuen 6 Mann Bus (inklusive Bett) und jeder Menge Sonnenschein im Gepäck. Ein kompletter Nachmittag wieder am Strand genossen, gebadet, die Wellen bekämpft, neue Surfversuche unternommen (hab diesmal gar nicht erst versucht aufzusehen sondern nur das „Catchen“ der Wellen geübt.

 

Erst kaempft man sich muehsam nach draussen…

…um sich dann mitreissen zu lassen. Und da hat sie mich.

 
Tim sein Mini-Fastboard ist wahnsinnig schwierig zu nutzen und als Anfängerboard völlig ungeeignet. Nicht umsonst sind die Bretter der Surfschulen ungefähr dreimal so groß. Soll aber, nebenbei, nicht als Ausrede dafür dienen, dass ich immer noch keinen registrierten geglückten Stehversuch hinbekommen habe.) und dabei auch gleich mal die mittlere Finne des Boards im Sand abgeknickt habe (mein ewiges leidiges Talent Sachen zu zerstören hält scheinbar auch hier an – ich schusseliger Trottel ich). Gleich mal einen halben Tag umsonst gearbeitet. Naja, Blödheit sollte eben doch manchmal auch bestraft werden.
 
Am Taupo Bay dann auch der erste Kontakt mit Neuseelands-waaaaahnsinns-BLAUEM-Himmel (ich weiß, Wahnsinn zum Ausdruck von Superlativen wird von mir relativ oft verwendet. Aber wenn es nun mal so ist!). BLAU ist eigentlich gar kein Ausdruck. TiefBLAU, leuchtend, klar. Habe noch nie einen so deutlichen und klaren Himmel gesehen wie hier. Als ob die Luft einfach mal keine Schmutzpartikel enthält. Völlige Reinheit. Toll.
 

BLAU.

BLAUer…Wahnsinn.

 
Und heute auf Arbeit auch gleich wieder. Könnte man sich einfach nur hinlegen und stundenlang nach oben gucken. Leider würde das dem Ron, unser neuer Arbeitgeber sicher nicht ganz so gut gefallen. Aber auch der Himmel einfach nur zum Staunen schön. Mit seinen kleinen Schäfchenwolken. Hachjaaa. Meine neue Aufgabe: Disteln zerstören. Erst auspicken, mit Wurzeln, und dann auf einen Scheiterhaufen bringen. Ich hasse sie. Miese kleine Stacheln. Miese kleine Stacheln, die selbst durch Jeans und Handschuhe stänkern. Aber noch mehr als Disteln hasse ich, mh, wie heißen sie eigentlich, Bäume, die ich vorher noch nie gesehen habe und scheinbar nur in Neuseeland vorkommen, ebenfalls Stacheln besitzen, ebenfalls durch Jeans und Handschuhe stänkern aber zusätzlich noch ein riesiges und starkes Wurzelwerk besitzen, größer sind, auch entfernt werden müssen und einfach mal eine komplette Wiese belagern. Bis zu 3 Meter hoch und dichter als ein Busch müssen wir (Schweden John und ich) erst ihre Äste absägen oder knipsen und danach mit einer Picke ihre Wurzeln aushebeln. Wenn die Picken nicht gerade durchbrechen und uns somit eine unverhoffte Pause verschaffen ist es eine sehr schweißtreibende Arbeit. Absolut das härteste was es bis jetzt an Arbeit hier gab. Und das auch noch bei 30 Grad…denn der Sommer ist endlich richtig da. Und wie. Heiß, heißer, Neuseeland. Ok, so heiß ist es eigentlich gar nicht. Aber die Sonne brennt einfach ganz anders auf der Haut als anderswo. Liegt wahrscheinlich an der fehlenden Ozonschicht. Also eincremen eincremen eincremen. Und einen lustigen Sonnenhut tragen. Und mindestens 4 Liter Wasser am Tag trinken. Und ein leckeres frisch gekühltes Bier von der Schwiegertochter pünktlich zum Kaffee bekommen. Dann lässt sich die Arbeit auch sehr gut ertragen. Unsere Motivation? Der Pool in unserer Lodge und die Aussicht darauf, dass die Arbeit noch mindestens zwei Wochen andauern wird. Wenn es nicht regnet heißt das also, dass für diese Zeit die Arbeit sicher ist. Zwar ein wenig schlechter bezahlt als ein Tagesjob aber dafür sicher. Passt. Find es auch voll witzig, dass in Deutschland der Winter ausgebrochen ist. Ich liege hier mit frisch gebräunter Haut jedes Wochenende am Strand und genieße die Wärme. Hihi.
 
 

Und noch einmal BLAU.

Und wieder!

