2. Trainingslager – Masskrüge

Dieses Mal handelt es sich eher um einen Dreikampf – oder auch Triathlon oder besser noch: Moderner Triathlon. Ja, so könnte man sagen. Kein Abschinden im Wasser, auf dem Rad oder zu Fuß. Dafür drei wichtige Sachen um Fit und Reif für die Insel zu werden.
 

1. Disziplin: Masskrüge heben

 

Trinkfest sind die Kiwis, hört man es so sagen. Oder liest man auch gelegentlich. Kann ich mir auch gut vorstellen. Den lieben langen Tag mit seinen Schafen allein auf der Weide zu verbringen kann schon ganz schön durstig machen. Und leckeres Bier sollen sie wohl auch brauen können. Was läge da also nicht näher, als unser traditionsreichstes und größtes Bierfest zu besuchen – das Münchner Oktoberfest – die Münchner Wies’n. Nach meinem letztmaligem Besuch mit der ADVA, die sowohl für Busfahrt, Reservierung, Bezahlung ALLER Spesen verantwortlich war lagen die Vorzeichen in diesem Jahr etwas anders. Reservierung hat nicht geklappt. Fahren mussten wir selber – und das auch noch zum letzten Wies’n Wochenende, das wiederum noch gleichzeitig durch den Tag der Deutschen Einheit ein Verlängertes darstellte. Nun gut, wir wollen ja nicht jetzt schon meckern. Also ging es Freitag Morgens pünktlich um 8 Uhr los (selbst Felix war für seine Ansprüche überpünktlich).  Nach knapp 4 Stunden sehr guter Fahrt kamen wir ausgehungert in München an. Daniels Augustiner Bräu Kasten kam da gerade recht. Zum Glück hat es wie aus “Mass” gegossen, so dass wir den Kasten schön in Ruhe leeren konnten und nicht noch Sightseeing in der Münchner Innenstadt veranstalten mussten ;) Abends gabs dann auch endlich original Thüringer Bratwürschte…mhhh, wie geil. Keine Weißwürscht zum auslutschen, nein, wenn schon, denn schon. Sehr lecker.

Samstag ging es dann sehr früh zur Theresienwiese damit wir auch ja in ein großes Zelt rein kommen sollten. Gleich am Eingang ging es dann los mit der bayrischen Landestracht. Ich liebe es ja einfach: junge hübsche Frauen in ihren Dirndeln. Was kann es anziehenderes oder erotischeres geben? Aber seht selbst:

 

 

Nach einer gefühlten halben Ewigkeit in der Schlange zum Augustiner (!!!) Festzelt (man sollte ja den “Morgen danach” am Besten damit beginnen womit man am Vortag aufgehört hat) waren wir dann endlich drinnen nur um Feststellen zu müssen, dass schon jetzt alle Tische knacke voll besetzt waren. Auch an halbvoll besetzte Tische war dank der zuvorkommenden “Hier ist besetzt!!!!”-Affen nicht zu kommen. Also wieder raus, in den mittlerweile eingesetzten Regen und in den Biergarten der Ochsenbraterei gesetzt. Dort sind wir mitten in einen Deutsch-Italienischen Zweifrontenkrieg geraten, der bereits nach kurzer Zeit locker für unsere Kollegen aus dem Stiefelland entschiedne war. Sehr sehr lustig die Menschen – und das frühs um 10 Uhr. Das ist die Wies’n. Unter einem Heizstrahler haben wir es uns also die nächsten 3 Stunden “gemütlich” gemacht und auch das ein oder andere Bierchen vernichtet.

 

Pure Gemütlichkeit. Aber keine Angst, in Wirklichkeit hatten wir sehr sehr viel Spaß. Wollten nur ein bissel Mitleid erregen, deshalb.

 

Geregnet hat es auch wirklich nur ganz ganz “kurz”. Ein Wunder, dass ich ihn überhaupt mit meiner Kamera festhalten konnte. Ein Dank dan die Super-Mini-Auslöseverzögerung!

 

Womit wir auch schon beim nächsten Thema sind: das Bier. Beziehungsweise der Preis des leckeren Gebräus: 8,25 € für ein Mass!!!

 

Für die, die es nicht glauben wollen. Speisen waren im Übrigen nicht minder teuer.

 

Für alle die nicht so Oktoberfest- oder physikalisch bewandert sind: 1 Mass = 1 Liter. Aaaaalso 8,25 € für ein Liter. Ok, Kopf aus, Portmonee an. Sollte man einfach nicht drüber nachdenken – vermießt einem nur den Geschmack. Und der war echt vorzüglich. Wenn man nun sein Mass bezahlen will läuft das meist folgendermaßen ab: ein sehr unzuvorkommender unfreundlicher abgehoben hochnäßiger völlig überbezahlter Kellner steht mit angekotztem und angewidertem Gesicht vor einem mit geöffneter Tasche und fordert seine Kohle ein. Gibt man nun einen 10er hin, bekommt man einen ganzen Euro zurück. Mh, hab ich wohl was nicht ganz mitbekommen. Schau ich mir das Schauspiel halt bei den anderen mal an. Dasselbe. Ok, kostet das Bier wohl doch 9 Euro und nicht 8 1/4. Am Nachbartisch dann aber die Erklärung. Ein älterer Herr bekommt seinen Euro zurück hält aber weiterhin seine Hand fordernd dem Kellner entgegen. Diesem verlässt nun noch sein letzter gebliebener Ansatz von Freundlichkeit, seine Mundwinkel klappen nach unten und er kramt eine halbe Ewigkeit nach den noch fehlenden 75 Cent Restgeld. Aha, geht doch. An diesem Tisch, oder besser bei diesem älteren Herren war der Kellner dann aber komicherweise über einen sehr ausgedehnt langen Zeitraum nicht mehr zur Bestellung gesehn wurden.  Also lieber auf das Restgeld verzichten und dafür mit Flüssigem versorgt zu werden oder eben Dursten. Man hat sogar die Wahl ;) Da in den über 8 Euro pro Mass aber bereits ein Trinkgeld für die Kellner mit eingerechnet ist kassieren sie so quasi doppelt ab. Puuuhhhh, muss man erstmal verarbeiten. Aber nicht umsonst kommen die besten Kellner in diesen 3 Wochen Wies’n auf 15-20 Tausend Euro Verdienst. Ich denke spätestens dafür könnte man auch ruhig mal ein kleines Lächeln verlangen (an den Chef der Ochsenbraterei: hier ist starker Besserungsbedarf angebracht!). Danach ging es erst einmal auf Erkundschaftung der Fahrg’schäft’l. Der drehende Supertornado, oder so ähnlich, und ein Kettenkarusell sind es dann geworden. Jedem der jetzt einschreit “toll, Kettenkarusell – hab ich schon mit 3 erfolgreich umrundet” sei nun gesagt, dass sich dieses in luftigen 80 m Höhe befunden hat. Aber was tut man nicht alles für einen genialen Blick über die gesamte Oktoberfestfläche und München. Beeindruckend.

 

 

 

So viel Abenteuer macht auch ganz schön durstig. So haben wir uns wieder auf in den Kampf gemacht um einen Platz in einem Zelt zu ergattern. Aber neeeeee – ALLE Zelte wegen Überfüllung geschlossen. Einzig und allein in der Haxenbraterei fanden wir noch ein Plätzchen…ein sehr gemütliches muss man dazu sagen. Der Preis den wir aber dafür zahlen mussten war umso höher: “Wieviele seit ihr – 5 – ok, habe Platz für euch. Aber ihr MÜSST was Trinken UND Essen – ja, machen wir, haben eh hunger.” Drinnen kam dann nochmal die Bedienung um es auch für die letzten höhrbehinderten und begriffsstutzigen unter uns klar zu machen: “Sie MÜSSEN Essen UND Trinken. Und zwar eine Hauptspeise, nicht nur eine Beilage. JEDER von euch MUSS eine Hauptspeise bestellen UND was zu trinken.” Ok, was tut man nicht alles für ein gemütliches warmes Plätzchen direkt neben der Band. Geschmeckt hat es ja, kann man garnicht meckern. Also das Essen. Das Bier schmeckt sowieso überall auf der Wies’n. Nach ca. 1 1/2 Stunden kam dann der Dank dafür, dass wir ALLE so lieb und brav gehorcht haben. Gerade als die Band so richtig warm wurde – und auch wir – und das Schunkeln und Mitsingen (ok, Mitgröhlen) seinen Höhepunkt erreichte “Sie müssen jetzt leider das Zelt verlassen. Nur noch für Vorreservierungen”. Ahhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh – wo gibt es denn sowas? Wieso können die? Weils sie können! Ganz einfach. So waren wir in 0,nix wieder draußen. Im Dunkeln. In der Kälte. Nur Regen gab es im Moment nicht mehr. 

Andi und Felix bekamen vorm Schottenhamel noch ihr persönliches “unmoralisches” Angebot, als ein Türsteher sie zu sich rief und meinte, dass sich zwei junge Damen im Zelt doch “soo alleine fühlen” würden. Und deshalb zwei Freikarten für zwei ebenfalls junge und sich sooo allein fühlende Gentleman bereitstellen würden. Aber so soziel und gemeinschaftlich wie die beiden sind haben sie natürlich abgelehnt und uns lieber den restlichen Abend die Ohren vollgeheult, wie toll das doch dort drinnen im VIP Bereich mit ihren Prinzessinnen geworden wäre. Wir ließen sie weiterträumen…

Da uns ab nun kein Zelte mehr haben wollte haben wir beschlossen das Abenteuer Oktoberfest 2008 zu beenden und lieber daheim bei Daniel noch eins zwei drei Radlerchen zu trinken. Auf die Helme!

Doof wie man ist reichen diese ganzen Negativeigenschaften der Wies’n (viel zu teuer, unfreundliches Personal, absolut überlaufen – locker 4 weitere riesen Zelte könnte man bis auf den letzten Platz befüllen) trotzdem nicht aus – denn auch im nächsten Jahr soll es wieder heißen: “O’zapft iiis!”. Dann zum Oktoberfest 2009, mal sehen ob ich da bereits wieder im Lande bin. Die Kiwis können jetzt jedenfalls kommen. Und das Kiwibier ebenfalls.

Prost!

Euer Kiwi-Stefan

 


 

 

 



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