Dumm glotzen konnten Kuehe schon immer. Auch hier in NZ.

Der komplette Wald hinter mir muss “vernichtet” werden!

Eine kurze und verdiente Pause fuer mich und meinem schwedischen Mitarbeiter John.

 
Ach ja, ganz vergessen. Apropos Strand. An der Taupo Bay sind bei unserer Ankunft direkt am Strand einfach mal 10 (!!!!) Delfine im Rudel vorbei geschwommen. Leider haben sie nicht auf mich gewartet bis ich meinen Neopren anhatte (war sehr windig). Sie sind einfach weiter geschwommen nur um 2 Stunden später aus entgegen gesetzter Richtung noch einmal die komplette Bucht zu durchschwimmen. Wofür bezahlen andere Menschen eigentlich so viel Geld, wenn man sie hier direkt am Hausstrand vor der Tür hat. War echt toll. Und gehüpft und gesprungen sind sie auch noch – einfach so. Vor unserer Nase…Wahnsinn ;)
 

Leider kein besseres Foto. Wo sich die Wellen ueberschlagen ist uebrigens der Strand.
Also keine 30 Meter Entfernung.

 
Hoffe euch geht es allen gut???

Liebste Sommergrüße,

Euer Kiwi-Stefan

PS: Ein frier Tag in Paihia mit Elisa und unseren Amerikanerinnen. Gestern haben sie sich mit Katies 25. Geburtstag endgueltig verabschiedet (wers glaubt ;)
 

Dejavu – gab es an dieser Stelle nicht schon einmal ein Posing???

3…2…1…Sprung!

 


 

 



5 responses to “Blau”

  1. Maddin says:

    gugug, schöne grüße an dich und deine mitmenschen von mir. die temperaturen in deutschland werden wieder milder zumindest hier bei mir^^ da hier jedoch winter ist, können wir natürlich nicht mit eurem wetter mithalten. fleißiß am arbeiten, das hört sich löblich an. ich freu mich schon riesig auf deine führung durch dein land^^

  2. Mutti says:

    Glueckwunsch zum neuen Auto. Hoffentlich sind die Reparaturen (wenn welche anfallen) auch so billig. Es ist toll, dass Ihr Euch so gut versteht. Freue mich immer über Deinen Block und tollen Fotos. Pass auf Dich gut auf!!!

  3. Sören says:

    Servuz Stefan

    Oh yeah. Das ist also unser neues “Familienmitglied”?! Na da müssen wir noch einen vernüftigen Wackeldackel für die Hutablage besorgen (vorausgesetzt der Ford hat eine).
    Ich hätte dann gerne in ein paar Wochen ein Bild vom gerodeten Wald,… als Beweiß für den Fleiß.

    Hau rein Großer

    P.S.: Jetzt gehts rüber in Jana’s Blog ;)

  4. Wichtel says:

    Hallo Stefan,

    jetzt darf ich mal ein bißchen labern.
    Hin und wieder schreibst du ja auch von schönem Wetter, ich vermisse aber jegliche Bild- oder Textdokumente vom Beachvolleyball. Nur mit Kiwis und Farne rausreißen oder Rumsaufen am Strand kannst du deine Sprungkraft nicht erhalten…
    Die Landschaftsaufnahmen sind natürlich toll, wie wir NZL aus 1996 auch in Erinnerung haben.
    Die Schwefelgerüche sind bei uns übrigens erst seit letztem Jahr vollständig verschwunden…
    Allzeit gute Fahrt mit dem neuen Wagen, Navi brauchste ja nicht, wenn ein Strand kommt, mußte umdrehen.
    Wir haben damals übrigens in 3 Wochen 14 Opossums mit dem Auto erlegt, ist – so wie ich glaube – bisher Georgenthaler Rekord.

    Viel Spaß und tolles Wetter weiterhin (ich war übrigens gestern bei Sonnenschein zum Langlauf in Oberhof)

    Wichtel & Familie

  5. Stefan says:

    @ wichtel: tja, das mit der sprungkraft ist hier so eine sache. sonderlich viel wert auf volleyball, besonders die beachvariante, wird hier offensixhtlich nicht gelegt. verstehe wer will – moeglichkeiten gibt es ja zu genuege. sind halt alle bissel rudgy verrueckt, die kiwis. kann man wohl nichts machen. werd ich ab heute anfangen mein gewicht zu verdoppeln und eben in diesen sport eintreten.

    deinen rekord bezueglich der oppusms werd ich wohl nicht brechen, gebe mir allerdings groesste muehe (ohh, wie schwarz humorig???). haben bisher allerdings keins erwischt, nur welche am strassenrand entdeckt, die noch aus deiner zeit stammen koennten :)

    liebe gruesse

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